Test Mitsubishi Lancer
— 08.11.2007Irgendwie besonders?
Der Mitsubishi Lancer hatte bisher ein ähnliches Image wie ein Silit-Dampfkochtopf: unspektakulär, aber zuverlässig und von nachhaltiger Qualität. Jetzt soll er zum Sportler mutieren und neue Konkurrenten schrecken.
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Zu träge scheint die Beschleunigung des 1,8-Liter-Motors, das maximale Drehmoment von 178 Newtonmeter bei 4250/min ist nicht üppig genug, um den auf immerhin 4,53 Meter gestreckten Lancer in sportliche Bahnen zu lenken. Der "Weltmotor" aus der Kooperation mit Hyundai und Chrysler braucht Drehzahl, um in Schwung zu kommen. Unter 4000 Umdrehungen geht wenig, auch wenn 204 km/h Höchstgeschwindigkeit und 9,8 Sekunden bis zur 100-km/h-Marke erstmal gut klingen. Dann aber wird es laut und der Verbrauch bei flotter Fahrt geht in Richtung Elf-Liter-Marke. Das Fahrwerk in der zweitniedrigsten Ausstattungsstufe Invite ist auf Komfort getrimmt und lässt sportliche Ambitionen weitgehend vermissen. Dazu kommt eine teigige Lenkung. Nicht stilprägend sind verwendete Hartplastik des Armaturenträgers und lieblos verlegter Billigfilz im Kofferraum. Einen Ausgleich schafft Mitsubishi mit bequemen Sitzen vorn und ordentlich Platz auch im Fond. Der Kofferraum ist mit 400 Litern erträglich groß.
Der Diesel läuft rauh, zieht aber kräftig
Sportlich wird es ab der Intense-Ausstattung und in Verbindung mit dem von VW zugelieferten TDI mit 140 PS. Der klingt zwar immer noch wie ein Traktor und ist trotz aller Versuche zur Lärmdämmung kein Leisetreter, aber er dreht konsequent und verbraucht wenig. 6,4 Liter trotz der schnellen Durchquerung sardischer Serpentinen sind ein akzeptabler Wert. Wer allerdings die modernen Selbstzünder von VW oder BMW bewegt hat, weiß, dass hier ein etwas antiquierter Motor werkelt. Die 18-Zoll-Räder (sonst 16 Zoll) und das straffere Fahrwerk machen den Lancer zum echten Kurvenjäger, der nur mit Mühe an seine Grenzen zu bringen ist. Auf der Autobahn reicht es im sechsten Gang immerhin für Tempo 207, bereits ab Tempo 100 schlucken die Windgeräusche das Dröhnen des Motors. Leise ist anders. Man darf sich schon jetzt auf den Zweiliter-Turbo mit 240 PS freuen, den Mitsubishi im kommenden Jahr nachschiebt und der die doch beträchtliche Leistungslücke zum neuen Evo mit knapp 300 PS füllen soll. Der "Ralli-Art" genannte Sportler kommt mit gewaltigem Kühlergrill à la Audi und sieht nochmal deutlich aggressiver als der "normale" Lancer aus.ANZEIGE
Fazit: Für Mitsubishi ist der neue Lancer ein optischer Quantensprung. Aber der Kunde muss das Wachstum in jeder Hinsicht auch mit höheren Preisen bezahlen. Dank des Fließhecks wird der Japaner seinen Weg machen. Das "irgendwie besonders" allerdings sucht man vergebens.
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