Test Mitsubishi Outlander

Mitsubishi Outlander 2.0 DI-D Mitsubishi Outlander 2.0 DI-D

Test Mitsubishi Outlander

— 18.12.2006

Sushi mit Sauerkraut

Der bisherige Mitsubishi Outlander sah gegen RAV4 & Co kein Land. Beim Nachfolger soll das anders werden – mit einem 140-PS-TDI von VW.


Mitsubishis Angebot in der Klasse der kompakten Mittelklasse-SUV, der Outlander, blieb in seiner ersten Modellgeneration eher ein Outsider – jedenfalls hierzulande. Nicht nur das gewöhnungsbedürftige Design und das unangemessen holperige Fahrwerk hemmten den Verkaufserfolg, sondern vor allem die Motorisierung: Ohne Diesel, befanden die deutschen Käufer, hat ein SUV keine Chance.

Ein Multifunktionslenkrad gibt's bei drei von vier Ausstattungsvarianten.

Doch im Sortiment von Mitsubishi gab es nichts Passendes für den Outlander; Geld für eine Eigenentwicklung rückte der damalige Mitsubishi-Großaktionär DaimlerChrysler nicht heraus und geeignete Mercedes-Motoren gab es ebenfalls nicht. Immerhin bewilligte DaimlerChrysler der zeitweise kränkelnden japanischen Konzerntochter den Ankauf von Fremdmotoren für den Outlander der zweiten Generation. Die Wahl fiel auf den bewährten Zweiliter-Turbodiesel von Volkswagen. Warum nicht gleich ein Peugeot-Motor, wo es doch auch Peugeot- und Citroën-Versionen des Outlander mit französischen Motoren und modifiziertem Vorderwagen geben wird? Ganz einfach: Die Lieferverträge mit VW wurden schon vor Beginn der 2005 vereinbarten Kooperation von Mitsubishi mit der französischen PSA-Gruppe geschlossen.

Als hypermoderne Konstruktion kann der VW-Vierzylinder mit seiner Pumpedüse-Einspritzung im Common-Rail-Zeitalter nicht mehr gelten. Unglücklich braucht man aber über den deutschen Motor unter der japanischen Haube dennoch nicht zu sein. Zwar macht er speziell nach dem Kaltstart auf sich aufmerksam, doch das Nageln gibt sich im warmen Zustand weitgehend. Zudem ist sowohl die Geräusch- als auch die Schwingungsdämpfung gut geglückt, sodass die Laufkultur durchaus befriedigt. Beim Anfahren ist etwas Gefühl im Kupplungsfuß nötig. Dann zieht der langhubige Vierzylinder aber schon bei Leerlaufdrehzahl tapfer an. Verwertbarer Ladedruck wird ab 1500/min spürbar, dann geht es munter vorwärts. Die vom Werk angegebenen 10,8 Sekunden für den Sprint auf 100 sind glaubhaft. Der Schalthebel flutscht mühelos durch die sechs Gänge. Vorerst ist der VW Diesel die einzige Motorisierung, ein 2,4-Liter-Benziner wird folgen.

Film beim Fahren: Der DVD-Player kann optional geordert werden.

Offenbar eine Menge Gedanken machten sich die Mitsubishi-Entwickler über den geräumigen Innenraum. Er bietet für die Fahrzeugklasse überzeugend viel Platz. Ungewöhnlich für ein mit 4,64 Metern noch recht kompaktes Auto ist die dritte Sitzreihe. Sie wird bei den beiden höchsten der insgesamt vier Ausstattungsversionen (Grundpreis bis 35.190 Euro) serienmäßig mitgeliefert und lässt sich vollständig unter den Laderaumboden versenken – dorthin, wo die fünfsitzigen Versionen ein großes Staufach haben. Die Bedienung der Zusatzbank über drei verschiedene Zugschlaufen ist zunächst etwas hakelig und verwirrend. Wenn man aber die rätselhaften Anleitungspiktogramme ignoriert und die Schlaufen einfach der Reihe nach durchprobiert, hat man es schnell raus und freut sich, dass die Bank mit jeweils vier Handgriffen flott aufgebaut und wieder versenkt ist. Sitzen können in der dritten Reihe Personen bis 1,75 Meter leidlich, wenn die verschiebbare zweite Sitzreihe nach vorne gerückt wird.

Pfiffig ist die automatische Vorklappeinrichtung für die asymmetrisch geteilte Rückbank: Per Fingertipp vom Kofferraum aus faltet sie sich zusammen und gibt einen respektablen Laderaum frei. Nicht wirklich überzeugt hat uns die geteilte Heckklappe. Im Normalfall macht man nur die obere Klappe auf, muss dann aber das Gepäck über eine recht hohe Ladekante hieven. Für schweres Ladegut kann man das Unterteil nach unten klappen. Beeindruckende Fortschritte beim Fahrkomfort gegenüber dem Vorgänger brachte das neue Fahrwerk mit weitaus gekonnterer Abstimmung. Auch mit den etwas steif abrollenden 18-Zöllern der gehobenen Ausstattungsversionen bleiben die Insassen vor trockenen Schlägen verschont. Das Fahrverhalten ist handlich und sicher, aber nicht betont sportlich: Im Zweifelsfall strikt untersteuernd lässt sich der Outlander einfach beherrschen. Im Notfall greift das stets serienmäßige, bei Mitsubishi MASC genannte ESP sanft, aber wirkungsvoll ein.

Etikettenschwindel: Dieser Mitsubishi DI-D ist eigentlich ein VW TDI.

Nur knapp Durchschnittliches vollbringt der Neue im Gelände. Vor allem die mit 178 Millimetern eher knappe Bodenfreiheit lässt ihn auf ausgefahrenen Wegen gelegentlich aufsetzen; immerhin sorgt die in das MASC-System integrierte Schlupfregelung mit Bremseneingriff für Fortkommen, wenn die kurzen Federwege am Ende sind und ein Rad abhebt. Zweckmäßig ist es dabei, wenn man den Antriebswahlschalter auf "Lock" dreht und damit eine starre Verbindung zwischen den Achsen herstellt. Dass man den in klassenüblicher Manier über eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung arbeitenden Allradantrieb auch ganz abschalten kann, hat primär Wartungsgründe: Schon auf der Straße ist der reine Frontantrieb mit den 310 Nm des Diesels überfordert – die Antriebseinflüsse auf die Lenkung erzeugen dann ein unbefriedigendes, recht zappeliges Lenkgefühl.

Technische Daten Mitsubishi Outlander 2.0 DI-D 4-Zyl.-Reihen-Turbodiesel, vorne quer • el. gest. Pumpedüse-Direkteinspritzung • 4 Vent./Zyl. • 1968 cm³ • 103 kW (140 PS) bei 4000/min • 310 Nm bei 1750/min • perm. Allradantrieb, el. gereg. Lamellenkuppl. man. sperrbar, Heckantrieb abschaltbar • 6-Gang-Schaltgetr. o. Geländeunters. • Einzelradaufh., Schraubenfed. v./h.• Scheibenbremsen v./h., v. innenbel. • Reifen 215/70 R 16 od. 225/55 R 18 • L/B/H 4640/1800/1680–1720 mm • Radst. 2670 mm • Leergew. 1655–1690 kg • 5 (7) Sitze • Tankinh. 60l • Normverbrauch 6,8l/100 km Diesel • Beschl. 0–100 km/h in 10,8 s • Spitze 187 km/h • Preis mit 19 % MwSt.: 28.990 Euro

Autor: Thomas Rönnberg

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.