Test Mini Cooper S – BMW 120i

Test Mini Cooper S – BMW 120i

— 22.11.2006

Wer macht mehr Spaß?

Hier heißt das Motto: Gas geben und grinsen. Doch der neue Mini fordert den BMW 1er nicht nur aus Spaß. Ein ernsthafter Vergleich zweier Kultmobile.

Technische Daten und Preise

Weihnachten fiel für die Mini-Gemeinde im Jahr 2006 schon auf den 18. November. Nicht nur weil Sir Alec Issigonis, Schöpfer der genialen Kiste, an diesem Tag 100 Jahre alt geworden wäre. Die Marke, um clevere Marketing-Ideen nie verlegen, präsentierte genau an diesem Samstag (welch glückliche Fügung) den neuen Mini. Da stiegen Händler-Partys, Lippenstift klebte wieder an Prosecco-Gläsern, und es begann das Stöbern in den neuen Preislisten: Womit kann man sich bescheren? Das wird ein Fest! Unser erster Testwagen ist so ein rollendes Geschenkpäckchen: neue Lackfarbe (Laserblue metallic), neues Innendekor (Klavierlack), neues Lichtpaket – schicke Köder für die trendfreudige, zahlungskräftige Kundschaft, die im Schnitt Extras für 4500 Euro in ihren Cooper S reinbuttert. Für manche liegt der größte Spaß eben darin, den eigenen Mini individuell herauszuputzen.

So eine schicke Lifestyle-Karriere hat der 1er auch gemacht, aber wir wollten wissen: Wer macht denn auf der Straße mehr Spaß, der Cooper S oder der BMW 120i? Auf den ersten Blick: der Mini, weil er unverändert kurz und knuddelig dasteht. Die paar Änderungen – größerer Grill, höhere Haube und eine Fensterlinie, die keilförmig nach hinten ansteigt – erkennen auf Anhieb nur Verliebte. Alle Nichtinfizierten schauen zur Unterscheidung auf die Blinker, die stecken beim Neuen in den Lampen. Der Mini ist also Mini geblieben: die perfekte Kreuzung zwischen rasanter Handtasche (für Damen) und hautengem Wetzhobel (für uns Männer). Auch innen hat der Engländer nicht an Größe gewonnen, sondern bestenfalls im Detail. Vorn sitzt man luftig, hinten besser gar nicht. Die Lehnenverstellung funktioniert nun praktischer, das zusätzliche Handschuhfach auch.

Dafür liegen die Fensterheber in der umsortierten Mittelkonsole nun zu tief, und der nochmals vergrößerte Tacho wirft solche Spiegelungen, dass man ständig das Gefühl hat, als ob eine Haarsträhne vorm Auge herumwedelt. Echte Schrullen. Dagegen rangiert der 120i doch eine ganze Vernunftklasse höher. Wer vom Mini umsteigt, atmet erst einmal aus. Man sitzt höher, alles passt, hier regiert Anthrazit-Grau. Spaß macht im Vergleich nur der Gedanke an den leichten Wiederverkauf. Vier Türen versprechen Nutzwert. Aber, Halt! Der knappe Knieraum hinten entlarvt den BMW FAST als 2+2-Sitzer, nur mit deutlich größerem Kofferraum (bei umgeklappter Rückbank 1150 Liter) als beim Mini (680 Liter).

An dem scheiden sich die Geister: Reihen-Vierzylinder im BMW 120i.

Beide starten nun – als Trendautos können sie gar nicht anders – auf Knopfdruck. Der Zweiliter des BMW spaltet die Geschmäcker. "Zu brav, ein Golf-Motor", sagen die einen, "lebendig, sportlich", die anderen. 9,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 sind eine ordentliche Ansage, aber erst ab 5000 Touren hat der Vierzylinder die gewisse Prise Sex in der Stimme. Trotzdem, beim Benziner erlebt man, was dem beliebten Diesel im 120d fehlt: Klang, Drehfreude und die ganze Bandbreite bis zum Abregeln bei 6600 Touren. Der 1er ist halt das Coupé unter den Kompakten – ein Abo aufs Fahrvergnügen. Die exakte Lenkung kennt keine Antriebseinflüsse, da macht sich der Hinterradantrieb verdient. Die Federung bleibt stets haargenau auf der knackigen Seite. Und erwachsene 2,66 Meter Radstand (beim Mini 2,47 Meter) verleihen dem BMW eine komfortable Souveränität, die der Mini nie erreichen kann.

Fazit und Bewertung

Und gar nicht erreichen will, denn der Cooper S ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Federt ehrlich hart das Gröbste weg und überlässt den Bandscheiben den Rest, springt mit seiner direkten Lenkung (nur 2,4 Umdrehungen, 2,9 im BMW) auf jeden Impuls an. Da ist es wieder, das einzigartige Gefühl: Dieses Auto setzt Fahrmanöver um, wenn der Fahrer nur an sie denkt. Dieser Sportler unter den Kleinen bekam nun endlich einen angemessenen Motor: Der neue 1,6-Liter-Turbo mit 175 PS ist ein ganz ausgekochtes Alu-Bürschchen, leicht und effizient durch modernste Technik. Nach kurzer Gedenksekunde rennt er ohne Loch und ohne tückischen Bums in 7,6 Sekunden auf 100, hängt den BMW in jeder Lage locker ab und röhrt jugendlich unverschämt aus dem mittigen Doppelendrohr. Gegen diese Siegesfanfare hat der 120i keine Chance, zumal die optimierte Sechsgang-Schaltung des Mini endlich ohne Kratzen rastet – bitte nachbauen, BMW.

Beim Blick in die Preislisten hört der Fahrspaß auf – bei Mini und bei BMW.

Aber der Fairness halber fahren wir mal eine schnelle Rennrunde: Auf nasser Strecke oder in engen Kurven reißt der Turbo bei vollem Gaseinsatz kräftig in der Lenkung, dann zappelt der Cooper S von einer Spurrille in die nächste. Bei solchen Manövern zirpt es hier und knistert es dort im Cockpit: Die Anfass-Qualität des soliden 1ers erreicht der Mini immer noch nicht. Besonders ärgerlich, weil der Spaß bei einem Blick in die Preislisten aufhört. Denn BMW wie Mini reizen die Leidensfähigkeit ihrer Käufer bis zum Anschlag aus. Bei 25.300 Euro Grundpreis inklusive 205er-Bereifung für den 120i sind weder Klimaanlage noch Velours-Fußmatten serienmäßig an Bord. Allein für die wichtigsten Pakete sind schnell weitere 3000 Euro versenkt. Das kann eine günstige Leasingrate auch nicht mehr rausreißen.

Trotz stolzer 21.050 Euro Basispreis für den Cooper S fehlen sogar Dinge, die im "Premium-Produkt Mini" selbstverständlich dazugehören sollten: Klimaanlage, CD-Spieler und ESP – eine Frechheit! Doch die Kunden bezahlen. Und stöbern vergnügt nach den neuen Extras, die im nächsten Jahr Mode sein werden: Chromdekor innen (140 Euro extra), Innenlicht, das seine Farbe ändert (160 Euro), oder die jüngste Dachlackierung – ein Hubschrauber-Landeplatz (99 Euro). Willkommen in der Mini-Mania. Da fragt man sich doch: Verstehen Sie Spaß?

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

Okay, der BMW gewinnt. Verdient, vielseitig, basta. Doch mein Sieger der Herzen heißt Mini. Eben weil er die kleine, direkte und gelungen modische Fahrmaschine geblieben ist. Der Cooper S geht sofort ins Blut, der neue Turbo überzeugt in jeder Lebenslage. Erstaunlich, wie brav und komfortbetont der Kleine den sonst so sportlichen BMW aussehen lässt. Ein 1er mit dem Mini-Motor – wetten, dass BMW daran arbeitet?

Autor: Joachim Staat

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