Test Lamborghini Gallardo Miura Corse

Lamborghini Gallardo von Miura Corse Lamborghini Gallardo von Miura Corse

Test Lamborghini Gallardo Miura Corse

— 03.04.2006

Der Silberkeil

Sportwagen, die mehr als 300 km/h laufen, sind gar nicht so selten. Aber nur wenige erregen mehr Aufmerksamkeit als ein getunter Lamborghini. Wer mal den silbernen Gallardo von Miura Corse gefahren hat, weiß, wie sich der Papst beim Stadtbummel fühlen muß.

Tuningmaßnahmen und Preis

Richtig rund geht es in der blauen E-Klasse neben mir. Seit einer Viertelstunde drücken sich die drei kleinen Jungs auf der Rückbank jetzt schon die Nasen platt. Wahrscheinlich löchern sie ihren Vater mit Fragen wie: "Papa, was is'n das für ein Auto?" Oder: "Warum haben wir so was nicht?" Das Objekt der Begierde ist ein getunter Lamborghini, und vermutlich rechnet Papi gerade hoch, ob er sich auch so einen Superflitzer leisten könnte – hätte er weder Kinder noch E-Klasse.

Einen "Superflitzer" wie beispielsweise unseren silbernen Gallardo Miura Corse vom Wiesbadener Tuner Dimex. Mit Sportauspuff, Carbon-Airbox, Kraftstoffkühlung und modifizierter Motorelektronik 555 PS stark und 315 km/h schnell. Im Moment pendelt die Tachonadel allerdings zwischen null und zehn km/h. Es ist Stau – und wir sind die Show. Sechs Wagenlängen vor uns springt plötzlich ein Astra-Fahrer aus seinem Cockpit und nähert sich mit gezücktem Fotohandy: "Wahnsinn", murmelt er ergriffen und macht mindestens ein halbes Dutzend Bilder. Was hier abgeht, glaubt dir später kein Mensch, denke ich, während sich die Blechlawine im Zeitlupentempo vorwärts schlängelt.

Sorgt bereits ein normaler Lamborghini (was ist schon normal an einem Lamborghini ...) für Aufsehen, reagiert das geneigte Publikum auf das getunte Exemplar mit seinen teuflisch gutaussehenden 20-Zöllern wie auf eine Madonnen-Erscheinung. Dabei ist es wahrlich nicht einfach, einen Gallardo optisch noch aufregender zu gestalten. Dimex gelingt das Kunststück vor allem durch die Verwendung von hochwertigem Material: Der Frontspoiler ist aus Carbon, ebenso Schwellerflaps, Lufteinlaßaufsätze und Auspuffabdeckung.

Meßwerte und Testverbrauch

Selbstverständlich sind auch Motordeckel und Motorraum-Trennwand aus dem teuren Kohlenstoff gefertigt. Ganz zu schweigen vom fast zwei Meter breiten Heckflügel und den mächtigen Rippen des Heckdiffusors. Selbst die Abdeckplatten für die Scheinwerferreinigungsdüsen bestehen aus Carbon. Auch im Innenraum findet sich jede Menge Kohle: Türgriffe, Instrumententafel und Lautsprecher glänzen in gemustertem Schwarz. Im Gegensatz zu den Aerodynamik-Anbauten läßt die Paßgenauigkeit hier aber zu wünschen übrig. Das nervige Quietschen der lose sitzenden Instrumententafel beim Überfahren von Bodenwellen läßt sich nicht überhören.

"Na, hoffentlich ist der auch bezahlt", grinst ein Vertretertyp aus dem offenen Fenster seines Passat Variant herüber und reißt mich unsanft aus den Kohlefasergedanken. Schön ist ein Stau nie, aber im Lamborghini wird er zur Tortur. Selbst wenn der Fahrer sich noch in Geduld übt, ist der Lambo spätestens nach fünf Minuten genervt. "Jetzt tritt endlich drauf", scheint der Zehnzylinder im Nacken bei jedem erneuten Anfahren zu röcheln, während die Lüfter im Bug die angestaute Hitze wegarbeiten. Ganz klar – der Miura Corse Gallardo will von der Leine gelassen werden. Vor allem, weil die Sportauspuffanlage den serienmäßigen Sound derart verbessert, daß man auch knapp über dem Gefrierpunkt noch mit offenem Fenster fährt.

Zusätzlichen Hörgenuß bietet das sequentielle Sechsganggetriebe: Beim Runterschalten per Lenkradwippe ertönt jedesmal eine Zwischengasfanfare, die selbst einen Ohrenarzt süchtig machen dürfte. Jetzt aber wird hochgeschaltet, da der Stau sich endlich auflöst. Die linke Spur ruft – und der silberne Gallardo fliegt davon wie das Wurfmesser eines Zirkusartisten. Klack. Vierter. Klack. Fünfter. Klack, sechster Gang. Ohne Druckverlust beschleunigt der Miura Corse bis auf 270 km/h und mehr. Ruckfrei und harmonisch gehen Gangwechsel aber nur oberhalb von 4000/min vonstatten, darunter verpaßt einem das Getriebe kräftige Schläge ins Kreuz.

Technische Daten und Fazit

Die gemessenen Beschleunigungswerte sind zwar nicht besser als beim Serienauto, allerdings waren die Meßbedingungen bei vier Grad auch nicht optimal. Mit leicht höheren Temperaturen und mehr Grip wäre im Sprint auf 100 km/h sicher ein Wert unter 4,5 Sekunden möglich gewesen.

Egal, das Durchzugsvermögen bleibt so oder so famos. Besonders imponiert die Leichtigkeit, mit der der getunte Italo-Sportler die Zwischenspurts von 230 bis 280 km/h meistert. In diesem Bereich ist auch das im Vergleich zur Serie etwas weicher eingestellte Gewindefahrwerk in seinem Element. Überraschend geschmeidig bügelt es Bodenwellen glatt, nur die breiten Niederquerschnittreifen brauchen bei Spurrillen eine feste Hand am Steuer.

Zurück in Hamburg, wagen wir den ultimativen Test, um den Hingucker-Faktor des Miura Corse festzustellen. Wir fahren zum Neuen Wall, der edelsten Shoppingmeile der Stadt. Hier, wo sich Boutiquen von Chanel, Gucci und Armani aneinanderreihen, sind teure Autos an der Tagesordnung – ein getunter Gallardo offensichtlich nicht. Das Parkmanöver verursacht einen Menschenauflauf, die Polizisten unterbrechen sogar das Ausstellen von Strafmandaten. Eine Frage bleibt allerdings offen: Warum braucht ein Gallardo nachträglicheingebaute, wackelige Flügeltüren von LSD (Lambo-Style-Doors)? Ist doch auch mit regulären Türen ein Lambo ...

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ingo Roersch: Mit gesundem Selbstbewußtsein wird die Fahrt im Miura Corse Gallardo zum unvergeßlichen Erlebnis. Der Sound ist großartig, das Fahrwerk gelungen und die Optik ein Hingucker ohne Gleichen. Wunderdinge sollte man von der relativ milden Leistungssteigerung aber nicht erwarten.

Autor: Ingo Roersch

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