Test Lamborghini Murciélago gegen Nissan GT-R — 16.10.2009
Lamborghini fordert Nissan GT-R
Mit 670 PS bewegt sich der Lamborghini Murciélago in einsamen Regionen. AUTO BILD SPORTSCARS hat den limitierten Brutalo-Sportler ins Rennen gegen die japanische Allzweckwaffe Nissan GT-R auf den Sachsenring geschickt.
Alles am Lambo ist extrem
Eher im Gegenteil. Zumal auch der Sachsenring keine Strecke ist, auf der der Lambo mit seinem Kraftvorteil wuchern kann. Hier ist in erster Linie Grip gefragt, dazu ein möglichst neutrales Fahrverhalten. Und darin, das haben wir in der Vergangenheit gelernt, ist der Nissan GT-R ein absolutes Ausnahmetalent, für das die Gesetze der Physik nicht so zu gelten scheinen wie für den Rest des automobilen Tempo-Adels. Dabei fällt es angesichts des schon optisch wie ein Rennauto daherkommenden Lamborghini schwer, ein mehr als technisch-staunendes Verhältnis zum Nissan aufzubauen. Alles an dem Italiener ist speziell, sein Auftritt sorgt für neidische Blicke, er ist der Hecht im Karpfenteich, überall, wo er auftaucht. Alles an diesem Italiener ist extrem: Die Flachheit des Powerkeils, die spektakulären Scherentüren, der aberwitzige Klang des Zwölfzylinders, der gigantische (optionale) Flügel, der den Anpressdruck bei hohen Tempi maximiert und die Höchstgeschwindigkeit von 342 km/h mit dem kleinen Standardflügel auf 337 km/h reduziert.
Der SV kostet das Vierfache des Nissan GT-R
Nichts davon bietet der Nissan – und genau das macht den Reiz dieses Boliden aus, der angesichts seines Potenzials auf extremes Understatement setzt. Stellt man Lambo und Nissan nebeneinander, scheinen beide in völlig unterschiedlichen Welten zu fahren. Der GT-R wirkt wie ein sportliches Coupé oder ein durchtrainiertes Muscle-Car. Die Rolle des Supersportlers traut man ihm neben dem Lambo jedenfalls nicht zu. Die beiden sollen in einer Liga spielen? Eine auf den ersten Blick abwegige Vorstellung. Und sie spielen auch gar nicht in derselben Liga, denn mit einem Preis von 357.000 Euro (Basispreis) ist der Superveloce nicht nur ein selbst für einfache Millionäre kaum erschwinglicher Traum. Der GT-R kostet mit 85.200 Euro für die Black-Edition-Version gerade mal ein Viertel des auf 350 Exemplare limitierten Kohlefaser-Lambos. Nach etlichen Versuchen, bei denen sich der Murciélago mit Launch-Control, Rauchzeichen der Hinterräder, damit verbundenen leichten Korrektureingriffen am Lenkrad und unter martialischem Gebrüll der 100-km/h-Marke entgegenzoomt, steht endlich der Fabelwert: Mit 3,2 Sekunden erreicht der SV die Werksangabe und passiert nach schwindelerregenden 10,8 Sekunden die 200 km/h. Der Nissan, ohne die materialmordende und mittlerweile in Deutschland nicht mehr verfügbare Launch-Control unterwegs, hat da das Nachsehen, stempelt aber mit 4,1 Sekunden ebenfalls einen beachtlichen Wert in den Asphalt.Fingerspitzengefühl ist gefragt
2,1 Sekunden nach dem Lambo erreicht der Japaner die 200er-Marke. Vorteile erringt der GT-R dagegen bei der Elastizität und fährt dem drehzahlgierigen Italiener hier mit seinem über das ganze Drehzahlband abrufbaren Hochdruck des V6-Biturbo-Aggregats regelrecht um die Ohren. Gleichauf liegen die beiden ungleichen Supersportler bei den Bremsmessungen: Beide setzen auf 380 Millimeter durchmessende Bremsscheiben, die beim Nissan aus Stahl und beim Superveloce serienmäßig aus Karbon-Keramik bestehen, und stoppen sowohl kalt als auch warm nach etwa 33 Metern – ein sehr guter Wert, den man von solchen Kalibern erwarten darf. Später auf dem Sachsenring, macht sich SPORTSCARS-Redakteur und Rennstreckenprofi Guido Naumann bereit, dem ungleichen Duo auf den Zahn zu fühlen. Am Ende hat der Superveloce die Nase um etwa eine Sekunde vorn. "Der Lambo agiert dagegen äußerst respekteinflößend. Der Grip an der Hinterachse ist unglaublich, doch der Grenzbereich nur schwer zu erahnen", lautet das Fazit vom Profi. Wenn das Heck kommt – und es kommt irgendwann –, bedarf es viel Fingerspitzengefühls, damit aus einem kurzen Drift kein Dreher wird.
Die Diva setzt sich durch
Ein Manko des Superveloce zeigt sich in den engen, langsameren Passagen des Sachsenrings: "Im Eingang Omega fühlt sich der SV auf der Vorderachse sehr leicht an und schiebt bei zu schnellem Anfahren einfach über die Vorderräder weg." Das Rezept, um mit dem Lambo schnell zu sein: "Respektvoll und sehr sauber fahren, also früher bremsen, exakt einlenken und am Scheitelpunkt mit Bedacht wieder aufs Gas." Verzeiht der Nissan GTR selbst den einen oder anderen Fahrfehler, ist der Lamborghini Murciélago LP 670-4 Superveloce ein kapriziöser Supersportler, der nicht nur alle Sinne betört, sondern auch dem Fahrer viel abverlangt. Die italienische Diva verweist den durchtrainierten Samurai auf die Plätze. Doch der Preis dafür ist hoch.| Technische Daten | ||
|---|---|---|
| Lamborghini Murciélago SV | Nissan GT-R | |
| Motor | V12 | V6, Biturbo |
| Einbaulage | Hinten mittig längs | vorn längs |
| Hubraum | 6496 cm³ | 3799 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 493 (670)/8000 | 357 (486)/6400 |
| Nm bei 1/min | 660/6500 | 588/3200–5200 |
| Antriebsart | Allrad | Allrad |
| Getriebe | 6-Gang sequenziell | 6-Gang Doppelkupplung |
| Leergewicht | 1748 kg | 1788 kg |
| Leistungsgewicht | 2,6 kg/PS | 3,7 kg/PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 337 km/h | über 310 km/h |
| Messwerte | ||
| 0–100 km/h | 3,2 s | 4,1 s |
| 0–200 km/h | 10,8 s | 12,9 s |
| Bremsweg | ||
| 100–0 km/h kalt | 33,5 m (–11,5 m/s²) | 32,7 m (–11,8 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 33,4 m (–11,6 m/s²) | 33,3 m (–11,6 m/s²) |
| Preis | 357.000 Euro | 85.200 Euro |
Kommentar verfassen
Hinweis: Die mit einem Sternchen* versehenden Felder sind Pflichtfelder
Anzeige












Kommentare zum Artikel (75)
Erstellt
Inhalt
Funktion
Ich finde der Lambo schlägt den Nissan um längen!!! Er ist sportlicher und schöner! Ich kann den Nissan nicht als Supersportler ansehen!
Der Nissan GT-R ist im Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar!!! Jeder, der schon einmal den GTR gefahren hat, zaubert dieser Wagen ein Lächeln ins Gesicht. Dieses Fahrgefühl muss man einfach einmal erlebt haben! Klar brüllt der Motor nicht so laut wie ein V 12 im Lamborghini, aber das macht doch gerade den Reiz aus, ... ein Wolf im Schafsfell! Das Fahren im Alltag ist das entscheidene Kriterium und nicht die Rennstrecke. Da spreche ich nicht einmal von einem getunten GT-R, der es auf 670 PS bringt!
Wieder mal super Kommentare... DeR GTR ist ein geiles und schnelles Fahrzeug. Hat aber einige Probleme. So wird die Kiste auch keini 20 Runden am STück auf einem Track ohni probleme bzw. überhitzung absolvieren...
Zum Preis, wisst ihr wo der GTR Produziert wird? Und dann können wir das gerne weiterführen, wisst ihr wo ein SV Produziert wird? Und noch wichtiger, habt ihr gesehen was der GTR tatsächlich im Unterhalt vorallem in Sachen Service kostet? Der kann ohne Probleme mit einem Porsche Turbo mithalten... also bitte nicht immer schwarz weiss sehn..
Ohja, Fahrvergnügen ohne Ende. Und man muss dazu sagen: Der GT-R ist sicher kein Rennauto, wie schon gesgat, er ist ein Sportwagen um Spaß am Fahren zu haben und anzugeben und nicht um Rennen zu gewinnen. Man muss sich ja eingestehen das er verdammt gut ausieht meiner Meinung nach! Is ja alles reine Geschmackssache.
Ich möchte hier nicht dazwischengehen aber ich finde, für die Rennstrecke sind beide trotz des Sportwagentitels nicht geeignet. Die sind einfach viel zu schwer und haben zu viel Schnickschnack. Das ist meine Meinung. Aber eins ist gar keine Frage: beide machen mit sicherheit Höllenspaß!
mfg