Fahrbericht Maserati GS Zagato

Maserati GS Zagato Maserati GS Zagato

Test Maserati GS Zagato

— 11.05.2007

Offerta speciale

Es gibt sie noch, die feinen Karosserie-Künstler, die Autos nach Kundenwunsch einkleiden. AUTO BILD fuhr exklusiv den Maserati GS Zagato.

Ach du dickes Ei, denke ich – hätte man dieses Auto nicht zu Ostern präsentieren müssen? Andrea Zagato kann darüber nicht lachen. "Den Rahmen für die Premiere bietet einzig der Concorso d'Eleganza Villa d'Este", erwidert der kleine Mann mit dem großen Namen bemüht sachlich. Er meint den traditionsreichen Schönheitswettbewerb für Edelkarossen, auf dem wir uns treffen. Jedes Jahr im Frühling ist er ein Muss für alle Auto-Ästheten. Der Comer See in Norditalien glitzert in der Sonne. Noch heller funkeln die 53 extrem hochpreisigen Oldtimer und die 13 neuen Stilstudien, die im weiten Lustgarten des Grand Hotel Villa d'Este aufgereiht sind. Käuflich ist keiner davon. Bis auf einen: der Maserati GS Zagato. Er ist ein Unikat – noch. Aber Bestellungen sind willkommen. Maximal acht. "Um die Exklusivität zu wahren", wie Andrea Zagato betont. Für Oldtimerfans zählt sein Unternehmen seit Ewigkeiten zu den großen Adressen. Zagato, das stand einst für federleichte Aluhüllen mit wilden Schwüngen und manchmal skurrilen Details. Mit Andrea Zagato wirkt heute die dritte Generation der Modeschöpfer in Terrazzano di Rho nahe Mailand.

295 Spitze sind eine starke Ansage

Seltene Begegnung: Vom GS Zagato soll es maximal acht Stück geben.

Außerhalb der Zagato-Belegschaft bin ich der Erste, der seine jüngste Kreation fahren darf. Nette Geste, aber kein überwältigendes Erlebnis. Denn unter der fließend-rundlichen Hülle verbirgt sich ein völlig serienmäßiger Maserati Gran Sport Spyder. Natürlich sorgen die 400 PS, die der 4,2-Liter-V8 aus dem Ferrari-Regal leistet, für angemessenen Vortrieb und gepflegte Fahrfreude. Und 295 Spitze sind ja auch eine starke Ansage. Aber das wurstige Armaturengebirge gefiel mir noch nie, und die Frischluftdüsen erinnern doch sehr an Fiat Ducato und Co. Aber das ist bekannt. Und weil es so oft erwähnt wurde, bleibe ich lieber beim Wesentlichen: der Spezialkarosserie im Zeichen des Z. Vorbild sei der 1954er Maserati A6G 2000 Zagato, sagt Andrea Zagato. Was für ein Zufall, dass diese Rarität heute um die Villa d'Este kurvt. Ein Wortwechsel mit dem US-Sammler, schon ist der Formenvergleich arrangiert. Die rote Grazie gewinnt ihn souverän – finde ich. Herr Zagato ist unentschlossen.

Auftaggeber des silbernen Coupés ist Paolo Boffi, Hersteller sündhaft teurer Bad- und Küchenmöbel. Ein Mann, der sich Dinge leisten kann, von denen ein Normalo höchstens träumen darf. Nicht nur einen Maserati Spyder. Sondern sogar dessen Neueinkleidung durch Zagato. Für irrwitzige 280.000 Euro. Wer sich das gleiche Auto bauen lassen will, muss genau diese Geldmenge bei der legendären Carrozzeria anliefern. Neben der erwähnten Basis, einem Maserati Spyder. Den gibt es gebraucht ab etwa 70.000 Euro. Aber wer will schon ein frisches Designerkleid über einem alternden Körper? Also doch einen neuen Spyder. Und der startet bei 112.740 Euro. Wir reden damit von fast 400.000 Euro für dieses Modell. Abzuziehen wäre nur der Betrag, den das übrig bleibende Klappverdeck im Sortiment des Internet-Auktionshauses Ebay bringt. Mal im Ernst: Wer einen wirklich exklusiven Neuwagen sucht, muss mit solchen Kosten rechnen. Der Gegenwert ist ein Kleinod klassischer Handwerkskunst. Und ein echter Zagato – Wertsteigerung wahrscheinlich. Keine Chance für Zocker, die auf einen Gebrauchten warten. Vor allem wird es wohl nie neun Exemplare des Maserati GS Zagato geben – dafür fehlt ihm einfach die stilistische Dramatik, der Zagato-Zauber. Sein Quasi-Vorläufer, der verdächtig ähnliche Ferrari 575 GTZ von 2006, entstand nur ein weiteres Mal – weil der erste Käufer noch einen zweiten wollte.

Autor:

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.