Test Lexus IS-F

Lexus IS-F Lexus IS-F

Test Lexus IS-F

— 04.12.2007

Emotionsgehalt

Mit dem Lexus IS-F stoßen die Japaner erstmals in die 400-PS-Liga der Mittelklasse vor. Vor der Markteinführung im März 2008 misst AUTO BILD SPORTSCARS schon mal den Emotionsgehalt.

Es war eine grüne IAA dieses Jahr. Doch während allseits neue Spritspar-Konzepte aus dem Hut gezaubert wurden, stellt ausgerechnet Lexus seinen Hybriden den Macho IS-F zur Seite. Für einige vielleicht ein Affront. Dennoch gehen Daumen nach oben, Köpfe nicken zustimmend, und so manchem malt die erste sportliche V8-Limousine aus Japan dann doch ein breites Grinsen ins Gesicht. Emotion statt Emission also. Nachdem man seit Jahren Vernunft predigt, zielt Lexus nun auch aufs Sportfahrerherz. Und das beginnt angesichts des breitbackigen Mittelklässlers immer heftiger zu pochen. Wir sind in Südspanien. Etliche Monate vor Markteinführung dürfen wir von der exquisiten Frucht kosten.

Appetitanregend wirkt vor allem der Aluminium-Kern: fünf Liter, verteilt auf acht Zylinder, kombinierte Direkt und Saugrohreinspritzung, elektrisch variable Ventilsteuerung, 423 PS und maximal 505 Newtonmeter Drehmoment. Geschaltet wird via Achtstufen-Automat, je nach Geschmack weich, ruckfrei und unauffällig oder im rein manuellen Modus dank Wandlerüberbrückung direkt, begleitet von lüsternem Zwischengasröcheln, in bombastischer Geschwindigkeit. So weit die Theorie. Beeindruckend zweifelsohne, dennoch keimt Skepsis. Gerade Lexus, Hybrid-Apostel und Komfort-Heiland, bläst zur Jagd auf die Etablierten. Nach M, AMG und RS nun also F? F steht im Übrigen für Fuji, die Rennstrecke im Schatten des gleichnamigen Berges. Seit diesem Jahr Formel-1-Kurs und Kinderstube der neugeborenen F-Linie, die in Form des IS ihren Anfang findet. Genug des Vorgeplänkels. Tür auf, einpassen und schlüssellos den Startbefehl erteilen.

Der Fünfliter erwacht gelassen, brabbelt dumpf aus den übereinander gestapelten Endrohrblenden. Behutsam erklettern die blau glimmenden Zeiger der aluminumgefassten Runduhren ihre Skalen, sachte ploppen die Fahrstufen. Unterhalb der 3500er-Marke säuselt der V8 sanft vor sich hin, darüber verkündet der zweite Einlasskanal fulminant plärrend seinen Dienstbeginn, bevor metallischer Achttopf-Rock schließlich den Drehzahlgipfel verheißt. Abgesehen vom dreistufigen Klangerlebnis wirkt der 1,7-Tonner Lexus-typisch unaufgeregt. Spurtet souverän um die Ecken, der Fahrerkörper von den wulstigen Seitenwangen der oppulenten Ledersessel, das Heck vom wachsamen ESP im Griff gehalten. Auf Knopfdruck enthüllt der IS-F ein anderes Gesicht, strafft die Dämpfer, spitzt die Lenkung, versetzt Gaspedal wie Brembo-Bremse in erhöhte Alarmbereitschaft und lässt die Fahrhilfen die Leine lockern. Ein eindrehendes Heck am Kurveneingang sowie ansehnliche Driftwinkel ausgangs liegen nun im Bereich des Möglichen.

Selbst grenzenlosen Optimismus straft das ESP nicht mit ruppigem Regeln, eher unterschwellig schiebt es ein enteiltes Hinterteil zurück auf Kurs. Passionierte Quertreiber können die elektronische Reißleine auch völlig kappen und jede Kurve mit 255 Millimeter breiten, je nach Gaseinsatz fahlgrauen oder tiefschwarzen Streifen signieren. Dass bei BMW nun die Nerven flattern, wäre aber zu hoch gegriffen. Zumal dem IS-F aufgrund des hohen Leergewichts und der leichten Kopflastigkeit (Gewichtsverteilung: 53:47) auf der Rennstrecke zur Münchener Referenz M3 ein paar Zehntel fehlen dürften. Eine kleine Spitze senden die Japaner dennoch Richtung Bayern: Während der IS-F laut Herstellerangabe mit 4,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 den Wert des M3 egalisiert, schnupft er den Klassenstar auf der Autobahn. Anstatt wie allgemein üblich 250, darf der Lexus bereits ab Werk bis 270 km/h kacheln. Eine deutliche Botschaft.

Autor: Stefan Helmreich

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