Test Mitsubishi Lancer Evolution IX

Mitsubishi Lancer Evolution IX Mitsubishi Lancer Evolution IX

Test Mitsubishi Lancer Evolution IX

— 23.01.2006

Die unendliche Geschichte

Feinschliff im Detail: Der Mitsubishi Lancer Evolution IX leistet endlich wieder 280 PS. Darüber hinaus hat sich nicht viel verändert – zum Glück!

Fahrleistungen und Preis

Diese Stille, himmlisch: kein Gepiepse, kein Gebimmel, kein Geschnarre. Herrlich. Endlich mal wieder ein Auto, das seine Besatzung nicht mit akustischem Terror nervt. Sogar bei nicht angelegtem Gurt bleibt der Mitsubishi Lancer Evolution IX stumm. Selbstverständlich gilt auch für uns: Erst gurten, dann starten. Trotzdem ist es schön, im 21. Jahrhundert einem Auto zu begegnen, das sich jegliche Bevormundung seiner Besatzung verkneift. Auch darüber hinaus pfeift der Evo IX auf alle Trends und fährt unbeirrt weiter auf dem Pfad der Tugend, den seine acht Vorgänger gelegt haben.

Der streng puristische Innenraum – geblieben. Die tadellos ablesbaren Instrumente in feuerroter Schrift – geblieben. Der monströse Flügel mit bedenklich hohem Proll-Faktor – geblieben (Ausstattungsumfang Sportpaket). Die ansonsten schlichte, der Funktionalität verpflichtete Form – geblieben. Kein ESP, sondern vollstes Vertrauen in bewährte Rallyetechnik – geblieben. Nur Details verraten den Nachfolger: die behutsam aufgefrischte Front, der Heckdiffusor, das Aluminiumdach und die vorzüglichen Alcantara/Leder-Recaros. Zudem hat Mitsubishi das Turbo-Triebwerk mit einer variablen Ventilsteuerung und einem neu abgestimmten Lader versehen. Resultat: 280 statt 265 PS.

Damit leistet die Nummer neun endlich wieder soviel wie der Vorvorgänger Evo VII – und erfüllt trotzdem die Schadstoffnorm Euro 4. Fast möchte man den altbekannten Spruch ausweiten: Nicht nur Porsche-, nein, auch Mitsubishi-PS zählen ab sofort doppelt. Denn was die 280 PS und 355 Newtonmeter Drehmoment anrichten, ist fast unbeschreiblich. Ist das Turboloch überwunden, reißt der plötzliche Schub die Besatzung in ein Beschleunigungsinferno, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Technische Daten und Fazit

Seltsamerweise verfehlt unser Testwagen trotzdem die Werksangabe: Er verschließt sich nämlich allen Versuchen, mit mehr als 2000 Umdrehungen anzufahren. Das schont zwar die Kupplung. Die versprochenen 5,7 Sekunden packt der Evo IX damit jedoch nicht – wir messen 6,5 Sekunden. Auch die erzielen nur engagierte Piloten – das knorrige Getriebe verlangt vollen Einsatz. Dafür passen die Anschlüsse perfekt. Außerdem stehen endlich sechs Gänge zur Verfügung. Wer spekuliert, das gesunkene Drehzahlniveau würde den Verbrauch mindern, irrt jedoch. Der von uns angegebene Verbrauchswert (13,1 Liter Super plus) macht zwar Hoffnung, unbeherrschte Gasfüße drücken die Reichweite trotzem locker auf weniger als 200 Kilometer.

Dafür macht jeder gefahrene Meter unvergleichlichen Spaß: Die unglaublich direkte Lenkung sucht ihresgleichen. Sie scheint Richtungsänderungen zu erahnen, so willig setzt sie jeden Befehl des Fahrers um. Auf der Rennstrecke nehmen wir das Handling unter die Lupe. Das aufwendige Fahrwerk hat Mitsubishi fast unverändert vom Vorgänger übernommen. Nur die optionalen Bilstein-Stoßdämpfer (ebenfalls im Sportpaket enthalten) kommen erstmalig zum Einsatz. Sie bewirken, daß der Evo IX noch gieriger um Kurven zoomt.

Selbst bei üppigem Lenkeinschlag reagiert das Auto auf abrupte Gasstöße weder mit Über- noch Untersteuern, sondern hält stur die Spur. Die elektrohydraulische Steuerung von Mittel- und Hinterachsdifferential verteilt die Kraft stets optimal an alle vier Räder. Selbst bei nasser Straße scheint sich der Lancer förmlich in den Asphalt zu verbeißen. Bange stellt sich der Fahrer angesichts der Möglichkeit von ungeheuerlichen Kurvengeschwindigkeiten die Frage: Kann das gutgehen? Oder verschleißen die Reifen im Zeitraffer? Tun sie nicht – die Bridgestone-Pneus stecken alle Anforderungen entspannt weg. Jubeln ist also erlaubt – auch wenn es die besinnliche Stille ein bißchen stört.

Fazit Auch in der neunten Auflage hat der Mitsubishi Evolution nichts von seinem archaischen Charme verloren – das Handling ist sensationell, die Kraftentfaltung explosiver denn je. Altbekanntes Manko: der hohe Spritdurst. Unterm Strich gilt trotzdem: Kaufen – fahren – freuen.

Autor: Ben Arnold

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