Test Kangoo/Caddy/Roomster/Combo

— 31.01.2008

Die tollen Kisten

Der Kangoo machte die Klasse der coolen Kisten populär, die Konkurrenz musste mitziehen. Jetzt hat Renault ihn gründlich renoviert. Lohnt sich der Umzug in den neuen Kombi-Kasten?



Die Kasten-Klasse ist immer wieder für Überraschungen gut. Der Boom, den vor nunmehr zwölf Jahren die PSA-Geschwister Citroën und Peugeot mit Berlingo und Partner auslösten, der kurz darauf den Renault Kangoo gar zur Kultkiste machte, half auch der Konkurrenz. Opel hatte bereits seinen Combo auf Basis Corsa, der ab 2001 zum Combo C wurde, VW nahm für seinen Caddy Anleihen beim Golf, und Skoda schließlich entwarf den Zwitter Roomster – vorn Fabia, hinten Nutzfahrzeug. Ein erstaunliches Erfolgsrezept. Der Roomster, 2006 auf den Markt gekommen, parkte im letzten Jahr auf Platz 46 der Zulassungsstatistik. Vor ihm liegt nur noch Konzernbruder VW Caddy Life (Platz 36). Der einstige Marktführer Renault Kangoo landet weit abgeschlagen auf Platz 90. Kein Wunder, er war in die Jahre gekommen, wurde gerade renoviert – wie demnächst auch Berlingo und Partner. Der mächtig gewachsene Neue muss zeigen, ob er die alte Hierarchie durcheinanderbringt.

Mit breiter Brust und neuem Selbstvertrauen: der Kangoo

Ordentliches Kaliber: Der Kangoo ist in Breite und Länge kräftig gewachsen.

Immerhin, die Grenzen des Wachstums hat er noch nicht überschritten. Denn Platz-Halter im wahrsten Sinne des Wortes ist immer noch der VW Caddy. Räumlich ist ihm der Kangoo aber hart auf den Fersen. Die Überarbeitung des Franzosen war mehr als eine Schönheitsoperation – sie markiert einen Neuanfang. Der Kangoo wuchs in der Länge um 18 Zentimeter, in der Breite um 16. Jetzt ist er wahrlich nicht mehr zu übersehen. Vorbei die Zeit der schmalbrüstigen Kult-Kiste, die seit 1997 in bester Renault-4-Tradition ganz Europa 2,2 Millionen Mal überrollte. Die junge Event-Generation, die knapp kalkulierende Großfamilie, die gehetzten Briefkasten-Leerer, Handwerker und Bäckerboten werden sich umgewöhnen müssen. Oder auch nicht, denn der kleine Vorgänger bleibt mit je einem Benziner und Diesel (75/68 PS, ab 11.450 Euro) als Kangoo Campus vorläufig weiter im Programm.

Mit dem Wachstum des Neuen passte sich Renault auch den gestiegenen Komfortwünschen der Kundschaft an. So gibt es auf Wunsch Klapptischchen an den Vordersitzlehnen, Einparkhilfe hinten oder einen tragbaren DVD-Player. Doch auch die Handwerker werden nicht vergessen: Die praktische Leiterklappe im hinteren Dachteil ist weiter zu haben, allerdings nur in Verbindung mit den beiden Schwenktüren (Aufpreis). Das gilt ebenfalls für den Caddy, auch ihn gibt es auf Wunsch mit einer kleinen Luke für extralanges Ladegut. Alle anderen Freunde der Kasten-Klasse schätzen die nach oben schwingenden Hecktüren, mit denen auch die drei Konkurrenten hier antreten, denn sie schützt beim Beladen vor Regen.

Der Opel Combo auf Basis des alten Corsa ist der Oldie in diesem Quartett. Seit 1994 schlägt er sich tapfer auf dem Markt, konnte aber Image und Stückzahlen der Franzosen nie erreichen. Wer das Quartett kritisch betrachtet, der muss sich von alten Vorurteilen trennen. Die Herrenfahrer-Kaste mit Hut wird die Kisten erst einmal nicht mögen. Aber vielleicht umdenken – wenn sie merkt, dass man darin sogar einen Zylinder aufbehalten kann. Vorn reichen die Innenhöhen von 1,02 (Skoda) bis 1,20 Meter (Combo), auf den Rücksitzen von 99 Zentimeter (Skoda) bis 1,22 Meter (Combo). Wer nun denkt, so viel Volumen wirke wie ein großer Resonanzraum und lasse jeden Verbrennungstakt lange laut nachhallen, hört sich getäuscht. Im Stadtverkehr ist der Kangoo der Leiseste im Vergleich, bei höheren Geschwindigkeiten übertönt der Fahrtwind die Motoren.

In 11,6 Sekunden auf 100: Der Roomster ist Rennmeister

Die reinste Kanonenkugel: Der Skoda Roomster ist der beste Sprinter im Feld.

100 bis 105 PS leisten die Diesel. Als Erstes fällt der erstaunlich leise Lauf des 1,5-Liters im neuen Kangoo auf. Die beiden Pumpe-Düse-Vertreter aus dem VW-Konzern sind – seit das Haus auf Common-Rail umstellt – nicht mehr zeitgemäß. Kalt nageln sie laut vor sich hin, erst bei warmer Maschine und höheren Geschwindigkeiten verliert sich diese Unart ein wenig, wird vom (Fahrt-)Winde verweht. Der Combo nervt nur kurz nach dem Starten, warm benimmt er sich wie der Renault. Geht es dann gut temperiert auf die Reise, setzt sich der Roomster an die Spitze: Er ist der Sprinter in dieser Klasse. Kein Wunder, mit 1350 Kilogramm bringt er am wenigsten auf die Waage, Vetter Caddy wiegt fette 280 Kilo mehr, muss aber mit dem gleichen Herzen leben. Auch hat er naturgemäß die wesentlich größere Stirnfläche, was ihn mit 7,2 Litern 0,9 Liter mehr verbrauchen lässt. Am durstigsten ist der Kangoo, er ließ im Test 7,6 Liter durch seine Düsen laufen. Gemessen am Nutzwert dieser Hochdach-Typen ist das aber immer noch okay.

Hier ein Fach und da ein Fach, was für eine tolle Sach! Im Kangoo - und in den Kollegen - wird Verstauen leicht gemacht.

Ihre Erbauer zeigen, dass sie richtig nachgedacht haben. Da gibt es Unmengen Ablagen, teils im Dach, teils als "Geheimfächer" unterm hinteren Fußboden. Dann falten sich die Rücksitze fast schon von selbst. Nur beim Combo müssen dafür die Kopfstützen herausgenommen werden. Natürlich sind die Bänke im Fond alle auch asymmetrisch geteilt (nur Opel verlangt dafür 120 Euro extra). Beim Skoda lassen sich die drei Stühle sogar einzeln ausbauen. Wer hinten bequem zu zweit sitzen will, lässt einfach den Mittelplatz in der Garage und stellt die beiden anderen Stühle enger zusammen. Renault setzt noch einen drauf: Für 150 Euro gibt es eine umklappbare Beifahrersitz-Lehne.

Ist der Kangoo der ideale Renault für die Familie – oder ist ein Scénic doch das bessere Vielzweck-Mobil? Kann der Combo vielleicht mit dem Zafira konkurrieren? Oder der Roomster mit dem Touran? In der Bildergalerie finden Sie die Antworten auf diese Fragen. Und natürlich jede Menge Infos zu und tiefe Einblicke in die vier flotten Kästen des Vergleichstests!

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Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

So wie die Kombis irgendwann die gesellschaftliche Akzeptanz erfuhren, so wird es diesen Kastenwagen gehen. Raus aus der Nutfahrzeug-Ecke, rein in die Allrounder-Abteilung. Kein klassisches Statusdenken mehr, das sind klassenlose Vielzweck-Autos. Außen unaufgeregt, innen aber mit allem Luxus ausgestattet. Der Roomster machts das jetzt schon perfekt, der Kangoo kann das auch schon ganz gut.
Die AUTO BILD-Wertung
Punkte max. SKODA RENAULT VW OPEL
KAROSSERIE
Platzangebot 30 20 26 26 28
Kofferraum/Variabilität 20 9 15 17 12
Zuladung (Anhängelast) 20 14 14 19 14
Sitze/Sitzposition 30 25 24 26 24
Raumgefühl/Rundumsicht 20 14 19 16 17
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 25 17 22 11
Sicherheitsausstattung 30 18 15 7 6
Qualitätseindruck/Materialien 20 18 15 16 14
Zwischenergebnis 200 143 145 149 126
ANTRIEB/FAHRWERK
Motoreigenschaften 20 16 17 15 17
Beschleunigung/Vmax 30 22 18 17 19
Elastizität 20 16 14 14 15
Fahrverhalten 30 25 23 22 24
Fahrgeräusche 10 7 6 4 3
Fahrkomfort 20 16 18 17 16
Getriebe/Schaltung 20 17 17 17 16
Lenkung/Wendekreis 20 17 15 16 14
Bremsen 30 14 11 16 15
Zwischenergebnis 200 150 139 138 139
KOSTEN
Steuer/Versicherung 20 9 8 9 8
Verbrauch/Umwelt 40 38 33 35 27
Garantie 20 11 11 11 14
Wartung 20 16 16 16 16
Aufpreisgestaltung 10 6 8 6 6
Wiederverkauf* 10 8 8 7 7
Grundpreis 80 50 55 45 63
Zwischenergebnis 200 138 139 129 141
*ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken
Gesamtpunktzahl 600 431 423 416 406
Platzierung 1. 2. 3. 4.*
* AUTO BILD Preis-Leistungs-Sieger

Autor: Diether Rodatz



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