Test Mercedes F 700

Test Mercedes F 700

— 27.09.2007

Eine Fahrt in die Zukunft

Unglaublich: eine S-Klasse mit Vierzylinder, 238 PS und 5,3 Liter Verbrauch. Was Mercedes da ankndigt, klingt sensationell. Die erste Fahrt mit dem Hybrid-Forschungsauto F 700 zeigt: Es knnte klappen.

Der Verbrennungsmotor der Zukunft klingt wie eine Kreuzung aus Nhmaschine und mig eingestelltem Youngtimer. Rttelnd und mechanisch durchdringend springt der Diesotto an und schickt seine Vibrationen bis ins Lenkrad. Nicht gerade S-Klasse-wrdig. Doch innerlich rufe ich meine verwhnten Ohren zur Ordnung: Dieses Geruschbild, das ist was ganz Besonderes, so als knnte ich ins bermorgen horchen. Der Diesotto luft, fhrt, funktioniert. Ist schon ein komischer Name Diesotto. So nennt Mercedes die neue Technik, die das Beste aus den zwei Verbrennungsformen zusammenfhren soll vom Diesel seine Sparsamkeit und vom Ottomotor die sauberen Abgase und einen runden Motorlauf? Diesotto also.

Das Designvorbild des F 700 ist der Delfin

Gelungen? Das Design des F700 orientiert sich am Delfin.

Mercedes sagt, der Diesotto verbraucht 5,3 Liter Super und produziert nur 127 Gramm CO2 im F 700. Dieses Forschungsauto ist die technische Speerspitze, der Sparsamste der Sparer und fhrt alles auf, was derzeit beim Knausern hilft: Hybridtechnik, Energie-Rckgewinnung, Start-Stopp-Automatik und eben Diesotto. Mit diesem zig Millionen teuren Prestigeobjekt wollen die Stuttgarter zeigen, wie eine Reiselimousine der Zukunft aussehen knnte. Der F 700 ist mit 5,17 Metern etwas krzer als die aktuelle S-Klasse in Langversion. Am Design scheint Mercedes auch noch zu forschen. Der Delfin, der den Designern als Vorbild fr die Form galt, wrde beim Anblick der Studie wohl verschmt abtauchen. Na ja, der F 700 glnzt eher mit inneren Werten. Zum Beispiel mit Gloria, die ein Heer von Schaltern ersetzt. Gloria ist ein Bild von einer jungen Blondine, die vorn im Head-up-Display erscheint und nach meinen Bedienungswnschen fragt. Das macht Sprachsteuerung so schn menschlich, und dafr reicht ein Comand-Knopf, der sich im F 700 zustzlich schieben lsst.

Mittelfristig soll der Diesotto in Serie gehen

Diesotto: das Beste aus Diesel- und Ottomotor.

Whrend ich mit Gloria spiele, schwebt die Mercedes F-Klasse (F steht fr Forschung) ber die Strae, weil die vier Augen vorn die Strae "sehen" knnen. Laser in den Scheinwerfern tasten die Fahrbahn ab, erkennen Lcher, die dann von der aktiven Hydropneumatik ausgeglichen werden. Soweit die Theorie. In Sindelfingen hat der "fliegende Teppich", den uns die Forscher versprechen, noch ein paar kleine Mottenlcher. Aber die Idee dahinter ist genial. Jedenfalls besser als der umkehrbare Chefsessel hinten rechts. Auf Knopfdruck vollfhrt der Sitz eine zirkusreife 90-Grad-Wende, sodass der Boss sich vom Stau distanzieren kann. Vorausgesetzt, er mag gegen die Fahrtrichtung sitzen. Mein Magen mag es nicht.

Lieber lausche ich dem Diesotto-Konzert. Wann schaltet der Benziner auf Magerbetrieb um, wann schaltet der Elektromotor zu? Wo wird gespart? Ich spre nichts und frage den Experten. Professor Herbert Kohler wiegt den Kopf: "Betriebsgeheimnis." Der Chef der Konzernforschung meint, dass das Diesotto-Konzept gegenber dem konventionellen Benzin-Elektro-Hybriden bis zu zehn Prozent Benzin einspart. Das wre ein riesiger Fortschritt, da heute Forscher und Ingenieure mit Milliardenaufwand um Zehntelliter Spareffekt ringen. Wann, Professor Kohler, geht der Diesotto in Serie? "Mittelfristig." Bitte genauer. "Mittelfristig!" So ganz rund klingt auch das noch nicht.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachm Staat

Fantastisch die Vorstellung, dass ein so groes Auto mit so wenig Sprit auskommt. Die erste Schnupper-Fahrt kann zwar nicht den Sparsamkeits-Beweis antreten, die moderne Technik lsst aber hoffen. Alle Bedenkentrger kann ich beruhigen: Ein Vierzylinder in einer S-Klasse ist keine Schande. Im Gegenteil: Er macht seine Sache sogar sehr gut.

Technische Daten: Vierzylinder, zwei hintereinander-geschaltete Turbolader, variable Ventilsteuerung Hubraum 1800 cm Leistung 175 kW (238 PS) max. Drehmoment 400 Nm 15-kW-Elektromotor (20 PS) 120-Volt-Batterie Siebenstufen-Automatik Hinterradantrieb Einzelradaufhngung mit aktiver Luftfederung Reifen 195/55 R 21 Lnge 5170 mm Radstand 3450 mm Beschleunigung 0-100 km/h in 7,5 Sekunden Hchstgeschwindigkeit 200 km/h (elektronisch begrenzt) Verbrauch 5,3 l Super plus/100 km

Autor: Joachim Staat

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