Test Nissan Micra C+C 1.6 Premium

Nissan Micra C+C 1.6 Premium Nissan Micra C+C 1.6 Premium

Test Nissan Micra C+C 1.6 Premium

— 23.12.2005

Wird man mit dem warm?

Nissan hat den Micra zum Cabrio geöffnet. Mit festem Faltdach und einem pummeligen Hintern. Öffnet der Kleine auch die Herzen?

Preise, Betriebskosten und Garantien

Ich höre oft auf meine innere Stimme. "Das ist ein Frauenauto", flüstert sie besänftigend. "Ein Frauenauto!" Das Auge protestiert: "Aber der ist doch so häßlich, vor allem hinten. Ich dachte, Frauen achten aufs Aussehen!?" Ruhe, jetzt wird getestet. Ich steige ein. Rumms, als erstes knallt die Stirn gegen den breiten Dachrahmen. Aua. Denkbar schmerzhaft, wie mein Rendezvous mit dem neuen Micra C+C beginnt. Und wieder flötet die Stimme: "Das ist ein Frau-en-au-to."

Ja ja, Damen haben es gut. Sitzen erst gar nicht so hoch, daß sie gegen diesen bescheuerten Balken stoßen. Aber mit 1,87 Meter Länge muß ich die Sitzlehne weit nach hinten kurbeln, bis der Kopf unters Glasdach paßt. Dann hänge ich in einer unmöglichen Lümmelhaltung hinterm Lenkrad. Das soll Cabriogenuß sein? Na ja, der offene Micra, fast zehn Zentimeter flacher als der geschlossene, ist kein klassisches Cabrio mehr, sondern ein Coupé-Cabrio (daher der Name C+C) mit festem Faltdach. Das sind diese Wunderwerke, die beim Öffnen vor jedem Biergarten die große Show abziehen und schwer in Mode sind.

Und das, obwohl für keinen von ihnen – den Mercedes SLK ausgenommen – ein gelungenes Cabrio-Heck geformt wurde. Für den Micra C+C jedenfalls auch nicht. So ein festes Faltdach hat – seien wir mal ehrlich – höchstens psychologische Vorteile. Typischer Fall von Überversicherung, als seien Überschlag und Messerattacken so alltäglich wie Regen. Dabei sind moderne Stoffdächer mittlerweile genauso winterfest, dicht und warm.

Werksangaben und Testwerte

Der Micra bietet als Extra-Gag ein gläsernes Dachmittelteil, das im Winter nette Ausblicke ermöglicht. Aber ab Frühjahr zieht man das eingebaute Rollo zu, weil die Sonne immer gern dort steht, wo sie blendet. Wozu also Glas? Das Dach selbst überzeugt mit Komfort und Solidität. Da sind keine Hebel zu entriegeln wie im Peugeot 206+ oder Griffe zu drehen (Beetle Cabrio). Statt dessen reicht ein Knopfdruck, und die solide wirkende Mechanik von Karmann faltet das Dach während einer Ampelphase automatisch zusammen.

Der verbleibende Kofferraum erinnert irgendwie an Briefkästen: ausreichend groß (255 Liter), aber mit einem schmalen Einwurfschlitz. Immerhin bietet der Micra als zusätzliche Gepäckablage die Rückbank – wirklich sitzen kann dort niemand. Deren Auskleidung mit Bezügen hätte sich Nissan sparen können, um anderswo ein paar Annehmlichkeiten drauf zu packen. Zum Beispiel einen zweiten Schalter, um die beiden Sitzheizungen links und rechts separat zu starten. Man kann förmlich greifen, daß der offene Nissan knallhart auf Naht kalkuliert wurde, um preislich den Platzhirsch aufs Korn zu nehmen.

Unser Testwagen, ein 1.6 Premium, soll den Peugeot 206 CC Platinum 110 (109 PS, 21.650 Euro) attackieren. Für saftige 20.590 Euro sind beim Nissan Klimaautomatik, Leder und Aluräder schon serienmäßig an Bord, aber damit entfernt sich der offene Micra ziemlich schmerzhaft aus der Liga der schnuckeligen kleinen Spardosen. Denn dieses ursprüngliche Micra-Gefühl ("ich bin ein handlicher Kleinwagen"), das weht erst allmählich ins Cabrio hinein.

Die AUTO BILD-Wertung

Man sitzt in Schulterhöhe leicht beengt auf Tuchfühlung und genießt die übersichtliche Bescheidenheit der wenigen Instrumente. Es gibt zwei schnörkellose Rundanzeigen und ein paar Knöpfe in der Mittelkonsole. Daran, wie einfach und stilecht eine Klimaregelung aussehen kann, dürften sich viele Große eine Scheibe abschneiden. "Siehst Du, ein Frauenauto!", meint meine innere Stimme bewundernd. Keine Knöpfe, keine Rätsel – das macht den Micra so sympathisch. Erst recht natürlich sein Motor. Der 1,6-Liter schnurrt so unauffällig und nähmaschinenhaft unter der kurzen Haube, daß man sein stilles Feuer gar nicht registriert.

Erst das Scharren der Vorderräder oder ein Blick auf den kleinen Tacho machen klar, was da abgeht. Hey, diese 110 PS haben mal einen Golf GTI beflügelt. Und wenn der Nissan mit 190 km/h über die Autobahn rauscht, dann bekommt der Micra C+C ganz ausgewachsene Züge. Ein kleines Kurvenwunder wie der alte Micra ist der neue leider nicht: zu gefühllos die elektrische Lenkung (die sollte Nissan dringend neu abstimmen), zu taumelig die Kurvenlage mit dem 80 Kilo schweren Dach auf dem Buckel. Sollen wir mosern, daß hinten noch Trommelbremsen dienen? Geschenkt, bei guten 38,3 Metern Bremsweg.

Wenn auf Knopfdruck in 22 Sekunden das Dach öffnet und der Frühling einzieht, obwohl draußen noch Dezember herrscht, verfliegt endgültig der Eindruck, einen teuren Kleinwagen zu lenken. Der Fahrtwind fegt um die flachen Dachholme, die vorhin – bei geschlossenem Dach – doch so störend im Sichtfeld standen. Bei hochgestellten Fenstern herrscht im Micra eine Windstille, die jede Frisur nur sanft kräuselt statt böse den Nacken zu erkälten. Das dürfte auch Herren gefallen. "Frau-en-au-to", sagt es in mir drinnen. Hat mir der Nissan mit seinen sanften Augen etwa gerade zugelächelt?

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Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Nissan Micra C+C 1.6 Premium. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Joachim Staat

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