Test Mittelklasse-Kombis mit Diesel

Ford Mondeo Tunier – Opel Vectra Caravan – VW Passat Variant Ford Mondeo Tunier – Opel Vectra Caravan – VW Passat Variant

Test Mittelklasse-Kombis mit Diesel

— 19.06.2007

Wer ist der beste Gepäckträger?

Deutschland ist Kombi-Land. Mit dem Mondeo startet Ford einen Angriff auf die Rivalen VW Passat und Opel Vectra. Kann er auch gewinnen?

Technische Daten und Preise

Waren das einst mondäne Zeiten: Man verreiste erster Klasse mit der Dampfeisenbahn, Frauen trugen Hut zum Kostüm, und ein eifriger Herr in Uniform buckelte das Gepäck über den Bahnsteig. Lange her. Wer heutzutage mit der Bahn reist, sitzt im überfüllten Großraumwagen – und muss vor allem seine Koffer selbst schleppen. Aber nur vom Gleis bis auf den Parkplatz. Denn da warten die modernen Gepäckträger – mit dicken Diesel-Muskeln und perfekt sitzenden Kombi-Uniformen.

Angreifer aus Köln: Der Mondeo Tunier will die Mittelklasse aufmischen.

So wie der neue Mondeo Turnier, der seit 16. Juni 2007 beim Ford-Händler steht. Als 2.0 TDCi ist er 140 PS stark, trägt dazu einen besonders elegant geschnittenen Sportanzug. Was für eine stattliche Erscheinung: Mit 4,83 Meter Länge und 1,89 Meter Breite sprengt er das klassenübliche Format – und ist sogar länger als der alte Scorpio, der es auf 4,75 Meter brachte. Sein härtester Konkurrent ist ein alter Profi im Transportgeschäft: der VW Passat Variant. Mit einem 2.0-TDI-Motor bringt es der Wolfsburger ebenfalls auf 140 PS. Bereits sein tadelloser Ruf prädestiniert ihn für gehobene Transportaufgaben: Das neutrale Passat-Image passt in alle Lebenslagen. Opels größter Kombi ist der Vectra Caravan, der als 1.9 CDTI mit 150 PS auftrumpft. Er hat das ideelle Erbe des verblichenen Omega Caravan angetreten – das verpflichtet: Sein Laderaum scheint geradezu um eine Ladung Reisegepäck zu betteln.

In diesem Diesel-Dreikampf ist eine Frage besonders spannend: Kann der neue Mondeo seinen Sieg über den Passat im ersten Vergleich wiederholen? Reichen Arbeitseifer und Umgangsformen für den Platz an der Spitze?

Packen: viel Platz für Last und Leute

Große Klappe: 1745 Liter passen in den Kofferraum des Mondeo.

Große Kombis sind eine Ford-Spezialität – und das seit mehr als 40 Jahren. So viel Tradition verpflichtet. Aber ausgerechnet im Transport-Kapitel muss der neue Mondeo ein paar Federn lassen. Zwar darf Fords großer Lademeister üppige 580 Kilogramm Gepäck mitschleppen, auch wächst bei umgeklappter Rückbank das Gepäckraumvolumen auf stolze 1745 Liter – ein völlig ebener Ladeboden entsteht beim Zusammenfalten der Rückbank jedoch nicht. Ebenfalls schade: Die für einen Lust-Laster obligatorische Dachreling liefert Ford nur gegen Aufpreis. Und das optionale Laderaum-Trennnetz lässt sich nicht direkt hinter den Vordersitzen einhaken – allenfalls ein starres "Hundegitter" aus dem Zubehör könnte davor schützen, dass bei Vollbremsungen das Gepäck nach vorn fliegt. Immerhin: Die in der Praxis am häufigsten vorkommende Ladedisziplin – gut ausgenutzter Basis-Kofferraum, Sitzbank nicht vorgeklappt – beherrscht der Mondeo prima.

Tadellos kümmert sich der Ford um die Passagiere. Die Platzverhältnisse des langen Dampfers sind vor allem im Fond fürstlich, die Sitze angenehm groß und bequem. Nur vorn sind die Auflagen etwas wulstig gepolstert, den Lehnen fehlt ordentlicher Seitenhalt. Fahrer und Beifahrer müssen sich ansonsten nur mit der etwas fummeligen Klimaanlagen- Bedienung auseinandersetzen, bevor sie sich rundum wohlfühlen. Unklare Bedienung – eine Sorge, die Passat-Fahrer nicht kennen. Wer VW fährt, findet jedes Knöpfchen und jeden Hebel intuitiv, genießt zudem brauchbare Übersicht. Auch sitzen VW-Fahrer tadellos und erfreuen sich an einwandfreier Funktionalität.

Opel Vectra: Die gerade Dachlinie sorgt für Kopffreiheit im Fond.

Nur eine alte Schwäche des Variant schmälert das Bedienkonzept: Um die Rückbank gänzlich flach zu legen, muss der VW-Fahrer erst die Fondkopfstützen ausbauen. Auf das Maximum erweitert, fasst der Kofferraum des VW dann aber sehr brauchbare 1731 Liter Gepäck. Ein geräumige Höhle – aber die wirkt beinahe mickrig, wenn der Vectra seinen riesigen Heckklappenschlund aufreißt. Maximal packt der Opel nämlich nochmals rund 120 Liter mehr Ladung als der Volkswagen. Und das geht nicht einmal zu Lasten der Passagiere: Der Vectra-Fond bietet keineswegs weniger Beinfreiheit als der deutlich längere Mondeo. Dank der geraden Dachlinie punktet der Opel hinten zudem mit dem luftigsten Kopfraum dieses Vergleichs. Nicht optimal dagegen: die komplizierte Lösung, einige Funktionen der Klimaregelung über das Hauptmenü zu steuern. Das funktioniert bei den anderen einfacher.

Fahren: starke Diesel, souveräne Fahrwerke

Kräftig und sparsam: Der 2.0 TDI im VW Passat Variant.

Stramme 320 Newtonmeter Drehmoment, dazu souveräne Kraft weit unterhalb von 2000 Touren – dem angenehm leise und vibrationsarm arbeitenden TDCi-Triebwerk des Mondeo verleihen wir hiermit das Prachtdiesel-Prädikat. Allerdings muss sich der Vierzylinder ordentlich anstrengen, um den schweren Ford auf Trab zu bringen. Der gleich starke, rund 110 Kilogramm leichtere Passat zieht ihm im sechsten Gang nämlich lässig davon. Der kernige TDI des VW entwickelt beim Durchzug sogar mehr Biss als der nominal zehn PS stärkere CDTI des Vectra. Dass der Variant dabei – wie seine Konkurrenten – nicht mehr als sieben Liter Diesel pro 100 Kilometer trinkt, spricht für VWs effizientes Pumpe-Düse-Dieselkonzept.

Fazit und Bewertung

Für die Laufkultur gilt das jedoch nicht: Dumpf dröhnend unter Last, im Stand spürbar nagelnd, rumort der Passat-Motor unhöflich vor sich hin. Dass der Variant gleichfalls steif über Fahrbahnfugen rumpelt, passt ebenfalls kaum in die luxuriöse Mittelklasse-Liga. Am Fahrverhalten der drei Kombis gibt es nichts zu meckern. Unterschiede zeigen sich höchstens in der Abstimmungsphilosophie des ESP. So nimmt VW den Passat an eine sehr kurze Sicherheitsleine, raubt ihm im Grenzbereich früh die Kraft, wenn er in engen Kurven über die Vorderräder nach außen zu rutschen droht. Opel lässt Vectra-Fahrern etwas mehr sportlichen Spielraum, ermöglicht so mehr Fahrspaß. Die Elektronik des Caravan duldet leicht übersteuernde Lastwechselreaktionen, bevor der hemmende Bremseneingriff kommt.

Gut für die Langstrecke: Der Vectra überzeugt mit Federungskomfort.

Ford gibt sich unmissverständlich dynamisch. Spät, aber beruhigend effektiv mischt sich das Anti-Schleuder-Programm ein, wenn es der Fahrer übertreibt. Das passt zum sportlichen Gesamteindruck des Mondeo. Bereits geringen Lenkeinschlägen folgt der Turnier eifrig. Allerdings: Im Gegensatz zur fein abgestimmten VW-Lenkung vermittelt der Mondeo bei hohen Geschwindigkeiten ein synthetisches Gefühl, reagiert nervös auf Kurskorrekturen. Im Stand dagegen muss der Mondeo-Benutzer – im Vergleich zum Vectra – ziemlich kräftig am Lenkrad zerren. Der Opel profitiert von seinem starken Motor und dem angenehmen Federungskomfort – beides macht ihn zum talentierten Langstrecken-Wagen. Weniger toll: das vergleichsweise hohe Geräuschniveau und ein spürbares Turboloch. Erst ab 2000 Umdrehungen beißt der Turbodiesel kräftig zu. Wie bei VW und Ford darf sich der Opel-Fahrer aber über ein präzise zu schaltendes Sechsganggetriebe freuen.

Bezahlen: hohe Preise, kleiner Durst

In der Ausstattung "Trend" bietet der Mondeo viele Annehmlichkeiten.

Beim Preis bremst sich Opel selbst aus. Es gibt den 150-PS-Diesel zwar schon ab 28.230 Euro, für den Test war aber nur eine Version mit 17-Zoll-Bereifung zu haben. Also mussten wir die 1440 Euro teurere Edition-Ausstattung bewerten, weil es die großen Räder nicht für die Basis gibt. Auf das Ausstattungsniveau wirkt sich das positiv aus. Immerhin bietet der Vectra zum Beispiel elektrische Fensterheber im Fond. Dennoch fallen weitere Kosten an, beispielsweise 330 Euro extra für den Bordcomputer. Ford siedelt den 2.0 TDCi dagegen gleich in der höheren Ausstattungslinie Trend an, bestückt ihn großzügiger mit Luxus- oder Komfortoptionen. Selbst eine Klimaautomatik oder ein Lederlenkrad mit Multifunktionstasten sind an Bord. Das passende Radio dazu müssen Mondeo-Fahrer aber mit mindestens 750 Euro zusätzlich bezahlen. Vollständig ist die Liste der Sicherheitsextras: Die in dieser Klasse selbstverständlichen Front-, vorderen Seiten- sowie Kopfairbags ergänzt Ford um noch einen Knieairbag. Dazu kommen im Crashfall entkoppelnde Sicherheitspedale und aktive Kopfstützen vorn. Gegen den erfreulich geringen Aufpreis von 465 Euro liefern die Kölner auch ein intelligentes Lichtsystem mit Halogen-Kurvenlicht und Abbiegefunktion.

Vorteil: Der Passat muss seltener zur Inspektion als seine Konkurrenten.

Die in diesem Segment noch wenig verbreitete radarunterstützte Temporegelung kostet dagegen mit 1230 Euro (VW 1045 Euro) ein kleines Vermögen. Vielfahrer dürfte der Verbrauch des Mondeo reizen. Seine 6,5 Liter unterbietet nur der hubraumschwächere Opel um zwei Zehntel. VWs Grundpreis-Angabe für den Variant 2.0 TDI entpuppt sich ebenfalls als leicht geschönt. Denn zum Basispreis summieren sich noch Kosten von einigen Hundert Euro für vergleichbare Extras. Und wer Kurvenlicht will, muss besonders tief in die Tasche greifen. Diese Funktion bietet ein Passat nur in Verbindung mit 1270 Euro teurem Bi-Xenon-Licht. Klarer Vorteil für den Wolfsburger: Volkswagen bittet nur alle zwei Jahre oder alle 30.000 Kilometer zum Service. Kleiner Wermutstropfen dabei: Die langen Wartungsintervalle erfordern ein spezielles Motoröl (VW-Norm 50700). Das kostet pro Liter etwa sechs Euro mehr als üblich, ist vor allem aber nicht an jeder Tankstelle zu bekommen. Mehr als 16 Punkte sind für die Wartung deswegen nicht drin.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Glückwunsch nach Köln. Der neue Mondeo kann auch mit dem wichtigen Diesel-Turnier den Bestseller VW Passat schlagen. Das Ergebnis fällt zwar knapp aus, aber in wichtigen Kapiteln doch überzeugend. Der Mondeo setzt ganz klar auf Fahrspaß und Dynamik, gemixt mit hoher Sicherheit und einer angemessenen Portion Luxus. VW liefert mit seinem Variant wie gehabt den kantenlosen, aber auch fast fehlerfreien Traditionalisten. Mit dieser Auslegung ist der Passat dem Mondeo dicht auf den Fersen. Doch mit den nur durchschnittlichen Bremsen und der mageren Sicherheitsausstattung langt es nicht zum Sieg. Opels innere Größe – im wahrsten Sinne des Wortes – allein reicht nicht. In der Summe seiner Eigenschaften kommt der Vectra an Passat und Mondeo nicht vorbei. Dennoch ein achtbares Ergebnis für ein Fast-Auslaufmodell: 2008 kommt der Neue.

Autor: Jan Horn

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