Test Nissan Qashqai/ VW CrossGolf

Test Nissan Qashqai 2.0, VW CrossGolf 1.4 TSI Test Nissan Qashqai 2.0, VW CrossGolf 1.4 TSI

Test Nissan Qashqai/ VW CrossGolf

— 20.03.2007

Wer hat das bessere Format?

Ein Golf im Offroad-Look? Gab es vor 17 Jahren schon einmal. Heute heißt das Show-Stück CrossGolf und tritt gegen den Nissan Qashqai mit echten 4x4-Talenten an.

Ein Golf für alle Fälle? Das war einmal. Selbst Deutschlands Kompakt-Ikone kommt nicht mehr ohne Derivate aus. Da gibt es Jetta, Golf Plus, Variant und jetzt auch noch den Cross. Was typisch ist für unsere Zeit. Crossover, also Kreuzungen aus verschiedenen Typen, heißen diese Mischformen. Nicht immer ist sofort klar, was solche Autos eigentlich darstellen – aber die Leute lieben sie. Und genau auf diese Sympathie schielt auch der neue Nissan Qashqai (sprich Kasch-Kai). Der Qashqai, benannt nach einem iranischen Nomadenstamm, soll eine Mischung aus Kompaktauto und SUV sein. Sein Design orientiert sich am bei uns selten gesehenen Murano: Große Bodenfreiheit (20 cm), hohe Gürtellinie und rustikaler Kunststoff erinnern an Geländeautos, sind aber kombiniert mit einer eleganten, am Heck fast coupéartigen Karosserie. Spannend anzuschauen, stimmig und sympathisch.

Hohe Variabilität im CrossGolf

VW betrachtet den CrossGolf als Kreuzung zwischen Van und SUV. Es ist aber nichts anderes als eine Variante des Golf Plus. Mit höher gelegter Karosserie (plus zwei Zentimeter) und ein paar rustikalen Anbauteilen: Stoßfänger, Dachreling, angedeuteter Unterfahrschutz. Kommt Ihnen bekannt vor? Stimmt. Von 1990 bis 1991 gab es schon einmal einen geländetauglichen Golf. Der hieß Country, war ein eher lieblos aufgebockter Golf, hatte aber Allradantrieb. Den hat der aktuelle CrossGolf nicht. Innen gibt es ein Lederlenkrad, Pedale in Alu-Optik und ähnliches. Serienmäßig sind auch die bequemen Sportsitze. Vorn und hinten fühlen sich selbst große Staturen bestens untergebracht, und im Fond spielt der VW noch die Van-Karte: Er hat deutlich mehr Platz als der Nissan und ist variabler. Die Neigung der Lehne lässt sich verstellen und dazu die Rückbank geteilt längs um 16 Zentimeter verschieben – praktisch. Je nach Stellung der Bank schluckt der Kofferraum 305 bis 505 Liter, maximal passen 1360 rein.

Ideenreichtum im Qashqai

Eine portliche Note herrscht im fahrerorientierten Nissan-Cockpit vor.

Im Qashqai hatten die Designer grundsätzlich mehr Einfälle, er hält seine schicke eigenständige Linie auch innen durch. Das fahrerorientierte Cockpit und die hohe Mittelkonsole schaffen eine fast sportliche Atmosphäre. Vorn gibt es eigentlich genügend Platz, wegen der sehr hohen Sitzposition stoßen aber große Leute eher ans Dach als im CrossGolf. Im Fond wird es vergleichsweise eng. Der Nissan ist merklich schmaler gebaut als der VW, die Kniefreiheit ist kleiner. Und das Thema Variabilität scheint Nissan verschlafen zu haben. Es lassen sich nur die Rücklehnen geteilt umklappen, das war’s. Am Kofferraum (410 bis 1513 Liter) stört die hohe Ladekante, die Heckklappe öffnet nicht hoch genug – da sind Beulen am Kopf programmiert. Mehr Sorgfalt investierten die Japaner offensichtlich ins Fahrwerk. Der Nissan fährt mit der Technik, die zum Beispiel auch der zukünftige Mégane ab 2008 benutzen wird – und bei Renault kann man sich entspannen, die Plattform ist bestens gelungen. Der Qashqai federt angenehm komfortabel, rollt erstaunlich weich ab und neigt sich in Kurven nicht zu viel. Der neue Zweiliter-Benziner mit 141 PS gefällt mit seiner Laufruhe und gleichmäßigen Kraftentfaltung. Er bleibt über einen weiten Drehzahlbereich sehr leise, ein Temperamentbündel ist er aber nicht: Er dreht zurückhaltend, wirkt bei hohen Touren gequält.

 Der 1,4-Liter-TSI mit 140 PS von VW geht da ganz anders zur Sache. Der mit Kompressor und Turbo doppelt aufgeladene Direkteinspritzer macht früh Druck, dreht viel entschlossener und verblüfft mit einem satten Durchzug. Und er ist genügsamer: 8,5 zu 9,2 Liter beim Nissan. Auch der CrossGolf (Bodenfreiheit 16,2 cm) federt grundsätzlich souverän, sein Schlechtwegefahrwerk (gibt es auch beim Golf Plus für 328 Euro Aufpreis) nimmt mit den 17-Zöllern Querfugen schon mal etwas poltrig. Den VW gibt es nur mit Frontantrieb. Mit seiner präziser und direkter reagierenden Lenkung bewegt er sich eine Spur leichtfüßiger und agiler als der Nissan, seine Sechsgang-Schaltung funktioniert leichtgängiger und genauer.

Qashqai auch mit Allrad-Antrieb

In Verbindung mit den Zweiliter-Motoren gibt's für den Qashqai Allrad.

Auch der Nissan fährt sich mühelos und handlich, allerdings spricht seine Lenkung zäher an, arbeitet gefühlloser, die Schaltung erreicht nicht ganz die Exaktheit des VW. In Verbindung mit den Zweiliter-Motoren (Benziner und Diesel) ist für den Qashqai ein Allradantrieb lieferbar (1850 Euro). Das System stammt aus dem X-Trail und macht den Qashqai bestimmt nicht fit für die Himalaya-Expedition, verbessert aber die Traktion bei Nässe oder auf Schotter. Mit Allradantrieb kostet der Basis-Qashqai 22.840 Euro. VW lässt sich seine Umbauten teuer bezahlen. Der CrossGolf 1.4 TSI kostet mit 25.031 Euro exakt 2191 Euro mehr als der Nissan – hat aber kein Allrad an Bord. Belassen wir es beim Nissan ebenfalls bei Vorderradantrieb, startet der Quashqai 1.6 mit 114 PS bereits bei 19.790 Euro. Da sollte VW seine Preispolitik noch einmal überdenken.

Fazit von Dirk Branke

Ein Vergleich ohne Verlierer. Der Nissan Qashqai ist ein überaus erfreuliches Auto, eigenständig, schick, solide und sympathisch. Einziger gravierender Nachteil ist der enge Fond. Auch beim CrossGolf stimmt die Mischung, nur ist er noch viel weniger fürs Gelände gebaut als der Nissan – obwohl er so aussieht. Er liegt hier vorn, weil er im Detail routinierter und ausgereifter ist.

Autor: Dirk Branke

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