Test Mercedes CLK DTM AMG Cabrio — 11.09.2006
Offen und gefährlich
An Bord dieses kompromisslosen Spaßgeräts geht es für jede Frisur um Leben und Tod: Das 582 PS starke Mercedes CLK DTM AMG Cabrio erfüllt den ausgelutschten Begriff "Frischluft" mit neuem Leben.
Ungeduldig flippert das digitale Drehzahlband im Tacho
Mit einem metallischen Rasseln erwacht der 5,5-Liter-V8 zum Leben, ein bekanntes Aggregat aus der AMG-Abteilung, im DTM allerdings leicht verändert. Ungeduldig flippert das digitale Drehzahlband im Tacho, wenn ich das Gaspedal drücke. 582 PS fallen dann über 28,5 Zentimeter breite Hinterräder her und beschleunigen den Mercedes in 2,6 Sekunden auf Tempo 50. Wenn andere Autofahrer erst den Gang einlegen, ist das Cabrio schon auf 100. 22,5 Sekunden später und im Display erscheint: 250 km/h. Dieselbe Zeit benötigt das Softtop, um sich in den Kofferraum zu falten. Alleine deshalb schon sollte das Verdeck geschlossen bleiben. Auch weil der Wind bei Tempo 300 an den Haaren reißt. Und der CLK jedes laue Lüftchen zum Orkan steigert, Knoten flechtet und aus dem schönsten Sonnen-Tag einen Bad-Hair-Day macht. Offen gefragt: Warum gibt es Sportwagen auch als Cabrio?Der CLK ist "One out of 100", einer von limitierten 100 Stück. Jedes Cabrio zum Preis eines Einfamilienhauses mit der Gemütlichkeit eines modernen CD-Regals. Großteile des Innenraums wie die Türinnenverkleidung baute AMG aus Carbon, in der Mittelkonsole glänzt die Wählhebelkulisse silbern. Beim Beschleunigen auf der Rennstrecke werden die Gänge blitzschnell eingelegt. Im manuellen Modus greift die Automatik erst gar nicht ein und hält die Gänge fest. Bis sich der Fahrer erbarmt und per Schaltwippen am Lenkrad den Wagen aus dem roten Bereich befreit. Nur beim Stopp wählt der AMG-Mercedes automatisch den ersten Gang an.
Cabrio mit Slot für den Alltag
Hemmungslos dreht der Wagen bis zum Begrenzer, auf der Rennstrecke verhält er sich neutral und neigt nur beim Herausbeschleunigen zum leichten Untersteuern. Vor dem Abflug fängt ESP den CLK wieder ein. Zum Deaktivieren des Schleuderschutzes gibt es einen Kippschalter, komplett lahmlegen lässt sich der Sicherheitsanker allerdings nicht. Denn das Cabrio besitzt vor allem einen Slot für den Alltag. Was ihn nicht weicher macht. Denn das Gewindefahrwerk mit Lamellendifferenzialsperre geht mit aller Härte zu Werke. Beim Federn scheuern die riesigen Gummiwalzen in den Radhäusern, in Tiefgaragen-Ausfahrten neigt das Cabrio zum Aufliegen. Mit etwas Nachsicht ist der CLK aber erstaunlich alltagstauglich. Das mit Wildleder eingeschlagene Lenkrad bewegt sich zwar schwer, garantiert dafür aber Spurtreue auf der Autobahn bis zum Abregeln der Elektronik. Der Wendekreis liegt mit 13,5 Metern immerhin noch auf dem Niveau eines Geländewagens.38,2 Meter – in diesem Auto ein enttäuschender Bremsweg
Beim Einkaufen meistert der DTM-Mercedes so viel wie ein VW Polo, leider bremst er auch so. Trotz belüfteter und gelochter Scheiben in der Hochleistungs-Verbundbremsanlage mit Sechskolben-Festsätteln vorn und Vierkolben-Festsätteln hinten. Das klingt nach Hightech, tatsächlich aber ist der Bremsweg aus Tempo 100 eine einzige Enttäuschung. Während das CLK-DTM-Coupé mit 33,4 Metern den Maßstab in der SPORTSCARS-Wertung neu setzte, benötigt das Cabrio 38,2 Meter. Liegt es am Gewicht? Fakt ist: Für einen Straßen-Pkw, der seine Wurzeln im Rennsport sieht, sind das vier Meter zu viel. Da heißt es fest anschnallen, in den brettharten Schalensitzen. Anders als beim ebenfalls limitierten Coupé kommt das Cabrio mit Serien-Anschnallgurten aus. Die Qual beim Einsteigen bleibt die gleiche. Ein sportliches Auto fordert auch einen sportlichen Fahrer. Zwar schwingt die federleichte Tür weit auf. Der Hintern muss erst über die ausgeformten Wangen gehoben werden. Dann schmiegt sich der Sitz an den Körper. So positioniert der AMG-Mercedes seinen Fahrer für das Abenteuer Alltag und für den Kick auf der Rennstrecke. Wenn nicht Regen den Start dann noch ins Wasser fallen lässt.Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko
Das CLK DTM AMG Cabrio ist ein Rennwagen, der sich – trotz des abstrusen Namens – problemlos auch im Alltag bewegen lässt. Vorausgesetzt, man hat ein Faible für ein spartanisches Interieur und harte Straßenlage. Beeindruckend sind vor allem die Beschleunigungswerte, enttäuschend dagegen die Bremsen. Den Stoffhut des Cabrios sollte man nur in der Stadt ziehen, sonst stehen einem die Haare zu Berge.| Technische Daten Mercedes-Benz CLK DTM AMG Cabrio | |
| Motor | V8, Kompressormotor |
| Einbaulage | vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 3 pro Zylinder/2 |
| Hubraum | 5439 cm³ |
| Bohrung x Hub | 97,0x92,0 mm |
| Verdichtung | 10,5:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 428 (582)/6100 |
| Nm bei 1/min | 800/3500 |
| Literleistung | 107 PS/Liter |
| Leistungsgewicht | 3,1 kg/PS |
| Bremsen vorn | 360 mm/bel./gelocht |
| Bremsen hinten | 340 mm/bel./gelocht |
| Getriebe | 5-Gang-Automatik |
| Radgröße vorn/hinten | 8,5x19/10x20 |
| Reifen vorn / hinten | 255/35 ZR 19 / 285/30 ZR 20 |
| Reifentyp | Dunlop SP Sport Maxx |
| Länge/Breite/Höhe | 4560/1800/1360 mm |
| Radstand | 2722 mm |
| Spurweite vorn/hinten | 1569/1576 mm |
| Wendekreis links/rechts | 13,5/13,4 m |
| Tankinhalt | 92 l |
| Leergewicht | 1805 kg |
| Zuladung | 405 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 300 km/h |

































