Test Mercedes GL 420 CDI – Range Rover TDV8

Range Rover TDV8 gegen Mercedes-Benz GL 420 CDI Range Rover TDV8 gegen Mercedes-Benz GL 420 CDI

Test Mercedes GL 420 CDI – Range Rover TDV8

— 08.12.2006

Die Öltanker

Wenn sie kommen, wird es dunkel. An den Dickschiffen Mercedes GL und Range Rover ist alles riesig. Vor allem ihre bärenstarken V8-Diesel.

XXL in jeder Beziehung

Fünf Meter lang, 2,7 Tonnen schwer, 300 PS stark, knapp 80.000 Euro teuer und 100 Liter Dieselöl im Tank: Die heimlichen Ölbarone heißen Mercedes GL und Range Rover. Entprechend unbescheiden ist ihr Auftritt. Aristokratisch der Range, stolz wie Seine Lordschaft, formatfüllend aus jedem Blickwinkel, eine Hoheit auf Rädern.

Der Mercedes wirkt trotz seiner kolossalen Ausmaße nicht ganz so großspurig. Er duckt sich mit 1,84 Meter Höhe flacher in den Wind (Range 1,86 Meter). Die Frontscheibe steht schräger, auch deshalb ist das Raumgefühl im GL ein anderes. Im Mercedes sitzt du tiefer und geborgener hinterm wuchtigen Armaturenbrett. Im Range thront man aufrecht und erhaben über allen anderen, weit über dem flach bauenden Cockpit. So hoch, dass selbst stolze Fahrer weitverbreiteter Schwergewichte wie BMW X5 oder VW Touareg zum Chauffeur des Range aufschauen müssen. Sie tun es, wenn überhaupt, sehr verkniffen.

Herrschaftlich wie ein Fürstensitz: Der Range Rover beweist Stil.

Ihre Miene würde sich noch mehr verfinstern, wenn sie wüssten, wie unvergleichlich vornehm es an Bord des Range zugeht. Der ist mehr ein fürstlicher Sommersitz auf Rädern als ein Geländewagen. Weit und luftig, mit duftendem Leder und fein gemasertem Holz ausstaffiert. Jede Menge Schalter, Hebel und Tasten sind zur Unterhaltung der Herrschaften zwanglos verstreut. Auch im noch mal geräumigeren GL ist der pure Luxus verbaut, aber auf andere Art: gediegen, klar und logisch. Charmant und nicht ohne Schick gemacht, an die herrschaftliche Atmosphäre des Range kommt der Mercedes aber nicht heran.

Beide Schwergewichte werden von mächtigen V8-Common-Rail-Dieseln angetrieben. Der Vierliter im GL leistet 306 PS, der 3,6-Liter im Range 272 PS. Die dürfen aber ungefiltert ins Freie blasen. Denn der Range Rover fährt bei uns zunächst ohne Partikelfilter vor. Der soll erst Anfang nächsten Jahres kommen – ein Unding. Dafür haben die Briten an andere Dinge gedacht. So kann man den Range nicht aus Versehen mit Benzin befüllen. Der "Fuel Guard" erkennt im Einfüllstutzen den Durchmesser des Tankrüssels und blockiert die dünnere Benzin-Pistole. Eine sinnvolle Erfindung.

Trotz ihrer 2,7 Tonnen sind GL und Range alles andere als schwerfällig unterwegs: Der GL stürmt in 8,2 Sekunden auf 100 und schafft 230 km/h. Der Range braucht von null bis 100 9,5 Sekunden und rennt Tempo 200. Rein zahlenmäßig hat also der Mercedes die Nase vorn – dank der schieren Kraft seines bärbeißigen V8. Trotzdem, gerade wegen seiner enormen Größe braucht dieser Motor nach dem Tritt aufs Gaspedal eine gewisse Reaktionszeit, reißt dann aber umso brachialer an. Seine Siebenstufen-Automatik haben wir in anderen Mercedes aber schon souveräner erlebt. Im GL ruckelt sie manchmal und schaltet häufiger in einen kleineren Gang als eigentlich notwendig, so, als ob sie dem gewaltigen Drehmoment des Motors nicht trauen würde.

Der Range Rover fährt noch harmonischer

Wohldosiert: Der Brite setzt seine dicken Muskeln gekonnt ein.

Der V8 im Rover läuft im Vergleich geschmeidiger und weicher als der im Mercedes, sein Turboloch beim Antritt ist merklich kleiner. Er klingt mit seinem warmen, sonoren Bariton noch weniger nach Diesel als der etwas heisere, kernige GL. Und die ZF-Automatik arbeitet zwar nur mit sechs Fahrstufen, sortiert diese aber sanft, souverän und schnell. Keine großen Unterschiede gibt es beim Verbrauch. Der GL genehmigt sich 11,9 Liter, der Range fährt mit 11,7 Litern. Klar, das ist nicht wenig. Angesichts der Größe und der gebotenen Fahrleistungen aber auch nicht zu viel. Die potenziellen Besitzer der Autos werden es finanziell verkraften.

Ganz erstaunlich auch, wie handlich sich die beiden Monster fahren. Keine stampfenden und schaukelnden Dampfer. GL und Range gleiten gelassen souverän durch die Landschaft. Egal ob über lästige Querfugen, staubige Rüttelpisten oder im hektischen Großstadtverkehr. Die serienmäßigen Luftfederungen bieten den Fahr- und Federungskomfort von Oberklasselimousinen und eröffnen dazu noch bemerkenswerte Kletterkünste im Gelände.

Preise, Geländeeigenschaften, Daten

So gewaltig wie alles andere sind erwartungsgemäß auch die Preise: Der Mercedes GL 420 CDI steht mit 79.460 Euro in der Liste, der Range Rover TDV8 SE mit 74.900 Euro. Die Ausstattung ist bei beiden – das darf man auch erwarten – mehr als üppig. Also mit Luftfederung, Klimaautomatik, Allradantrieb, Gelände-Untersetzung, CD-Radio und so weiter. Der Rover hat dazu noch Ledersitze (GL 1781 Euro), ein High-End- Soundsystem (GL 783 Euro) und einiges mehr serienmäßig an Bord. Den Vergleich kann er trotzdem nicht gewinnen. Der Mercedes ist in vielen Bereichen einfach überragend – auch wenn der Range noch einen Hauch größer ist.

ALLES ALLRAD-Experte Martin Braun über die Geländeeigenschaften

Die Bodenfreiheit des GL ist mit bis zu 310 Millimetern enorm.

Die Allradtechnik der beiden Luxusliner ähnelt sich verblüffend: Mercedes GL und Range Rover vertrauen auf einen permanenten Allradantrieb mit paritätisch verteilendem Zentraldifferenzial (vorn:hinten 50:50). Beide verwenden zentral und am Hinterachsdifferenzial eine elektronisch geregelte Lamellensperre. Und beide erhöhen die Zugkraft am Berg durch eine Geländeuntersetzung im Verhältnis 2,93:1. Das kann kein Zufall sein. Ist es auch nicht. Denn beide bedienen sich beim gleichen Zulieferer: Magna Steyr in Österreich.

Von den Papierwerten her liegt der GL zunächst vorn: Seine Luftfederung ermöglicht bis zu 310 mm Bodenfreiheit, der Range hat 265 mm. Beides ist vergleichsweise viel. In der Praxis hat das Luxus-Duo Probleme auf weichem, schmierigem Untergrund.

Wenn es richtig kniffelig wird, dann kommt der Range Rover weiter.

Ihr immenses Gewicht zieht sie unerbittlich talwärts – da hilft die ganze aufwendige Technik wenig. Je kniffeliger die Passagen im harten Gelände dann aber werden, desto deutlicher fährt der Range Rover voraus. Er ist wendiger als der riesige Mercedes, setzt nicht so schnell auf. Und der Brite durchschreitet buckeliges Terrain dank deutlich besserer Achsverschränkung (295 zu 225 mm) mit Eleganz, während der Mercedes im schweren Gelände von einer Seite auf die andere torkelt und deshalb auf die elektronischen Sperren angewiesen ist. Fazit: Beide gehören im Gelände zu den Besten überhaupt, wird es ganz hart, kommt der Range weiter.

Fazit, Wertung, Ihre Meinung

Fazit

Zwei eindrucksvolle Autos: riesig, mit großartigen Dieseln und tollen Fahreigenschaften. Der Mercedes gewinnt, weil er neben aller Lust und allem Luxus die praktischen Aufgaben souveräner erfüllt: mehr Platz, bessere Fahrleistungen und Bremsen, größerer Kofferraum, höhere Zuladung. Geht es aber um Stil, dann hat der Range Rover seine feine Nase vorn.

Autor: Dirk Branke

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