Test Mitsubishi Colt

Mitsubishi Colt Mitsubishi Colt

Test Mitsubishi Colt

— 11.11.2008

Neuer Colt für alle Fälle

Mitsubishi legt den Colt neu auf – und das Graue-Maus-Image wohl endgültig ab. Gute Verarbeitung, cleveres Raumkonzept, sparsame Motoren – so lautet der erste Eindruck von AUTO BILD.

Jede Krise hat auch seine Gewinner. Während den Herstellern schluckfreudiger Schlachtschiffe scharenweise die Kunden weglaufen, entpuppt sich das so genannte B-Segment – also die Polo-Klasse - mehr und mehr als Profiteur der allgemeinen Finanzmisere. Kein anderes Segment wächst derzeit schneller. Mittendrin in dieser angesagten Klasse tummeln sich Kleinwagen, die wir irgendwie gar nicht mehr auf der Rechnung haben. Polo, Corsa, Fiesta, Fabia - alles Typen, die ständig im Rampenlicht stehen. Aber sagt Ihnen der Mitsubishi Colt noch was? Ja, kennt man, schon mal gehört, aber wie sieht der eigentlich noch aus? Der Colt schießt seit Längerem irgendwie ins Leere, trifft auf jeden Fall nicht unser Bewusstsein, wenn es um Kleinwagen geht. Dabei ist der kleine Japaner keineswegs ein so graues Mäuschen, wie wir denken.

Ab 15. November steht der Colt beim Händler

Die Basis der neuen Colt-Familie ist der 1.1 Benziner als Dreitürer mit 75 PS. Preis: ab 9900 Euro.

Seit 1978 hat Mitsubishi immerhin 370.000 Colt in Deutschland verkauft, das aktuelle, vor vier Jahren eingeführte Modell bringt es immerhin auf 77.000 Verkäufe – und ist damit der erfolgreichste Colt aller Zeiten. Zudem ständig ganz vorne im TÜV-Report, aktuell die Nummer eins in der ADAC-Pannenstatistik 2008. Und trotzdem ist er irgendwie aus dem aktuellen Blickfeld gefahren. "Wir müssen wieder auf die Shopping-Liste der Käufer kommen" sagt Deutschland-Geschäftsführer Martin van Vugt. Dafür soll nun der neue Colt sorgen, der ab dem 15. November zum Händler kommt.  Der neue Colt ist freilich kein ganz neues Modell. Mitsubishi nennt es die nächste Generation Colt. Aber wenn VW beim Golf von einem neuen Modell redet, darf Mitsubishi das schon lange. Immer 65 Prozent aller Teile wurden laut Mitsubishi erneuert. Beim Golf waren es nur 60 Prozent, erklärt uns van Vugt fast schon entschuldigend.

Schicke Schnautze und neue, dezentere Rückleuchten

Speerspitze des Kleinwagens ist der Colt Ralliart mit turbo-aufgeladenen 150 PS. Der 1.5 Benziner stammt vom Vorgänger CZT.

Wer den Colt, der nach wie vor im holländischen Werk Born gebaut wird, das erste Mal live sieht, dem fällt vor allem die neue Front auf. Mit dem Jetfighter-Grill im Stile des aktuellen Lancers konkurriert Mitsubishi mittlerweile mit Audi um den Titel des größten "Maulhelden". Aber, ehrlich, das sieht gar nicht so schlecht aus, vor allem aber moderner und nicht mehr so verwechselbar wie vorher. Hinten haben Drei- und Fünftürer neue Rückleuchten erhalten, ansonsten blieb die Karosserie unangetastet. Insgesamt wächst der neue Colt um sieben Zentimeter (Fünftürer 3,94 m, Dreitürer 3,88 m), was ausschließlich der voluminöseren Front geschuldet ist, die nun den aktuellen Bestimmungen zum Fußgängerschutz Rechnung trägt.

Drinnen bemüht sich der Polo-Konkurrent um mehr Schick und mehr Qualität. In dieser Klasse, wo um jeden Euro gekämpft wird, kein ganz leichtes Unterfangen. Neue, offenbar hochwertigere Materialien signalisieren zumindest: das ist ein Typ, der nicht aus ganz ärmlichen Verhältnissen kommt. Auch die neuen Armaturen, mit nun zwei Rundinstrumenten statt einem und die weniger verspielte Mittelkonsole gefallen jetzt deutlich besser. Eingespart wurde weiter hinten. Hatte der Colt bislang herausnehmbare Rücksitze, so verzichtet Mitsubishi fortan auf dieses Gimmick. "Das hat scheinbar ohnehin kaum ein Kunde genutzt" zitiert Martin van Vugt eigene Kunden-Befragungen. Stattdessen kann man nun beim Fünftürer (bis auf das Modell Ralliart ) Rücksitzlehnen und Beifahrersitz komplett zu einer flachen Ebene umlegen, und beim IKEA-Einkauf Pakete bis zu einer Länge von 2,20 Meter einladen. Überhaupt ist das maximale Ladevolumen von 854 Litern auf nun stattliche 1032 Liter angewachsen. Minimal passen beim Fünftürer 186 Liter rein, vorher waren es 168 Liter. (Dreitürer: 160 und 900 Liter, vorher 147 und 757 Liter).

Neuer CZT heißt jetzt auch Ralliart – 150 PS inklusive

Da geht was rein: Der Fünftürer schluckt Pakete bis zu einer Länge von 2,20 Meter. Maximales Ladevolumen: stattliche 1032 Liter.

Kurze Modellübersicht: Drei Ausstattungslinien, Inform, Invite und Intense. Das Basismodell kommt mit vier Airbags, ESP und Kopfairbags gibt’s hier im Paket gegen Aufpreis, im Invite ist das alles Serie. Drei Motoren gehen an den Start, alles Benziner. Los geht`s mit dem 1,1 Liter-Dreizylinder (75 PS, ab 9900 Euro), es folgt der 1,3 Liter-Vierzylinder mit 95 PS (ab 12.490 Euro) und ganz oben zündet der 150 PS starke Colt Ralliart (bislang verkauft als CZT ) seinen Turbo für 18.990 Euro. Auf Diesel verzichtet Mitsubishi fortan komplett. Das macht bei einem Anteil von gerade mal neuen Prozent (europaweit 13 Prozent) Sinn. Zudem müsste der von Mercedes zugekaufte Diesel – ehemals für den Technik-Zwilling Smart forfour entwickelt – fit für Euro 5 gemacht werden. Zu teuer. Lohnt nicht. Was lohnen dürfte, ja sogar dringend notwenig ist, sind die ClearTec-Modelle, die im Frühjahr für 500 Euro Aufpreis folgen sollen. Mit Start-Stopp-Automatik, Leichtlaufreifen und Bremsenergie-Rückgewinnung sollen sie bei den beiden kleinen Benzinern die nicht gerade vorbildlichen CO2-Werte auf 115 g/km (von 130 g/km) respektive 119 g/km (von 143 g/km) senken.

Anständiger kleiner Bursche mit genügend Komfort

Sehen Sie selbst, was sich alles an der Front verändert hat: Rechts alt, links neu.

Von der Theorie zur Praxis. Die erste Ausfahrt im künftigen 95 PS-Volumenmodell zeigt, was wir bislang schon wussten: der Colt ist ein ganz anständiger kleiner Bursche. Die Motorleistung reicht dicke für den 940 Kilo-Mini. Lenkung, Schaltung und Fahrwerk wurden kaum angerührt. Warum auch? Der Komfort stimmt, die knackige Fünfgang-Schaltung mit kurzen exakten Wegen ist eine der Besten in dieser Klasse, die elektrische Lenkung steuert einen jederzeit nachvollziehbaren Kurs. Auffällig ist, wie leise der Japaner geworden ist. Auf Nachfrage bestätigen die Techniker, dass Mitsubishi hier besonders viel Arbeit und Geld investiert hat. Offensichtlich ist der neue auch sorgfältiger zusammengebaut. Das wirkte beim Vorgänger nicht immer wirklich überzeugend. Der von uns gefahrene Colt machte qualitativ jedenfalls einen durchaus soliden Eindruck. Hoffentlich bleibt das auch so. 13.000 Colt will Mitsubishi nächstes Jahr an deutsche Kunden ausliefern. Helfen sollen dabei kleine Willkommensgrüße. Sonderfinanzierungen oder Übernahme der Versicherungsprämie für ein Jahr sind im Gespräch. "Wir lassen uns was einfallen" verspricht van Vugt.  Muss Mitsubishi auch. Schon damit der Colt wieder unser Bewusstsein trifft.

Autor: Tomas Hirschberger

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