Test Mercedes G 280 CDI Edition Pur — 25.09.2009

Puristisches G-Modell

Dem Jubiläums-G fehlt konsequent alles, was der automobile Massengeschmack fordert. Er bietet dafür Tugenden, die man für längst vergessen und begraben gehalten hätte. So fährt er außerhalb jeder Konkurrenz.

Manchmal nervt es schon, dass die Autos einander immer ähnlicher werden. Tester müssen sich immer ausgefeiltere Bewertungspunkte- Raster ausdenken, damit sich noch die von Ihnen als Leser erwartete eindeutige Rangfolge bei der Bewertung herausarbeiten lässt. Da ist es richtig erfrischend, wenn mal wieder ein so anderes Auto auf den Hof rollt: Eines, das sich sichtlich einen feuchten Kehricht darum schert, was welches andere Auto wie gut kann. So ein Auto ist der Mercedes G eigentlich schon immer; und mit zunehmendem Alter scheint er sich von den Standards, die von den modernen Luxus-SUV gesetzt werden, einfach naserümpfend immer mehr abzuwenden. Die Krönung dieses hartnäckigen Beharrens auf den traditionellen Werten, die heute über der Jagd nach Straßenfahrleistungen und Ausstattungsluxus zunehmend in Vergessenheit geraten, ist der G 280 CDI Edition 30 Pur.

Mehr über Mercedes? Hier geht es zur neuen Mercedes-Markenseite

Im Paket 1: der wunderschöne Laderaum-Holzboden mit Verzurrschienen.

Das zum 30. Geburtstag der G-Klasse herausgegebene Sondermodell will an Zeiten gemahnen, als ein Geländewagen in allererster Linie ein Wagen fürs Gelände war. Das "Pur" im Modellnamen soll keine Hommage an die gleichnamige Pop-Band aus Bietigheim-Bissingen sein, sondern andeuten, dass diesem G alles fehlt, was von den Anhänger der "reinen Lehre" als überflüssig in einem Geländewagen betrachtet wird. Schon eine Zentralverriegelung gibt es erst in Verbindung mit dem kostspieligen "Offroad-Paket 1"; ein CD-Radio oder eine (manuell regelbare) Klimaanlage gar erst im Spitzenmodell oder gegen happigen Aufpreis. Der auffälligste Unterschied zu dem, was man von modernen SUV gewohnt ist, betrifft die Materialien im Innenraum: Der Pur präsentiert geradezu exhibitionistisch sein nacktes Blech. Wo sonst dicke Veloursmatten auf flauschigen Teppichen und schweren Dämmstoffen liegen, bleckt er kokett seine herausnehmbaren Wasserablaufstopfen.

Alles funktioniert soldatisch korrekt

Ab Paket 1: vordere Schleppkupplung zum Ziehen von Lasten.

Diese keineswegs reizlose, ehrlich wirkende Nacktheit hat ihren Grund: Auch wenn Mercedes den Pur als Wiederauferstehung des G-Modell der ersten Generation sieht: Eigentlich ist er nur die zivile Ableitung der aktuellen Militärmodelle: Zwar findet man, außer der Abdeckung der Bordsteckdose, keine olivgrünen Bauteile; aber viele Details, von der 24-Volt-Bordelektrik (mit 12 V-Wandler für Radio und Zigarettenanzünder) über die vier Einzelsitze bis zum Lichtschalter mit Schaltstellungen fürs Tarnlicht, offenbaren das wahre Naturell. Alles funktioniert soldatisch korrekt an diesem Auto, fast alles braucht aber Kraft: von den Türen, die fest ins Schloss geworfen werden wollen über die zähe Lenkung bis zu den Bremsen, die auch bei energischem Druck aufs Pedal nur vergleichsweise laue Wirkung entfalten. Die harten Federn und Dämpfer beschränken den Fahrkomfort auf das Notwendigste; dafür hält sich die Seitenneigung in erstaunlich engen Grenzen. Leider auch die Achsverschränkung: Unwürdige 180 mm maßen wir nur; da ist man im Gelände froh um die beiden Achsdifferenzial-Vollsperren.

Antrieb auf neuestem Stand

Antriebstechnisch ist der G-Edition-Pur auf aktuellem Stand: Für Vortrieb sorgt eine Drosselversion des bekannten Dreiliter-Turbodiesels in V6-Form; durch die fehlende Lärmdämmung klingt er ungewohnt angestrengt. Die Automatik – der bewährte Fünfstufenautomat – schaltet deutlich ruppiger, als man es von der 7-G-Tronic gewohnt ist; meist wählt sie die Übersetzung aber passend und zweckmäßig. Auch die Militär-G haben neuerdings permanenten Allradantrieb; die Untersetzung schaltet man per Fingertipp auf einer wasserfesten Tastatur. Elektronik ist also auch am Pur-G vorhanden, das erfordert allein schon die aktuelle Abgasgesetzgebung. Globetrotter trösten sich damit, dass alles Elektrische in einem wasserdichten Blechschrank zwischen den Vordersitzen verwahrt ist: Wer in der turmhohen Konsole ein Ablage- oder gar Kühlfach sucht, sitzt im falschen Auto!

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Kommentare zum Artikel (8)

Erstellt

Inhalt

Funktion

AM1
04.02.2011, 14:03Uhr

Es geht ja nicht um Retroversion oder anfälliges G-Modell. Dies hier ist die zivile Variante der Militärausführung, das wird schon am 24V Bordnetz deutlich. Das ganze soll zuverlässig und robust sein.

Und es gibt doch einen puristischen Landcruiser: und zwar die Heavy Duty Reihe. Das ist die Version J7 auch bekannt als Buschtaxi. Erhältlich mit 6Zyl. Wirbelkammer Saugdiesel oder mit Common Rail Turbodiesel. Diese Version wird aber nicht offiziell auf dem deutschen Markt verkauft, sondern muss über einschlägige Händler bezogen werde, die diese Fahrzeuge ihrerseits aus Gibraltar beziehen.

AM1
04.02.2011, 14:02Uhr

Es geht ja nicht um Retroversion oder anfälliges G-Modell. Dies hier ist die zivile Variante der Militärausführung, das wird schon am 24V Bordnetz deutlich. Das ganze soll zuverlässig und robust sein.

Und es gibt doch einen puristischen Landcruiser: und zwar die Heavy Duty Reihe. Das ist die Version J7 auch bekannt als Buschtaxi. Erhältlich mit 6Zyl. Wirbelkammer Saugdiesel oder mit Common Rail Turbodiesel. Diese Version wird aber nicht offiziell auf dem deutschen Markt verkauft, sondern muss über einschlägige Händler bezogen werde, die diese Fahrzeuge ihrerseits aus Gibraltar beziehen.

P. Paul
30.09.2009, 21:39Uhr

Purismus ist auch mein Ansinnen bei einem echten Geländewagen. Lenkrad, Gaspedal, möglichst Handschaltung, gute Sitzposition, fertig. Aber eine Klimaanlage ist als Standardausrüstung unabdingbar.

Klamsipuh
28.09.2009, 11:39Uhr

Also wenn schon Auto fürs Grobe, dann würd ich eher den Defender nehmen.

Dischords
28.09.2009, 09:43Uhr

hmm auf meiner Mercedes-Seite finde ich das G-Modell ohne Probleme...
Hoffentlich fährst du besser Auto als du durchs Internet navigierst...

Seite 1 2

Kommentar verfassen

Hinweis: Die mit einem Sternchen* versehenden Felder sind Pflichtfelder
Anzeige

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Mercedes-Benz G-Klasse Gebrauchtwagen-Angebote

Mercedes-Benz G-Klasse

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige