Test Kombi/Van/SUV, Teil 1

Spezial: Kombi, Van oder SUV? Spezial: Kombi, Van oder SUV?

Test Kombi/Van/SUV, Teil 1

— 05.06.2007

Wer ist der Traumtyp für den Alltag?

So einen Test gab es noch nie: Kombi, Van und SUV streiten um die Krone des Alleskönners. Erst in ihrer Klasse, dann insgesamt. Teil 1: die Kombis.

Welches Auto passt zu mir? Das war früher einfach: das Coupé für Singles und Senioren, die Limousine für die reifere Generation und der Kombi für Beruf und Familie. Und heute? Wir stehen vor einer Vielfalt von Typen, die alle das Gleiche versprechen. Wir quälen uns durch Prospekte und Preislisten, tauchen in Kofferräume und rechnen die Kosten zusammen. Sind wir danach schlauer? Kaum. Bestes Beispiel: Freizeit und Familie. Da muss sich der klassische Kombi gegen die Vans und SUV behaupten. Die sind größer, höher – und trendiger. Aber auch sinnvoller? Diese Frage wollen wir beantworten. In der wichtigsten Klasse, der Kompaktklasse. In drei Vergleichen küren wir zunächst die Klassenbesten, am Ende müssen sich aber auch Kombis mit Vans und SUV vergleichen lassen. Das Besondere an diesem Test: Jedes Auto wird nicht wie sonst streng in seiner Klasse bewertet. Stattdessen gibt es ein Punkteraster für alle. Platz, Fahreigenschaften oder Verbrauch sind direkt miteinander vergleichbar. Damit am Ende ein Gesamtsieger gekürt werden kann.

So hat AUTO BILD getestet

Für diesen Vergleich haben wir alle Autos nach einem einheitlichen Punkteschema bewertet. Zusätzlich zum maximalen Kofferraum-Maß nach VDA haben wir ausprobiert, wieviel hinter die augestellte Rückbank passt – um eine Urlaubsfahrt zu viert mit optimal genutztem Kofferraum zu simulieren. Als Normgröße haben wir Getränkekisten gestapelt. Der Test mit drei Kindersitzen auf der Rückbank ist für fünfköpfige Familien wichtig, geht aber nicht in die Wertung ein.


Los geht es mit vier kompakten Kombis

So kann man sich täuschen. Eigentlich hatte VW den Golf Kombi aus dem Programm gestrichen. Treue Kunden mussten bis Mitte 2006 zur veralteten Variant-Version des Golf IV greifen – oder den Hochbau-Golf Plus nehmen. Doch die Nachfrage nach dem Kombi-Klassiker war größer als gedacht. Deshalb hat die variantlose Golf-Zeit ein Ende. Dass Kombis out sind, weil sie unter SUV- und Van-Konkurrenz leiden, ist offenbar nur ein Gerücht. Bei den Konkurrenten von Ford, Opel und Skoda entscheiden sich die Käufer mehrheitlich für die Kombiversionen von Focus (58 Prozent), Astra (51), und Octavia (75,5). Kombis punkten nicht nur mit großem Stauvolumen, sondern auch mit hohem Fahrkomfort. Gemein haben alle vier Kandidaten dieses Vergleichs eine angenehme Sitzposition sowie gute Handling- Eigenschaften.

Kein Zweifel: Bei der Suche nach dem optimalen Familiengefährt gehört der kompakte Kombi auf jeden Fall in die engere Wahl. Die endgültige Entscheidung ist allerdings nicht einfach: Alle vier Lademeister liegen bei ihren Alltagsqualitäten so nah zusammen, dass Unterschiede zu Nuancen zusammenschmelzen. Bei den Dieselmotoren gibt es keine nennenswerten Vor- und Nachteile. Alle vier erreichen ein Drehmomenthoch von 320 Newtonmetern und liegen auch bei Höchstleistung, Beschleunigung und Verbrauch nur minimal auseinander. Kein Wunder: Golf und Octavia teilen sich sogar die gesamte Technik. Die Zugehörigkeit zur Kompaktklasse unterstreicht der Focus am ehesten, bleibt er doch als Einziger unter 4,50 Meter Außenlänge. Der Skoda misst als Längster exakt zehn Zentimeter mehr.

Sympathischer Focus, leider mit schlechter Garantie

Ford: nicht der besten VDA-Wert, aber einen gut nutzbaren Kofferraum.

Trotz seiner kompakten Maße zeigt der Ford großes Ladetalent und schluckt bis zu 15 Sprudelkisten, ohne dass die Rückenlehnen geklappt werden müssen. Beim VDA-Wert (482/1525 Liter) ist er nicht der Beste, dennoch ist der kubische Kofferraum beim Turnier gut nutzbar. Gut: die nur 55 Zentimeter hohe Ladekante. Schlecht: 455 Kilogramm Zuladung sind etwas zu knapp bemessen. Beim Fahren zeigt sich der mit 17-Zöllern bereifte Testwagen von der sportlichen Seite. Das Focus-Fahrwerk leitet Unebenheiten deutlich in den Innenraum weiter. Klar, dieser Turnier will ein Sport-Kombi sein und flitzt entsprechend straff und präzise um die Ecken. Ein sympathisches Auto, doch vor allem durch die schlechte Garantie und kurzen Wartungsintervalle landet er nur auf Platz vier.

Noch davor liegt der Astra. Ausgerüstet mit IDS Plus (Dämpfer, Lenkung und Motor sind vernetzt, 635 Euro Aufpreis), betont auch der Caravan seine dynamischen Qualitäten. Selbst ohne die gedrückte Sporttaste bietet er nur rustikalen Abrollkomfort. Jede Bodenwelle ist spürbar. Wie der Focus richtet sich der Astra an sportive Familienväter. Für zügiges Kurvenfahren dürfte die Lenkung spontaner sein und mehr Gefühl für die Fahrbahn liefern. Große Fahrer leiden unter der knappen Schenkelauflage der Sitze. Das große Caravan-Plus ist der üppige Laderaum: 16 Wasserkisten passen noch hinter die Rückbank – mehr schafft keiner der Konkurrenten. Leider funktioniert die Erweiterung des Gepäckraums mit ebenem Ladeboden nur durch lästiges Entfernen der Kopfstützen.

Golf und Octavia punkten mit Rundum-Alltags-Qualitäten

Nicht ganz so gut für Großeinkäufe gerüstet ist der Skoda Octavia Combi. Sein schickes, abfallendes Heck kostet Platz. Wer gut stapelt, verstaut bis zu 13 Kisten und darf 535 Kilo zuladen. Der Golf Variant schafft noch einen Wasserkasten mehr, hat aber 20 Kilo weniger Zuladung. Beide Modelle aus dem VW-Konzern punkten mit ihren Rundum-Qualitäten für den automobilen Alltag. Einen großen Preisvorteil bietet der Skoda nicht mehr – schade. Aber sonst fehlt ihm nichts: Sein Fahrkomfort übertrifft trotz 17-Zoll-Reifen noch das anerkannt hohe Niveau des VW Golf. Hinter der leichtgängigen Heckklappe verbirgt sich das gleiche Innenraumkonzept mit doppeltem Ladeboden und Rückenlehnen, die nach dem Umklappen eine nahezu ebene Fläche bilden, ohne dass die Kopfstützen entfernt werden müssen. Große Türfächer bieten reichlich Platz für Kleinkram, und als einziger Typ im Testquartett hat er hintere Seitenscheiben, die sich komplett versenken lassen. Eine Kleinigkeit, sicher. Viel wichtiger: Ein karges Auto ist der Skoda längst nicht mehr. Die Tschechen sparen nur dort, wo es verschmerzbar ist, zum Beispiel bei den ungedämpften Haltegriffen.

Und der Golf? Er hat einen Vorsprung im Kostenkapitel und schafft den knappen Sieg. Der Variant bietet neben dem großen und gut beladbaren Kofferraum ein ausgewogenes Paket aus hohem Nutzwert, harmonischem Komfort und guten Fahreigenschaften. Als Familienkutsche ist der Golf Variant darum perfekt geeignet. Das haben wohl auch viele Kunden schon bemerkt. So soll der Bestelleingang für den Spätstarter höher als erwartet sein. Wie man sich doch täuschen kann.

Drei Kindersitze? Das wird eng

Nur im Golf Variant ist die Montage von drei Kindersitzen im Fond problemlos möglich. Im Skoda-Schwestermodell dagegen wird es so eng, dass die Türen nicht schließen – der Octavia erlaubt nur reinen Zweier-Sitzbetrieb. Gleiches gilt für Astra und Focus. Trotz etwas mehr Breite im Fond reicht es nicht für für den problemlosen Einbau dreier Sitze.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Ganz neu und schon ein Sieger: Der Golf Variant kommt reichlich spät, überzeugt als Auto ohne größere Schwächen. Er bietet das beste Gesamtpaket für Käufer, die ein vielseitig nutzbares, gut verarbeitetes und wertstabiles Alltagsauto suchen. Der Skoda ist ihm dicht auf den Fersen – unter Konzern-Brüdern keine echte Überraschung. Allerdings erreicht auch der Octavia-Preis schon fast das VW-Niveau.

Über den Punkt "Weitere Links" in der Navigationsleiste auf der rechten Seite gelangen Sie zum Van- und SUV-Test – inklusive großem Fazit!

Autor: Jörg Maltzan

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