Test KTM X-Bow/911 Turbo

Porsche 911 Turbo KTM X-Bow Porsche 911 Turbo KTM X-Bow

Test KTM X-Bow gegen 911 Turbo

— 08.12.2008

Halbe Portion

"Dich mach' ich ordentlich nass" – mit dieser forschen Ansage fordert Ultraleicht-Spaßsportler KTM X-Bow den doppelt so starken und doppelt so schweren Porsche 911 Turbo. Duell auf der Nordschleife.

8.30 Uhr früh an der Nordschleife. Strahlender Sonnenschein, aber fast eisige Herbsttemperaturen. Wir haben eine Stunde Zeit, um Porsche Turbo und KTM X-Bow zur Ermittlung von Rundenzeiten über die Nordschleife zu jagen. Eine erste Informationsrunde zum Zustand der Strecke gibt Gewissheit: "Schnelle Runden können wir vorerst vergessen", sagt Rennfahrer Wolfgang Kaufmann. Überall dort, wo die Sonne nicht direkt hinkommt, ist die Strecke noch feucht. Wir müssen warten, möglicherweise sieht es kurz vor den Touristenfahrten um 12 Uhr etwas besser aus. Und falls nicht? Wir können nur warten und hoffen. 11 Uhr, die zweite Inforunde: immer noch feucht. Glücklicherweise können wir die Grand-Prix-Strecke von 13 bis 13.45 Uhr nutzen. Hier ist es staubtrocken, doch ziehen gerade dunkle Regenwolken auf. Ein typischer Tag in der Eifel.

Deutsche Sportwagen-Ikone trifft auf österreichischen Fun-Racer

Eher untypisch ist dagegen unsere Testpaarung: ein sattsam bekannter und potenter Bolide aus deutschen Landen auf der einen Seite, auf der anderen ein Gefährt, das nicht nur hier am Nürburgring die Aufmerksamkeit der autobegeisterten Zuschauer auf sich zieht. Mit seinem irgendwie unfertig wirkenden Design und der zerklüfteten Carbon-Kunststoff-Hülle wirkt der KTM X-Bow wie ein Ding aus einer anderen Welt. Umdenken muss auch, wer sich ins Innere des ersten Autos aus der Produktion des österreichischen Motorradherstellers KTM einfädeln will: Türen zum Öffnen gibt es nicht, die Kunststoff-Schalensitze sind nicht einstellbar – zum leichteren Einstieg nimmt man das axial und in der Höhe einstellbare Lenkrad ab, die Sitzposition wird über die auf einem justierbaren Schlitten sitzende Pedalerie reguliert. Hat man die Prozedur hinter sich gebracht, fühlt man sich im X-Bow schon wegen der fehlenden Frontscheibe eher wie in einem Formelrenner als in einem herkömmlichen Auto. Neben dem Porsche Turbo erscheint das futuristische Spaßmobil wie ein – wenn auch hervorragend ausgeführtes – Selbstbau-Auto, ohne Alltagstauglichkeit, ohne schützendes Dach, ohne Heizung. Eine puristische Fahrmaschine neben einem vollwertigen Auto eben.

Der X-Bow überrascht den ungeübten Fahrer mit plötzlichem Übersteuern

Und dennoch ist ein Vergleich der beiden ungleichen Fahrzeuge naheliegend. Schließlich mobilisiert das Turbo-Aggregat des Porsche exakt doppelt so viel Leistung wie der von einem Audi-Turbo befeuerte X-Bow (480 zu 240 PS) und ist zudem exakt doppelt so schwer: 3,3 Kilogramm pro PS gilt es in beiden zu bewegen. Was ist also schneller: doppelte Leistung oder halbes Gewicht? Während wir weiter auf eine noch trocknende Nordschleife hoffen, dreht Wolfgang Kaufmann im X-Bow erste Aufwärmrunden auf der Grand-Prix-Strecke. "Sehr spaßig", lacht der FIA-GT-Fahrer nach dem Aussteigen, "das kommt einem Formel-Auto schon sehr nahe, ist aber nicht ganz ohne Tücke." Blitzartiges Übersteuern kann den ungeübten X-Bow-Fahrer leicht in Bedrängnis bringen. Während der Porsche Turbo in vollem Lauf gerade zum letzten Mal die Start- und Zielgerade nimmt, vergleichen wir die handgestoppten Werte: Gleichstand nach der Pi-mal-Daumen-Methode. Nach Auswertung der Messergebnisse die Überraschung: Mit einer 1:44,38 setzt sich der Crossbow auf der GP-Sprintstrecke vor den Porsche Turbo mit 1:45,32 Minuten. Keine allzu große Überraschung für den Rennprofi: "Auf dem kleinen Kurs mit der langsamen Mercedes-Arena und der Formel-1-Schikane bringt das geringe Gewicht des X-Bow natürlich immense Vorteile."

Und das, obwohl der Porsche Turbo mit seiner Maximalgeschwindigkeit von 231,3 km/h den X-Bow mit 201,3 km/h deutlich in die Schranken weist. Lauert hier etwa der nächste Porsche-Killer? Nordschleife hilf! Nach einer guten Stunde Touristenfahrten ist die Nordschleife zwar weitgehend trocken, doch lassen sich zwischen ambitionierten Hobbyrennfahrern auf zwei und vier Rädern und gemütlich angasenden Nordschleifen-Novizen keine vernünftigen Zeiten fahren. Wieder heißt es warten, bis die Strecke für den Touristenverkehr gesperrt ist und wir jeweils eine Runde zur Zeitennahme fahren können. Gegen 17.15 Uhr ist es so weit. Ein Unfall macht die Sperrung der Strecke erforderlich, nach der Räumung können wir drauf. Wolfgang drängt: "Die Sonne wird schwächer, es zieht schon wieder an", warnt der Nordschleifenkenner und langjährige Rekordrundenhalter. Und behält leider recht: Viele feuchte Ecken und die eintretende Dämmerung verhageln gute Zeiten.

Auf der Nordschleife hat der X-Bow keine Chance gegen den 911 Turbo

Auf der Nordschleife nicht zu schlagen: Der Porsche lässt dem KTM keine Chance.

So reicht es für den X-Bow nur zu 8:54,87 Minuten, was vor allem der geringeren Endgeschwindigkeit geschuldet ist. "Im Bereich Hatzenbach, Hocheichen oder Quiddelbacher Höhe bekommst du das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Gerade auf den Sprunghügeln fühlt sich der X-Bow enorm sicher an, bleibt auf dem Boden und damit stabil." Kritik ernten dagegen die unruhige Hinterachse und die Bremskraftverteilung. "Hier würde ich mir eine Einstellmöglichkeit wünschen", kommentiert Wolfgang. Der Porsche punktet dagegen überall da, wo es auf möglichst brachiales Vorankommen ankommt. "Im Bereich Kesselchen oder der langen Döttinger Höhe schlafen dir im X-Bow die Füße ein, hier macht der Porsche auch deutlich mehr Spaß." Das Ergebnis bei gleich schlechten, teilweise nassen Fahrbahnbedingungen: Mit 8:23,32 Minuten setzt sich der Porsche Turbo klar vor den X-Bow. Und was wäre bei optimalen Bedingungen drin gewesen? "Auf die maximal fahrbaren Zeiten fehlen etwa 30 Sekunden", schätzt Wolfgang. "Doch am Verhältnis der beiden Zeiten zueinander wird sich kaum etwas ändern." Also doch kein Porsche-Killer. Nur eine halbe Portion.

Der Porsche-Killer-Faktor des KTM X-Bow

Halb so viel Gewicht, halb so viel Leistung, halb so viel Auto – aber doppelt so viel Spaß? Spaß ist ganz sicher nicht das Problem des KTM X-Bow. Doch reicht seine Motorleistung nicht aus, um am Porsche Turbo auf der Nordschleife dranzubleiben. Aber das Fahrwerk des Österreichers bietet noch viel Raum für Feinabstimmung und Mehrleistung.
Technische Daten KTM X-Bow Porsche 911 Turbo
Motor R4, Turbo B6, Biturbo
Einbaulage mittig quer hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Hubraum 1984 cm³ 3600 cm³
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm 100 x 76,4 mm
Verdichtung 10,5:1 9,0:1
kW (PS) bei 1/min 177 (240)/6000 353 (480)/6000
Literleistung 121 PS/Liter 133 PS/Liter
Nm bei 1/min 310/2000-5500 620/1950-5000
Antriebsart Hinterrad Allrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 305 mm, innenbel./geschlitzt 380 mm, innenbel./gelocht
Bremsen hinten 262 mm, innenbel./geschlitzt 350 mm, innenbel./gelocht
Radgröße vorn/hinten 7,5 x 17 / 9,5 x 18 8,5 x 19 / 11 x 19
Reifen vorn/hinten 205/40 R 17 / 235/40 R 18 235/35 R19 / 305/30 R 19
Reifentyp VA: Mich. Pil. Ex./HA: Pil. Spo.2 Michelin Pilot Sport PS2
Länge/Breite/Höhe 3738/1915/1160 mm 4450/1852/1300 mm
Radstand 2430 mm 2350 mm
Leistungsgewicht 3,3 kg/PS 3,3 kg/PS
Zuladung k. A. 365 kg
Tankvolumen 35 l 67 l
Preise (in Euro) KTM X-Bow Porsche 911 Turbo
Ausstattung
Sperrdifferenzial Serie 1131
Carbonanbauteile 37.243
Keramikbremsen 8711
Sportfahrwerk 3823 (einstellbar) Serie (PASM)
Navigationssystem Serie
Klimaautomatik Serie
Testwagenpreis 101.650 153.326
Serienfahrzeug ohne Extras 62.642 Euro 143.008 Euro
Messwerte KTM X-Bow Porsche 911 Turbo
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,7 s 1,3 s
0–100 km/h 4,9 s 3,7 s
0–130 km/h 7,1 s 5,7 s
0–160 km/h 10,9 s 7,8 s
0–200 km/h 20,2 s 12,1 s
Vmax
GPS-Messung 220 km/h 310 km/h
Viertelmeile
0–402,34 m 13,08 s 11,78 s
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 3,6 s 3,5 s
80–120 km/h im 5. Gang 6,0 s 3,7 s
80–120 km/h im 6. Gang 6,9 s 5,3 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 42,2 m (–9,1 m/s²) 33,5 m (–11,4 m/s²)
100–0 km/h warm 40,0 m (–9,7 m/s²) 34,1 m (–11,2 m/s²)
200–0 km/h warm 148,1 m (–10,4 m/s²) 132,6 m (–11,5 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km k. A. Super Plus 14,4 l Super Plus
Reichweite 470 km
Leergewicht 790 kg (Herstellerangabe) 1585 kg

Autor: Ralf Kund

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.