Test Mitsubishi i

Fahrbericht Mitsubishi i Fahrbericht Mitsubishi i

Test Mitsubishi i

— 05.01.2007

Wollen wir den Japan-Smart?

Das Gesicht kennen wir. Aber dieser Mitsubishi ist neu, größer, smarter als das Original. Trotzdem ist offen, ob er zu uns kommt.

Soll man? Oder besser nicht? Mitsubishi zweifelt, zögert, zaudert. Sollen sie den i zu uns bringen? Würden die Europäer Japans "Auto des Jahres" kaufen? In England starten sie ab Mitte 2007 einen vorsichtigen Test und wollen rund 300 rechtsgelenkte i importieren – als modischen Hightech-Sparer. Klar, dass wir das erste Exemplar auf der Insel anschnuppern mussten.

Gut gemacht: Vier Türen und vier echte Sitzplätze auf nur 3,40 Meter.

Den Namen i spricht man "ai" aus. Aber eine innere Stimme sagt sofort: Smart! Kurze Blechnase, lächelnde Scheinwerfer, Motor hinten – ein Smart! Aber ehrlich, solche eurozentrierten Vergleiche tun dem Japaner Unrecht. Denn der i mit Alurahmen, Turbomotor und Heckantrieb ist ein technisches Leckerchen unter den Kleinen. Fast smarter als der Smart. Das beginnt schon damit, dass er vier echte, geräumige Plätze hat. Und vier Türen, die den Schwung der Seitenlinie so gelungen fortsetzen, dass man unwillkürlich denkt: "So hätte der Smart als Viersitzer aussehen müssen." Der hat Potenzial als Szenetyp.

Auch der Mitsubishi fährt vorn nur Knautschzone und Batterie spazieren, das kompakte Motörchen duckt sich mitsamt der Vierstufenautomatik unter einer Klappe im Kofferraum. Sein 660 Kubik großer Dreizylinder-Benziner, mit Turbo für lebendige 64 PS gut, treibt die Hinterräder an. Der Heckantrieb wurde ja mit Fiat 500 und Käfer eingemottet, weil das gefährliche Heckschleudern waren. Mitsubishi gräbt das alte Prinzip wieder aus, um Raum zu schaffen. Im i rücken die Achsen spektakuläre 2,55 Meter auseinander (Toyota Aygo mit Frontantrieb: 2,34 Meter).

Selbst 1,87 Meter große Menschen passen auf die Fondbank des "ai".

Dieser Radstand schafft Platz und Komfort fast wie in einem Kompakten. Vorn rückt die Windschutzscheibe so weit weg wie im Van, hinten passen selbst meine 1,87 Meter ohne Kneifen auf die kurzen Sesselchen. Dazu das hohe Dach – hier lässt’s sich leben. Na ja, fast. Wäre da nicht die klaustrophobische Enge an den Schultern. Als Kei-Car, so heißen die in Japan beliebten Sparautos, darf der Mitsubishi außen maximal 1,48 Meter breit sein. Dagegen wirkt ein Aygo mit reifen 1,62 Metern doch viel erwachsener.

Sein Revier ist die City. Hier wuselt der i mit schlanken neun Meter Wendekreis den anderen zwischen den Beinen durch. Die Automatik schaltet viel sanfter als die ruckelige im Smart. Eine Wandlerautomatik ist doch komfortabler als sequenzielle Schaltung. Daran werden wir den neuen fortwo (Debüt im April) messen.

Ja, wo isser denn? Der 64 PS starke Turbo drängt sich unter einer Klappe im Heck zusammen.

Das laufruhige Turbopaket im Heck weckt gar keine Sehnsucht nach dem größeren Einliter, den Mitsubishi ankündigt und der auch im Smart kommen wird. Dieser Mini-Motor reicht! So sind entweder abgeregelte 90 Meilen, also 145 km/h, möglich oder bei einem leichten Gasfuß rund viereinhalb Liter Verbrauch. Mit nur 120 Milligramm CO2-Ausstoß pro Kilometer könnte der Viersitzer zum Beispiel Londons City-Maut unterlaufen. Auf der Insel ein Knaller – damit kann er sich drüben sämtliche Reklametafeln sparen. Falls der i überhaupt kommt. Denn die Japaner zögern mit der Entwicklung einer Linkslenker-Version. Der schnelle Tod des viersitzigen Smart forfour, der zu teuer war, zeigt: Bei preissensiblen Kleinen ist die Schraube schnell überdreht.

Ein Schicksal, das auch dem i drohen könnte. Der kostet in England mit allen Schickimicki-Extras 9000 Pfund, rund 13.500 Euro. Den Viersitzer mit einem Alugerüst statt aus Blech zu bauen, ist halt teuer. Und aufwendig bei der Reparatur. Das hat sich schon beim Audi A2 nicht bezahlt gemacht. Zudem hat der i nur zwei Airbags, ESP fehlt ganz. Wie der Hecktriebler mit seiner kitzligen Gewichtsbalance (45 Prozent vorn, 55 Prozent hinten) wohl im Elchtest reagiert? In Deutschland müsste ein nackter Basis-i für unter 10.000 Euro gegen Aygo (8950 Euro) oder Citroën C1 für 8976 Euro antreten. Da wird es eng, auch für ein so schmales Ei.

Technische Daten Mitsubishi i • Dreizylinder-Motor, hinten quer • Turbolader mit Ladeluftkühler • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 660 cm³ • Leistung 47 kW (64 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 93 Nm bei 3000/min • Hinterradantrieb •

AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat glaubt allenfalls an einen Achtungserfolg des Mitsubishi i.

Vierstufenautomatik • McPherson-Federbeine vorn/De-Dion-Achse hinten • Scheibenbremse vorne/Trommelbremse hinten • Reifen 145/65 R 15 vorn/175/55 R15 hinten • L/B/H 3395/1475/1600 mm • Radstand 2550 mm • Spitze 145 km/h • Preis ca. 13.500 Euro

Fazit von Joachim Staat

Ein Kleinwagen mit Alu-Bauweise und Heckantrieb – das verdient Respekt. Macht den i aber auch teuer und exotisch. Genau das könnte dem Durchbruch im Wege stehen. Mehr als ein Achtungserfolg ist wohl nicht drin.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.