Test Lamborghini Gallardo Superleggera

Lamborghini Gallardo Superleggera Lamborghini Gallardo Superleggera

Test Lamborghini Gallardo Superleggera

— 09.05.2007

Fit for fun

Der um 100 Kilo abgespeckte Gallardo hört auf den Namen Superleggera. Das heißt "superleicht" – und macht den Lamborghini fit für die Rennstrecke.

Der Winter ist lange vorbei. Jetzt steht ganz dringend das Workout für einen straffen Sixpack an. Gemeint ist der Waschbrettbauch, nicht das Erfrischungsgetränk. In der dunklen Jahreszeit haben sich bestimmt Fettpölsterchen breitgemacht, die weder schick aussehen noch den schnellen Vortrieb fördern. Also weg mit dem Speck, ran an die Geräte! Denn klar ist: Schlanker und durchtrainierter geht es nicht nur schneller, sondern auch energiesparender. Das gilt nicht nur für Sportler, sondern auch für Sportwagen. Lamborghini sieht das ähnlich und stellt seinen ohnehin schon schlanken Gallardo mit 1430 Kilogramm Leergewicht ins Fitnessstudio. Nach ein paar Sit-ups, Workouts und Fatburnern kommt ein gestählter Körper mit mageren 1330 Kilogramm auf die Waage. Dem Superleggera (italienisch für "superleicht") hat die Trennkost gutgetan. Die Teilnahme am Fitnessprogramm erkennt man an der transparenten Motorhaube aus Plexiglas, die den V10 in seiner ganzen Pracht enthüllt. Auch die hinteren Seitenscheiben und die Heckluke sind aus dem leichten und preiswerten Werkstoff. Die Exklusivität wurde dagegen durch kohlefaserverstärkten Kunststoff gesteigert: Rückspiegel, Seitenspoiler, Heckdiffusor, Unterbodenabdeckung, Türinnen- und Mitteltunnelverkleidung sowie die Einfassung der Motorhaube sind daraus gebacken. Die Karosserieteile bestehen nach wie vor aus Aluminium, und Klimaanlage und elektrische Fensterheber bleiben an Bord. So viel Komfort muss sein.

Beim V10 wurde mit der Testosteron-Spritzen nachgeholfen

Prachtkerl unter Plexiglas: der V10 des italienischen Sportlers.

Einen kleinen medizinischen Eingriff erfuhr der V10-Motor. Hier wurde zwar kein Fett abgesaugt, dafür aber mit kleinen Testosteron-Spritzen nachgeholfen. An den geringeren Staudruck im Ansaugtrakt und den verringerten Abgasgegendruck der dünnwandigeren Auspuffanlage wurde die Motorsteuerung angepasst. In seiner Basis schon kein Schwächling, wuchtet der 5,0-Liter-V10 nun 530 statt 520 PS auf die Kurbelwelle. Das Drehmoment bleibt bei hammerwerferstarken 510 Newtonmetern. Ähnlich dem leichten Zittern eines Bodybilders beim Posen, zeigt sich die Anspannung des Fahrers beim Niederlassen in den carbonverstärkten Fiberglas-Rennsitz. Der ist zwar eher für XXL-Sportler, dafür aber elegant in Schwarz mit gelben Nähten verziert. Schon beim nächsten Blick fallen die schlecht lesbaren, zackigen Ziffern auf der silbernen Tachoscheibe auf. Ein Dreh am Zündschlüssel entschädigt aber sofort: Nach einem kurzen Bellen zischt der Reaktor mit zehn Brennstäben wie kurz vor der Kernschmelze.

Rasant: In 3,8 Sekunden stürmt der leichte Gallardo auf Tempo 100.

Ist der erste Gang des serienmäßig automatisierten Schaltgetriebes E-Gear eingelegt – ein manuelles Sechsganggetriebe gibt es aufpreisfrei als Option –, reißt der Superleggera an den vier Antriebswellen wie ein Gewichtheber an seiner Hantelstange. Nichts ist durch die 100 Kilogramm Einsparung an Kraft verloren gegangen – im Gegenteil. Mit gespannten Muskeln brüllt der V10 los, rotzt verächtlich ein paar Tropfen Kondenswasser auf den Asphalt und zeichnet bei ausgeschalteter Traktionskontrolle vier schwarze Striche auf den Asphalt. Dabei presst sich das Hirn an die hintere Schädeldecke und kann nur mit Mühe den Befehl an die rechte Hand geben: Ziehen. Sofort knallt im Sportmodus der zweite Gang rein und nach einer kurzen Muskelkontraktion sind 100 km/h erreicht. Mit 3,8 Sekunden ist das immerhin 0,2 Sekunden schneller als im normalen Coupé.

Der Besuch bei den Weight-Watchern macht sich in Kurven noch deutlicher bemerkbar. Starkes Anbremsen mit den vorderen Acht-Kolben-Zangen beantwortet der Lambo ohne Murren in Fahrwerk und Karosserie, besonders mit den optionalen, 14.280 Euro teuren Keramikbremsen. Noch handlicher lenkt er direkter ein und folgt den Befehlen mit präziser Genauigkeit, ohne den Fahrer zu fordern. Schade nur, dass die Schaltwippen an der Lenksäule befestigt sind und man sich während der Kurvenjagd schnell mal vergreift – zum Blinker. Das Work-out hat seinen Preis: Mit 187.603 Euro liegt er 30.000 Euro höher als für das Coupé. Dafür tritt garantiert kein unerwünschter Jo-Jo-Effekt ein – der Superleggera bleibt leicht.

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