Test Jeep/Mercedes/Range Rover

Cherokee SRT8 – Range Rover Sport V8– Mercedes ML 63 AMG Cherokee SRT8 – Range Rover Sport V8– Mercedes ML 63 AMG

Test Jeep/Mercedes/Range Rover

— 26.02.2007

Auf hoher Welle

Mit ihren Leistungen können Cherokee, ML und Range Sport mächtige Bugwellen vor sich hertreiben. Doch richtig geländetauglich ist nur einer von ihnen.

Was soll das jetzt? Da werden geländetaugliche SUV tiefergelegt und ihrer Untersetzung beraubt, beziehungsweise es wird gar keine angeboten. Dafür schraubt man wahrhaft monströse Motoren unter die Haube, die zwar für atemberaubende Fahrleistungen sorgen, aber bei einer bewegten Masse von 2,2 bis 2,7 Tonnen (ohne Passagiere) auch den Spritverbrauch in obszöne Höhen treiben. Mal ganz abgesehen davon, dass sich das Gewicht auch in Kurven bemerkbar macht. Also wo liegt der Grund, dass betuchte Zeitgenossen zwischen 66.000 und 100.000 Euro für seltsame Kreationen auszugeben bereit sind, die als Folge der Kreuzung ihr ursprüngliches Gattungsmerkmal verloren haben? Aber geschenkt. Dass es immer nur ein Kompromiss sein kann, einen schweren Geländewagen mit mehr oder minder hohem Einsatz sportlich zu machen, ist klar.

Geld darf beim Kauf dieser Autos keine noch so kleine Rolle spielen

Mercedes etwa legt mit dem ML 63 AMG in puncto Kurvenagilität die Messlatte so hoch, dass man den Aufwand des Fahrwerk-Feinschliffs nicht nur am Preis erkennt. Aber wie gesagt: Bei einem Gewicht von deftigen 2385 Kilogramm (Range: 2660 kg; Cherokee: 2165 kg) und einer Höhe von 1,70 Metern (Range: 1,78m; Cherokee 1,71m) sind dem Spaß etwa auf einer Rennstrecke Grenzen gesetzt. Nicht so bei den Fahrleistungen, die zumindest ML und SRT-8 in die Nähe hochkarätiger Sportwagen rücken: Lächerliche 5,2 Sekunden braucht der 426 PS starke Cherokee auf Tempo 100 km/h, der ML mit 510 PS gar nur 4,9 Sekunden und der 390 PS produzierende Range unterbietet mit 7,6 Sekunden immerhin noch deutlich die 7,9 Sekunden eines 170 PS starken Golf GT. Dass Letzterer die Leistung mit etwa einem Drittel des Sprits erreicht – geschenkt. Ans liebe Geld muss – oder sollte – niemand denken, der den Kauf eines dieser luxuriösen Sport-SUV ernsthaft in Erwägung zieht.

Der Range Rover geht gut durchs Gelände.

Beim Spurt auf 200 km/h zeigt sich dann, dass der geländetaugliche Range Rover nicht die kompromisslos auf Höchstleistung getrimmte Fahrmaschine ist. Wenn er nach 32,3 Sekunden die 200er-Marke durcheilt, befinden sich Cherokee- und ML-Fahrer bereits auf Topspeed: 21 Sekunden steht das Pedal auf dem Bodenblech, bis der SRT-8 die 200 erreicht und bei aberwitzigen 245 km/h die Segel streicht. Der ML 63 AMG nimmt sich die 200 km/h bereits nach 16,8 Sekunden zur Brust und verliert bei 250 km/h nicht etwa den Kampf gegen den Luftwiderstand, sondern wird elektronisch eingebremst.

Sieben, sechs, fünf – die meisten Gänge bietet der ML-Automat

Die Fahrleistungen spiegeln sich analog im Charakter der drei Triebwerke wider: Da ist der kompressorbeatmete V8 des Range Rover Sport, der passend zu seinem distinguierten Auftritt auch beim Sound eher Zurückhaltung zeigt, schon aus dem Drehzahlkeller gut antritt, bei hohen Drehzahlen etwas angestrengt klingt und nur durch das laute Säuseln des Kompressors auffällt. Biestig dagegen reagiert der Cherokee auf Gasbefehle, die er sehr spitz umsetzt und durch eine aggressive, mittenbetonte V8-Geräuschkulisse untermalt. Trotz schlichter Zweiventiltechnik dreht der Hemi-Motor bissig hoch, die Fünfgangautomatik (ML: 7; Range 6) agiert dabei ruckfrei und flott. Schon akustisch zeigt der Big Mac ML, welches Potenzial in diesem 6,3 Liter großen Saugmotor steckt: Mit unglaublicher Wucht schmettert der V8 seine Ode an den (nicht ganz) ungezügelten Fortbewegungsdrang, klingt dabei ebenso aggressiv wie rein und lässt schon allein wegen seiner Statur einen Vergleich mit einem wütend voranpreschenden Zuchtbullen zu.

Konterkariert wird der Brutalo-Eindruck des Aggregats von der schnellen, aber unheimlich sanft schaltenden Siebengang-Automatik. Dieses Trumm macht Spaß, den man sich möglichst nicht durch einen Blick auf die auch recht schnell agierende Tankanzeige vermiesen lassen sollte. Mit 21,3 Litern, nicht Maximal-, sondern Durchschnittsverbrauch, ist der Benz der Durstigste im Vergleich. Super Plus ist hier ebenso Ehrensache wie beim Range, der mit 21,3 Litern auskommt, und beim SRT-8, der angesichts der Fahrleistungen mit 18,1 Litern in diesem Umfeld fast als Knauserer bezeichnet werden kann.

Auf der Staße kann der AMG alles ein bisschen besser

Da spritzt die Gischt: drei dicke Brocken im Gelände.

Wirft man die drei Schwergewichte mit Verve ums Eck, treten die Fahrwerksunterschiede deutlich zutage. Der Cherokee lässt sich leichtgängig lenken, man vermisst aber auch etwas die Rückmeldung. Die Seitenneigung in Kurven ist spürbar, aber noch nicht auf unangenehmen Niveau. Auch bei schneller Fahrt vermittelt die etwas weniger direkt ausgelegte Lenkung ein sicheres Gefühl. Die straffe Federung bietet den geringsten Komfort im Vergleich. Der Range dagegen leidet etwas an seiner zwar exakten, aber zu leichtgängigen und sehr direkten Lenkung, die vor allem bei hohem Tempo viel zu nervös ist. Seitenneigung unterbindet das serienmäßige Dynamic-Response-System, sodass auch bei flotter Kurvenfahrt kein mulmiges Gefühl aufkommt. Dank serienmäßiger Luftfederung ist der Federungskomfort auf hohem Niveau. Dass man alles noch toppen kann, aber eben mit Einschränkungen bei Bodenfreiheit und Geländetauglichkeit, zeigt eindrucksvoll der ML 63 AMG.

Seine weniger direkte und sehr linear arbeitende Lenkung erlaubt präzises Handling, die Rückmeldung ist gut. Im Gegensatz zum Range wird die (bei beiden) geschwindigkeitsabhängige Servolenkung hier bei hohem Tempo jedoch vergleichsweise hart, was ein höheres Sicherheitsgefühl bei Topspeed nach sich zieht. Trotz der sportlichen Auslegung der Luftfederung bietet der Benz hohen Fahrkomfort, zeigt kaum Karosseriebewegungen und dürfte die besten gezeiteten Runden hinlegen. Bleibt der Preis: Mit 99.246 Euro lässt sich Mercedes seinen superb verarbeiteten Edel-Bullen teuer bezahlen. Der noble Range kann für 83.200 Euro auch ins Gelände. Und der Cherokee bietet die meiste Leistung fürs Geld: 66.190 Euro sind fast ein Schnäppchen.

Autor: Ralf Kund

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