Test Mercedes-Benz ML 320 CDI

Mercedes-Benz ML 320 CDI Mercedes-Benz ML 320 CDI

Test Mercedes-Benz ML 320 CDI

— 02.05.2005

Mit dem Zweiten fährt man besser

M-Klasse, zweiter Versuch: Das Ergebnis ist schon auf den ersten Blick vielversprechend. Die Technik auch? Pylonen-Polka mit AUTO BILD.

Von wegen früher war alles besser

Der erste Eindruck ist zwar meistens der entscheidende. Doch jeder verdient eine zweite Chance. Also reden wir nicht mehr von den Problemen der ersten und dennoch äußerst erfolgreichen M-Klasse (Debüt 1997), sondern widmen uns der Anfang Juli 2005 startenden zweiten Auflage.

Sie soll und will natürlich alles viel besser machen. Erster Eindruck diesmal: könnte – nein –, dürfte klappen. Optisch wirkt der leicht gewachsene ML (Länge plus 15, Breite plus 7 cm) jetzt jedenfalls deutlich eleganter und energischer. Manche Zeitgenossen erinnert die trendige Mercedes-Mode allerdings zu stark an Lexus oder Kia. Wenn Sie mich fragen: reine Geschmackssache.

Kaum zwei Meinungen dürfte es dagegen über das geben, was unter der jetzt selbsttragenden Blechhaut steckt. Da wäre zunächst mal das wahrhaft großzügige Raumangebot. Weder vorn noch hinten kneift es, auch zu fünft kommt keine Platzangst auf, die Polster passen nahezu perfekt. War der Vorgänger schon groß, wird es im neuen annähernd gigantisch – und auch beim Gepäck muß nicht übermäßig gespart werden. Also alle Mann an Bord und los.

Werksangaben und Testwerte

Mit einem vielversprechenden Wummern erwacht der V6-Diesel aus Alu zum Leben und läßt fortan nur noch Gutes von sich hören. Etwa anständigen Schub beim Beschleunigen, mächtig Dampf beim Zwischenspurt und vornehme Manieren. Gerade mal neun Sekunden dauert der Sprint bis Tempo 100, erst bei 215 km/h geht dem Dreiliter die Puste aus.

Dank Common-Rail-Technik und Piezo-Einspritzung schieben die 224 PS so sanft und druckvoll an, daß ich den stärkeren ML 350 (272 PS) nicht unbedingt vermisse. Schon gar nicht beim Tanken, wo der CDI mit 10,9 Litern durchaus zur finanziellen Entspannung beiträgt. Den vergleichsweise maßvollen Umgang mit dem Sprit unterstützt sicher auch die geschmeidige Siebengang-Automatik, die bei Schleichfahrt allerdings schon mal leicht ruckt.

On- und offroad ohne Probleme

Als gelungenes Wellnessprogramm läßt sich dagegen der Federungskomfort bezeichnen. Unser stahlgefedertes Basismodell schluckt auch fiese Frostaufbrüche mit Anstand und versucht sich selbst auf Buckelpisten nicht als Bandscheibenkiller. Nur wenn es ganz dick kommt, machen die optionalen Räder im Format 255/55 R 18 (Serie 235/65 R 17) auf sich aufmerksam, poltert es auch mal an der Hinterachse. Ansonsten fährt die weich, aber nicht schwammig abgestimmte M-Klasse einen lupenreinen Schmusekurs; einmal bedächtig Nachschwingen auf langen Bodenwellen inbegriffen.

Beim berühmt-berüchtigten Elchtest leistet sich der ML keinerlei Schwäche. Das ESP behält in jeder Situation die absolute Kontrolle und bremst den 2,3-Tonner, wenn nötig, energisch ein. Auch wenn die indirekte Lenkung vom Fahrer intensive Dreharbeiten verlangt, bringt den ML kaum etwas aus der Ruhe, bleiben die vier Räder eigentlich immer am Boden.

Das muß abseits befestigter Pisten nicht immer so sein, doch auch offroad wühlt sich die M-Klasse sicher durch. Permanenter Allradantrieb (50:50) und das elektronische Traktions-System 4ETS helfen im leichten Gelände weiter. Mittels einer Offroad-Taste werden Automatik, Drosselklappe, ABS und ASR an die speziellen Erfodernisse im Gelände angepaßt. Elektronische Helfer verhindern zudem das Zurückrollen am Berg und halten die Geschwindigkeit abwärts konstant (zwischen vier und 18 km/h).

Kosten und Ausstattungen

Wer mehr will, der muß tief in die Tasche greifen. Für 1914 Euro gibt es das Offroad-Pro-Technik-Paket mit Geländeuntersetzung und zwei 100-Prozent-Differentialsperren (Mitte/hinten) – allerdings mit dem Airmatic-Paket (verstellbare Luftfederung plus adaptive Dämpfer, 1856 Euro).

Doch im Sonderangebot gab es die M-Klasse ja noch nie. Für den ordentlich ausgestatteten ML 320 CDI werden mindestens 48.662 Euro fällig. Inklusive Partikelfilter und erfreulich weißer Euro-4-Weste. Doch dafür speist Mercedes-Benz uns mit jämmerlichen zwei Jahren Gewährleistung ab statt echter Garantie. Aber auch da räumen wir Mercedes eine zweite Chance ein und hoffen auf (Nach)besserung.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka Groß, gemütlich, gelungen – mit der zweiten Auflage der M-Klasse präsentiert Mercedes ein absolut stimmiges Paket. Der ML 320 CDI bietet viel Platz, hervorragenden Komfort und einen ebenso kräftigen wie kultivierten Common-Rail-Diesel. Obendrein überzeugt unser Vorserien-ML innen (mehr als außen) mit guter Qualität. So mausert sich das Stuttgarter SUV zur echten Mmmmh-Klasse. Nur beim ziemlich üppigen Preis müssen wir dann doch kurz, aber heftig schlucken. Doch das war ja schon beim ersten ML so.

Autor: Gerald Czajka

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