Test Mercedes CL 600

Mercedes CL 600 Mercedes CL 600

Test Mercedes CL 600

— 15.09.2006

Das Computer-Coupé

517 PS, gewaltige 830 Newtonmeter Drehmoment und vornedran ein Stern: AUTO BILD fuhr den neuen Mercedes CL 600.

Natürlich gibt es immer jemanden, der noch ein bisschen schlauer ist als man selbst. Kein Problem. Doch jetzt kommt mit dem neuen CL ein Hightech-Auto, bei dem erstmal nicht ganz klar wird, wer den höheren IQ besitzt: Fahrer oder Bordelektronik. Vor allem in die Sicherheitsausstattung haben die Stuttgarter eine Menge Hirnschmalz investiert: Die Pre-Safe-Bremse bremst das Fahrzeug vor einem drohenden Auffahrunfall automatisch ab. Damit sich der Pilot nicht völlig entmündigt fühlt, allerdings nur mit 40 Prozent Bremswirkung. Tritt der Fahrer aufs Pedal, steht in Kooperation mit dem Bremsassistenten (BAS) augenblicklich die volle Verzögerungswirkung an. Sollte es wider Erwarten doch krachen, sind die Passagiere dank des Insassenschutzes Pre-Safe gerüstet. Das System stellt in brenzligen Situationen die Sitzlehnen gerade, strafft die Gurte und schließt das Schiebedach. Aber nicht allein deshalb ist der CL das, was der Schwabe ein "Schlaule" nennt: Das Intelligent Light System unterscheidet Landstraße von Autobahn, passt den Lichtkegel der jeweiligen Situation an.

Zum Glück hat Mercedes aber darauf verzichtet, sein intelligentes Auto wie einen steifen Streber aussehen zu lassen. Mit kraftvoll-imposanter Front schiebt sich der großzügig geschnittene Zweitürer durch den Wind. Die geschmeidige Zartheit des Vorgängers ist passé, dieser CL scheint wieder aus dem Vollen geschnitzt. Gestreckt auf mehr als fünf Meter Länge, macht das Coupé auf S-Klasse-Basis richtig was her. Damit man sich im Stadtverkehr mit dem Riesen nicht blamiert, berechnet die Parkführung (Aufpreis) vorab, ob die anvisierte Lücke für das Dickschiff überhaupt ausreicht.

Unter der Haube des CL 600 setzt Mercedes ausnahmsweise auf Altbewährtes: den V12-Biturbo – seit 2002 im Einsatz. Schließlich sollte genug Power vorhanden sein, um der versammelten Konkurrenz mal ganz gepflegt die Rücklichter zu zeigen. Unglaubliche 517 PS und Bergmassiv-ähnliche

Trotz eines Kampfgewichts von 2,2 Tonnen springt der CL 600 in 4,6 Sekunden auf Tempo 100.

830 Newtonmeter Drehmoment helfen da durchaus weiter, verleihen dem 2,2-Tonnen-Koloss die Explosivität eines Feuerwerkkörpers. Richtig wohl fühlt sich der Mercedes auf der Autobahn. Wer will, darf aber auch um enge Ecken brezeln. Selbst in Kurven demonstriert das Fahrzeug, dass das C in CL für "clever" steht: Die fahrdynamischen Multikontursitze blasen die Wangen bedarfsgerecht auf. Sie geben exzellenten Halt und garantieren so, dass im Cockpit niemand verrutscht. Zusätzlich sorgt die weiterentwickelte Active Body Control (ABC) für ruhige Fahrt. Leistungsfähiger als bisher soll das hydraulische Federungssystem Anfahraufbäumen, Seitenneigung und Bremsnicken kompensieren. Natürlich kostet die schöne neue Autowelt eine Stange Geld: Angesichts der Preisforderung von mindestens 105.850 Euro für das Einstiegsmodell CL 500 und 149.640 Euro für den CL 600, sollte man vorher genau nachrechnen, ob man sich so viel automobile "CLeverness" wirklich leisten kann.

Technische Daten V12 • drei Ventile pro Zylinder • zwei Turbolader • Hubraum 5513 cm³ • Leistung 380 kW (517 PS) bei 5000/min • maximales Drehmoment 830 Nm bei 1900–3500/min • Vierlenkerachse vorn, Raumlenkerachse hinten • Hinterradantrieb • Fünfstufen- Automatikgetriebe • Kofferraumvolumen 490 Liter • Tankinhalt 90 Liter • Länge/Breite/Höhe 5065/1871/1419 mm • Reifen vorn 255/45 R18, hinten 275/45 R18 • Leergewicht 2185 kg • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h • 0–100 km/h in 4,6 Sekunden • Verbrauch 14,3 Liter Super plus/100 km • Preis 149.640 Euro

Autor: Ben Arnold

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