Test BMW M5 Touring – Audi S6 Avant

Audi S6 Avant – BMW M5 Touring Audi S6 Avant – BMW M5 Touring

Test M5 Touring gegen S6 Avant

— 30.03.2007

Kombis hoch zehn

Bislang hatte nur Audi einen Zehnzylinder-Kombi. Jetzt macht BMW dem S6 Konkurrenz – mit dem M5. Ein Vergleich mit ganz schweren Geschützen.

Dass Kombis heutzutage eher familienfreundliche Alleskönner als dem Ursprung nach Handwerker-Kisten sind, ist bekannt. Kombis mit potenten Dieselmotoren regieren souverän die linke Spur – wissen wir. Edle Kombis vom Schlage Touring und Avant taugen gleichermaßen als Prestigebomber – auch nichts aufregend Neues. Jetzt kommt BMW und führt die brave Kombiidee vollends ins Absurde. Sie stecken einem dieser Lifestyle-Laster einen waschechten Rennmotor unter die Haube. Zehn Zylinder mit 507 PS, fünf Liter Hubraum, Hochdrehzahlkonzept, sequentielles Getriebe – da hört der gemeine Familientransporter aber auf. Wohl schon deshalb, weil BMW mindestens 94.100 Euro für die Kombiversion des stärksten 5ers nimmt. Der neue M5 Touring lauert ab sofort beim Händler – und ist dabei nicht etwa der Einzige seiner Art.

20 Zylinder und fast 1000 PS

Dahinter tobt ein Biest: Der V10 des S6 Avant leistet 435 PS.

Bei Audi steht bereits seit vergangenem Jahr eine höllische Kombination aus Sport- und Stationwagen im Schaufenster. Mindestens 84.500 Euro sind für einen S6 Avant fällig, dafür gibt es dann heckbetonten Allradantrieb und 435 PS aus einem 5,2-Liter-V10, der sogar mit der Maschine aus dem Lamborghini Gallardo verwandt ist. Lecker, lecker. Klar – 20 Zylinder und fast 1000 PS – dieser Vergleich klingt nach gruselig schlechten CO2-Werten. Aber auch nach einem fantastischen Fahrerlebnis – da kneifen wir doch mal beide Augen zu und rechnen statt in Gramm pro Kilometer lieber in Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde. Für beides liefern M5 und S6 beeindruckende Ausgangszahlen. Wobei hier jeder nach ganz eigener Art echte Sportwagenwerte abliefert.

Mit genialem Getöse geht der Audi S6 ans Werk

Sicherer Vortrieb: Dank quattro-Antrieb klebt der S6 auf der Straße.

Der S6 geht mit genialem Getöse ans Werk. Sein V10 ist durch hohe Verdichtung und langhubige Auslegung auf dieselmäßige Kraft aus dem Keller geeicht. So fühlt sich das auch an. Ab knapp über Leerlaufdrehzahl stemmt sich der Zehnzylinder scheinbar völlig ungehemmt gegen Wagengewicht und Fahrtwind, erst bei elektronisch begrenztem Tempo 250 flaut der trompetend untermalte Vorwärtssturm ab. Stress kommt für den Fahrer dabei nicht auf. Die im Gegensatz zum normalen A6 "verkürzte" Sechsstufen-Automatik schaltet fast unmerklich durch, Traktionsprobleme kennt der griffige quattro-Antrieb überhaupt nicht. Der Geradeauslauf bei hohem Tempo lässt sich mit stoisch am besten umschreiben. Zum spielerischen Vorwärtsdrang des S6 passen die dynamischen Qualitäten allerdings nicht ganz. Jedenfalls im Vergleich zum M5. Mit deutlich mehr Gewicht über der Vorderachse stemmt sich der S6 etwas unwirsch in enge Kehren. Da muss das ESP gelegentlich einschreiten, dem untersteuernden S6 hier etwas von seinem Wahnsinnstempo austreiben.

Der M5 Touring klingt nach Le Mans und Nordschleife

BMW-Piloten können hier sogar noch nachlegen – der im positiven Sinne stocksteife Touring ist besser ausbalanciert, er reagiert dazu noch aufmerksamer auf Lenkimpulse. Überhaupt muss der 5er-Pilot in engen Radien viel weniger kurbeln, kommt durch die kürzere Übersetzung der Lenkung mit rund zehn Prozent weniger Lenkraddrehung aus. Aber: Wenn in Kurven 507 PS an den Hinterrädern rupfen, hat entweder das ESP gut zu tun oder – falls es deaktiviert wird – der Fahrer muss mit reaktionsschnellem Gegenlenken ausgleichen. Diese anregende Hektik im Fahrverhalten passt aber bestens zur aufregenden Hetze des V10. Bis 8250 Touren lässt sich das giftige Fünfliter-Monster reizen. Ab 2000 Touren beißt es kräftig zu, bei Drehzahlen um 5000 scheint es Stücke aus dem Reifengummi zu reißen, darüber will das Tier Asphalt im Ganzen fressen. Klingt dabei nach Le Mans, Nordschleife und Nascar gleichzeitig.

Der M-Motor dreht nicht nur hoch – er explodiert, gibt dazu seine Kraft über ein perfekt gestuftes sequentielles Siebengang-Getriebe an die Hinterräder. Das SMG mit Einstellmöglichkeiten für die Schaltzeiten bietet eine Automatik-Funktion – von der man gern die Finger lassen darf. Weil es zur Zeit nichts Sinnlicheres gibt, als einen hoch drehenden M-V10 unter Last per Wippen am Lenkrad durchzuschalten. Unverzögert, hart, direkt und herrlich ultimativ schießt das SMG auf jeden Zug an den Paddels den nächsten Gang rein.

Das fühlt sich bei Audi synthetischer an. Hier gibt der Fahrer über die Schaltwippen allenfalls eine Empfehlung weiter, die das Getriebe – gefühlt – in Zeitlupe umsetzt. Ohnehin ist der Audi in allen Disziplinen langsamer, allein im Sprint auf Tempo 100 nimmt der M5 dem S6 sieben Zehntel ab. Bis hier steht fest: Der BMW ist der reinrassige Renner unter den Kombis. Der bessere Transporter ist der Touring nicht. Mehr Platz, mehr Zuladung, mehr Übersicht, bequemere Sitzposition – so punktet der Avant. Überhaupt bietet er deutlich mehr praktischen Nutzen. Günstiger und sparsamer ist er ebenfalls. Die Kombi-Wertung geht also an Audi. BMW-Fans werden das als Sieg verbuchen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn:

Rasend schnell sind beide, aufregend sowieso. Aber nie waren Touring und Avant so weit voneinander entfernt wie als M5 und S6. Die ultimative Dosis Motorsport holt sich Papi bei BMW. Den Alltag bewältigt er besser mit dem Audi. Und das zählt.

Autor: Jan Horn

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