Test Mercedes S 600, BMW 7er, Jaguar XJ 12 — 20.12.2008
Mit wenig Geld auf dicke Hose
Wir haben 8000 Euro und ein Ziel: Eine Luxuslimousine mit V12 muss her. Zur Auswahl: Nur das Beste von gestern. Mercedes S 600 L, BMW 750i und Jaguar XJ 12!
Zum Zwölfzylinder-Kauf im Lord-Outfit
Der Chef legt los: Cordhose, Tweed-Jacket mit Lederflicken, kariertes Hemd, Seidenschal und eine Mütze kramt er hervor, dazu rahmengenähte Budapester. "Hat mal 1600 Euro gekostet", sagt er. Jetzt will er 400, wünscht Glück beim Autokauf. "Hey", denke ich beim Blick in den Spiegel, "nenn' mich einfach Lord May." So, und jetzt 'nen dicken Schlitten. Ein Zwölfender ist Pflicht. Aber bitte zum Polo-Preis, mehr als 8000 Euro macht der Banker meines Vertrauens nicht locker. Sie wissen ja: die Rezession. Was ich dafür so bekomme – lesen Sie selbst.
Der Luxus-Benz des Milliardärs: Mercedes-Benz S 600 L
Vernachlässigter 600er
Aber der Benz verlangt auch ein wenig Aufmerksamkeit. Von 1995 bis 2005 war er Chauffeur-Auto, wurde entsprechend gepflegt. Bis Kilometerstand 120.000 ist das Scheckheft ausgefüllt. Von 2005 bis 2008 wurde die S-Klasse nur noch gefahren. Jetzt hat sie 242.000 Kilometer auf der Uhr, Rost an Kotflügel und Kofferraumschloss und einen defekten Luftmassenmesser: "Der Motor läuft zu fett, das lass' ich gerade reparieren", erklärt Thiede. Und auch andere Schwachstellen sollte man ernst nehmen: Bremsen und Lenkgetriebe leiden unter dem hohen Gewicht, verschleißen rasch. Ölaustritt an Getriebe und Hinterachsdifferenzial sind ebenfalls bekannt, auch die Hubmechanik des Schiebedachs macht öfter schlapp.
S 600 L: Platz wie in einer Katherdrale und Leistung wie im Sportwagen
Lapalien, wenn man erst einmal die Vorzüge dieser S-Klasse erlebt hat: Vorn säuselt der V12-Motor mit seinen 394 PS, hinten verwöhnen zwei elektrisch einstellbare und beheizbare Einzelsitze. So hat sich der Milliardär durch die Lande kutschieren lassen. Schon da warf Thiede ein Auge auf das Dickschiff: "Damals hatte der Wagen einen Diplomaten-Aufkleber auf dem Kofferraum." Das Schild ist ab, die Peilstäbe, die beim Rückwärtsfahren herauskommen, sind geblieben. Dass Thiede den Wagen wiederentdeckte – Zufall. Eigentlich wollte ihn der letzte Besitzer nach Syrien exportieren, das klappte aber nicht. "Wenn ich keinen Käufer finde, behalte ich den Benz", sagt der 36-Jährige. Warum auch nicht? Fazit: Ein fetter Benz für den großen Auftritt – der 1995er Milliardärs-Dienstwagen macht auch 2008 noch was her. Leider wurde er in den letzten Jahren nicht gepflegt. So könnten böse Überraschungen noch folgen.
| Technische Daten Mercedes-Benz S 600 L W 140 | |
|---|---|
| Motor | Zwölfzylinder-Frontmotor längs eingebaut |
| Hubraum | 5987 ccm |
| kW (PS) bei U/min | 290 (394)/5200 |
| Nm bei U/min | 570/3800 |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 6,6 sec |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Verbrauch | 14,2 Liter Super |
| Abgasnorm | Euro 2 |
| Baujahr Testwagen | 1995 |
| Kilometerstand Testwagen | 242.000 |
| Kosten | |
| Inspektion | 450 bis 800 Euro |
| Haftpflicht (Klasse 23) | 943 Euro |
| Teilkasko (Klasse 29) | 471 Euro |
| Vollkasko (Klasse 28) | 1846 Euro |
| Kfz-Steuer (Euro 2) | 441 Euro |
| Kaufpreis Testwagen | 7900 Euro |
| AUTO BILD-Urteil: Empfehlenswert | |
Das Bayern-Schiff der Staatskanzlei: BMW 750i
Neupreis 1999: 102.000 Euro, Gebrauchtpreis 2008: 7985 Euro!
Auf dem Tacho stehen 154.000 Kilometer, im Serviceheft datiert der letzte Eintrag aus Januar 2007, bei Kilometerstand 139.814. Was auffällt: Jeder Service wurde bei ein und demselben BMW-Händler ausgeführt. Ali-Reza Zolfaghari hat das gesamte Zubehör-Paket des 750i aufgelistet: "Leder, Navi und TV, Sechsfach-CD-Wechsler und Sound-paket, Xenonscheinwerfer, Standheizung, Einparkhilfe, Schiebedach, automatische Heckklappenbetätigung – als der BMW zusammengestellt wurde, hat der Käufer überall Kreuzchen gemacht", sagt der Händler. 102.000 Euro kostete der 7er 1999 laut Liste, jetzt wartet er für 7985 Euro auf einen neuen Besitzer.
Die Anhängekupplung passt gar nicht zum mondänen Auftritt des BMW 750i
Und der sollte auf die typischen Schwachstellen achten: Die komplexe Elektronik saugt gern die Batterie leer, Kühlwasserschläuche sind nicht selten porös, die Feststellbremse gammelt fest, Generatoren und Anlasser mucken. Typische BMW-Fehler wie verschlissene Achslager und zu viel Spiel in der Lenkung kennt natürlich auch der 7er. Auch wenn dieser hier aussieht, als wäre der Stoiber Edmund nur kurz zum Aktenstudium entschwunden. Der anthrazitfabene Lack der Limousine glänzt und blitzt. Aber halt! Irgendwas stört. Musste der Vorbesitzer unbedingt auf einer Anhängekupplung bestehen? Das ist ja so sexy wie weiße Tennissocken zum schwarzen Anzug!Fazit: 7 und 12 – das ist eine klasse Kombination. Dieser 7er von BMW mit Zwölfzylindermotor hat eine nachvollziehbare Historie und ist ein echtes Schnäppchen. Hier stört nur der Fleischerhaken!
| Technische Daten BMW 750i E38 | |
|---|---|
| Motor | Zwölfzylinder-Frontmotor längs eingebaut |
| Hubraum | 5379 ccm |
| kW (PS) bei U/min | 240 (326)/5000 |
| Nm bei U/min | 490/3900 |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 6,6 sec |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Verbrauch | 11,9 Liter Super |
| Abgasnorm | Euro 2 |
| Baujahr Testwagen | 1999 |
| Kilometerstand Testwagen | 154.000 |
| Kosten | |
| Inspektion | 400 bis 700 Euro |
| Haftpflicht (Klasse 23) | 889 Euro |
| Teilkasko (Klasse 28) | 306 Euro |
| Vollkasko (Klasse 27) | 1316 Euro |
| Kfz-Steuer (Euro 2) | 397 Euro |
| Kaufpreis Testwagen | 7985 Euro |
| AUTO BILD-Urteil: Sehr empfehlenswert | |
Die Raubkatze aus gutem Hause: Jaguar XJ 12
Der Jaguar XJ12 präsentiert sich in Neuwagen-ähnlichem Zustand
Der Jag steht in einer Tiefgarage, sein 311 PS starker Zwölfzylinder springt sofort an und läuft akurat wie ein Uhrwerk. Das cremefarbene Interieur sieht aus, als wäre sein Besitzer nur mit Hausschuhen eingestiegen, alles sauber, alles fein. Er erklärt: "Ich habe den Wagen 1998 aus erster Hand gekauft, der Werkstattmeister erkannte ihn auf Anhieb wieder." Jedes Jahr lässt er eine Inspektion machen. Das ist auch nötig. Der Jaguar mit der Modellbezeichnung XJ40 (Bauzeit 1986–1994) verfügt beispielsweise über Schmiernippel an den Antriebswellen, die regelmäßig frisches Fett brauchen. So gilt für diese Katze: grundsätzlich gesund – bei guter Pflege.
Verkaufsgrund: Zum Herumstehen ist der Jag zu schade
Rost ist bei diesem Modell kein Problem, selbst die Mechanik ist handzahm. Probleme bereiten nur kleine Öl-Leckagen, da hilft nur Auswechseln der undichten Wellendichtringe. In diesem Punkt ist die Raubkatze des Herrn D. stubenrein – kein Tropfen Öl ist im Motorbereich zu sehen. Dafür steckt im Wagen der geballte Luxus der frühen 90er-Jahre. Mit Sechsfach-CD-Wechsler im Kofferraum, Schiebedach, Klimaautomatik, Lederausstattung und Schafwoll-Teppichen hat der XJ 12 mal 140.000 D-Mark gekostet, also umgerechnet mehr als 71.000 Euro. Jetzt gibt es die Raubkatze aus gutem Hause zum Sonderpreis. Herr D. erklärt: "Zum Herumstehen ist der Wagen einfach zu schade."Fazit: Da geht einem das Herz auf: Ein fein gepflegter Jaguar, der dasteht wie neu und für 5500 Euro fast geschenkt ist. Aber bitte regelmäßig zur Inspektion fahren, sonst wird das Kätzchen krank!
| Technische Daten Jaguar XJ 12 (XJ40) | |
|---|---|
| Motor | Zwölfzylinder-Frontmotor längs eingebaut |
| Hubraum | 5994 ccm |
| kW (PS) bei U/min | 229 (311)/5400 |
| Nm bei U/min | 453/3750 |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 7,4 sec |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Verbrauch | 15,4 Liter Super |
| Abgasnorm | Euro 1 |
| Baujahr Testwagen | 1993 |
| Kilometerstand Testwagen | 142.600 |
| Kosten | |
| Inspektion | 450 bis 800 Euro |
| Haftpflicht (Klasse 20) | 722 Euro |
| Teilkasko (Klasse 25) | 243 Euro |
| Vollkasko (Klasse 28) | 1557 Euro |
| Kfz-Steuer (Euro 2) | 901 Euro |
| Kaufpreis Testwagen | 5500 Euro |
| AUTO BILD-Urteil: Sehr empfehlenswert | |

































