Test Mitsubishi Lancer

Mitsubishi Lancer Mitsubishi Lancer

Test Mitsubishi Lancer

— 08.11.2007

Irgendwie besonders?

Der Mitsubishi Lancer hatte bisher ein ähnliches Image wie ein Silit-Dampfkochtopf: unspektakulär, aber zuverlässig und von nachhaltiger Qualität. Jetzt soll er zum Sportler mutieren und neue Konkurrenten schrecken.

"Früher waren die Autos von Mitsubishi verlässlich – aber langweilig", so lautet das überraschende Eingeständnis von Daniel Nacass, dem Europa-PR-Chef von Mitsubishi. "Das soll sich jetzt ändern." Die Japaner haben sich in der Tat viele Gedanken gemacht, wie der neue Lancer gegen wen und warum platziert wird. Konkurrenten sind nun nicht mehr Opel Astra oder Ford Focus, sondern Alfa 159 und Volvo S40, vielleicht auch noch Mazda3. Dabei will Mitsubishi aber keine neue Premium-Marke werden, sondern "verdammt viel Auto fürs Geld bieten" und "irgendwie besonders" sein. Das hört sich alles schwer definierbar an. Und schwer ist auch eine Definition des Lancer. Optisch gewinnt er im Vergleich zum biederen Vorgänger ungemein dank Haifischmaul, hoher Schulterlinie oder scharf gezeichneter Scheinwerfer. Die Anleihen bei den genannten Mitbewerbern sind offensichtlich, der Mitsubishi könnte auch Alvo oder Volfa heißen. Wer aber dann den Basis-Benziner mit 143 PS bewegt, fragt sich, warum der Lancer als Sport-Limousine bezeichnet wird.

Kein Leisetreter: Der von VW zugelieferte TDI mit 140 PS klingt immer noch wie ein Traktor.

Zu träge scheint die Beschleunigung des 1,8-Liter-Motors, das maximale Drehmoment von 178 Newtonmeter bei 4250/min ist nicht üppig genug, um den auf immerhin 4,53 Meter gestreckten Lancer in sportliche Bahnen zu lenken. Der "Weltmotor" aus der Kooperation mit Hyundai und Chrysler braucht Drehzahl, um in Schwung zu kommen. Unter 4000 Umdrehungen geht wenig, auch wenn 204 km/h Höchstgeschwindigkeit und 9,8 Sekunden bis zur 100-km/h-Marke erstmal gut klingen. Dann aber wird es laut und der Verbrauch bei flotter Fahrt geht in Richtung Elf-Liter-Marke. Das Fahrwerk in der zweitniedrigsten Ausstattungsstufe Invite ist auf Komfort getrimmt und lässt sportliche Ambitionen weitgehend vermissen. Dazu kommt eine teigige Lenkung. Nicht stilprägend sind verwendete Hartplastik des Armaturenträgers und lieblos verlegter Billigfilz im Kofferraum. Einen Ausgleich schafft Mitsubishi mit bequemen Sitzen vorn und ordentlich Platz auch im Fond. Der Kofferraum ist mit 400 Litern erträglich groß.

Der Diesel läuft rauh, zieht aber kräftig

Der Armaturenträger aus Hartplastik zeugt von wenig Stil.

Sportlich wird es ab der Intense-Ausstattung und in Verbindung mit dem von VW zugelieferten TDI mit 140 PS. Der klingt zwar immer noch wie ein Traktor und ist trotz aller Versuche zur Lärmdämmung kein Leisetreter, aber er dreht konsequent und verbraucht wenig. 6,4 Liter trotz der schnellen Durchquerung sardischer Serpentinen sind ein akzeptabler Wert. Wer allerdings die modernen Selbstzünder von VW oder BMW bewegt hat, weiß, dass hier ein etwas antiquierter Motor werkelt. Die 18-Zoll-Räder (sonst 16 Zoll) und das straffere Fahrwerk machen den Lancer zum echten Kurvenjäger, der nur mit Mühe an seine Grenzen zu bringen ist. Auf der Autobahn reicht es im sechsten Gang immerhin für Tempo 207, bereits ab Tempo 100 schlucken die Windgeräusche das Dröhnen des Motors. Leise ist anders. Man darf sich schon jetzt auf den Zweiliter-Turbo mit 240 PS freuen, den Mitsubishi im kommenden Jahr nachschiebt und der die doch beträchtliche Leistungslücke zum neuen Evo mit knapp 300 PS füllen soll. Der "Ralli-Art" genannte Sportler kommt mit gewaltigem Kühlergrill à la Audi und sieht nochmal deutlich aggressiver als der "normale" Lancer aus.

Weit wichtiger für Mitsubishi wird aber die Einführung des Fließhecks, das "Sports Wagon" heißen wird und etwa 70 Prozent der Verkäufe in Deutschland ausmachen soll. Der Fünftürer erinnert von hinten ein wenig an einen Audi mit einem Schuss BMW X6 und kommt auch mit einem 1,6-Liter-Ottomotor mit 110 PS. Das drückt den Preis und soll vor allem weniger konservative Kunden locken. Im Spätsommer 2008 rollt er zu den Händlern. Der Kombi, sonst in Deutschland eine beliebte Variante, fällt künftig weg. Verkaufen wird Mitsubishi den Lancer weiter über den Preis. 19.250 Euro rufen die Händler ab November für die Basis "Inform" auf. Die Ausstattung ist üppig: neun Airbags, ESP, ABS, elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung, Klimaanlage oder CD-Radio sind stets vorhanden. Der Diesel kostet 2240 Euro mehr. Der wirkliche Fahrspaß beginnt in der Linie Intense, die aber mindestens 22.250 Euro kostet und neben den 18-Zoll-Rädern ein 650-Watt-Audiosystem, Licht- und Regensensoren oder Nebelscheinwerfer mitbringt. Nobel wird es im Top-Modell Instyle mit Lederbestuhlung, Bi-Xenon-Scheinwerfern samt Kurvenlicht und einem Touchscreen-Navi mit 30-Gigabyte-Festplatte. Das liest auf Wunsch die eigenen CDs ein und speichert sie ab. Dann kostet der Lancer mindestens 25.750 Euro. Klingt nicht nach wenig, ist aber verdammt viel Auto fürs Geld.

Fazit: Für Mitsubishi ist der neue Lancer ein optischer Quantensprung. Aber der Kunde muss das Wachstum in jeder Hinsicht auch mit höheren Preisen bezahlen. Dank des Fließhecks wird der Japaner seinen Weg machen.  Das "irgendwie besonders" allerdings sucht man vergebens.

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