Test Nissan X-Trail/Land Rover Freelander

Test Nissan X-Trail/Land Rover Freelander Test Nissan X-Trail/Land Rover Freelander

Test Nissan X-Trail/Land Rover Freelander

— 10.07.2007

Automatisch an die Spitze

Der frische Nissan X-Trail kommt mit neuem Dieselmotor – und erstmals mit einer Automatik. Einen Konkurrenten mit gleichen Anlagen findet er im Land Rover Freelander 2. Wer schnürt das bessere Paket?

Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt: Modelle wie Nissan X-Trail oder Land Rover Freelander müssen keine Tests gewinnen, um zu den Siegertypen zu zählen. Sie sind automatisch vorn – wegen ihres Konzepts. Denn kompakte SUV kommen gerade klasse an. Mit ebenso starken wie sparsamen Dieselmotoren finden sie erst recht anständigen Absatz. Der zweiten Auflage des X-Trail gelang damit am 30. Juni 2007 ein hervorragender Start in die nächste Runde. Ähnlich gut sind die Karrierechancen des Land Rover Freelander 2: Auch er, den es seit Jahresbeginn gibt, gehört noch zu den hoffnungsvollen Neuerscheinungen. Was die beiden ab sofort noch interessanter macht: Sowohl den Nissan-Diesel als auch den Ölbrenner von Land Rover gibt es endlich auch mit einem Automatikgetriebe. Das ist in dieser Klasse eher selten, obwohl es bestens zum Cruising-Charakter der Kompakt-SUV passt. Laut Nissan soll die Automatik gut 30 Prozent zusätzliche Kunden bringen. Was diese Käufer erwartet, haben wir getestet.

Erst ab Ausstattung SE gibt es den X-Trail-Diesel auch mit Automatik

Im Vergleich: Ein Nissan X-Trail 2.0 dCi mit 150 PS und ein Land Rover Freelander Td4 mit 152 PS. Letzteren gibt es ab 30.900 Euro. Inklusive der 2150 Euro teuren Sechsstufenautomatik macht das 33.050 Euro. Den X-Trail liefert Nissan für 29.440 Euro. Aber diese vermeintlich günstigere Einstiegsversion ist nicht in Verbindung mit der 1700 Euro teuren Automatik zu haben. Erst ab SE lässt sich ein X-Trail-Diesel mit einem Sechsstufenautomaten kombinieren – für 32.540 Euro. Immerhin sind dann die wichtigsten Komfortoptionen serienmäßig drin. Nissan gibt einem X-Trail SE zum Beispiel eine Klimaautomatik mit, baut Bordcomputer, elektrische Fensterheber und Fahrlichtautomatik ein. Land Rover kann hier nur eine manuelle Klimaanlage bieten, Kunden müssen sogar den Bordcomputer extra bezahlen.

Auch in puncto Sicherheitsausstattung hinkt der Landy hinterher. Trotz Knieairbags für den Fahrer und elektronischer Wankneigungskontrolle (RSC) kommt er nicht an den noch fürsorglicheren X-Trail heran. Noch größere Unterschiede tun sich auf, wenn beide als Nutzfahrzeuge ran sollen. Mit einem Kofferraum-Fassungsvermögen von 1773 Litern stellt der X-Trail einen Rekordwert – und den Freelander mit 1670 Litern locker in den Schatten. Außerdem hat Nissan das Gepäckabteil schlau strukturiert. Der doppelte Boden lässt sich herausnehmen, unter der Klappe befinden sich Fächer für Kleinkram und eine praktische Schublade. Weniger schön: Um die Rückbank zusammenzufalten, müssen die Kopfstützen raus. Und beim Zurückklappen der Lehne klemmt leicht das Gurtband ein.

Im X-Trail stört auf Dauer die zu lasche Polsterung der vorderen Sitze

Der Nissan X-Trail ist nicht eben dezent unterwegs.

Das funktioniert beim Freelander viel einfacher. Außerdem hat er die besseren Sitze: Hinten reist es sich anständig, vorn sogar komfortabel. Im X-Trail stört auf Dauer die zu lasche Polsterung der vorderen Sitzflächen. Der hintere, unbequeme Mittelplatz taugt im Grunde nur für die Kurzstrecke. Und in der Version mit Panoramadach fehlt es trotz der imposanten Fahrzeughöhe an Kopffreiheit, weil der Verstärkungsrahmen viel Platz wegnimmt. Genug Schelte, drehen wir an den Zündschlüsseln. Besser gesagt: beim Nissan am unpraktischen wie unnötigen Schlüsselstummel (im Paket 2800 Euro). Der Freelander startet auf Knopfdruck. Was soll daran praktisch sein? So oder so nehmen zwei moderne Hightech-Diesel ihre Arbeit auf.

Trotz des hohen Gewichts zeigt sich der Land Rover kooperativ

Nervenschonend: der sanft brummende Td4 des Freelander.

Rußfiltertechnik, Common-Rail-Einspritzung, Piezoelemente sowie Ausgleichswellen sorgen dabei für beste Abgaswerte, homogene Leistungsentfaltung und kultivierten Lauf. Fast. Denn wirklich dezent ist der Nissan nicht zugange. Trotz der schwingungstilgenden Maßnahmen schüttelt sich der dCi im Stand, nervt unter Last mit Vibrationen, sodass gelegentlich sogar das Bild im Innenspiegel zitternd verschwimmt. Der sanft brummende Td4 des Landys ist da schon nervenschonender am Werk. Und außerdem ist er kräftiger – theoretisch. Der Hubraumvorteil des 2,2-Liters sowie 80 Nm mehr Drehmoment verhelfen dem Freelander aber nicht zu besseren Fahrwerten: Sein hohes Gewicht zehrt den Vorsprung komplett auf. Darüber hinaus wirkt der dCi des X-Trail subjektiv lebendiger. Auch deshalb, weil der sportlicher zupackende Wandler seiner Automatik mehr Biss vorgaukelt. Insgesamt geht jedoch viel Temperament in den beiden Automatik-Boxen verloren. Besonders spürbar wird das beim Kick-down. Nur zögerlich winkt die Befehlskette aus Schaltprogramm, Wandlerschlupf und Turbo-Anlauf den Wunsch nach unverzüglicher Beschleunigung durch.

Unter Komfortaspekten arbeiten die sanft schaltenden Automaten der beiden jedoch einwandfrei. Doch sowohl der X-Trail als auch der Freelander leiden unter dem typischen, konzeptbedingten Mehrverbrauch einer Automatik: Je ein Liter Diesel pro 100 Kilometer gehen auf das Konto der kommoderen Getriebe. Da muss trösten, dass sich das Gefühl der Trägheit beim Fahren eher selten breitmacht. Denn trotz des hohen Gewichts zeigt sich besonders der Freelander angenehm kooperativ. Er lenkt erstaunlich beherzt ein, neigt sich allerdings in schnell gefahrenen Kurven spürbar zur Seite. Trotz der steifen Auslegung des Fahrwerks federt er nicht unkomfortabel – höchstens bei langsamer Fahrt nervt die hörbar rumpelnde Arbeitsweise der Achsaufhängung.

Wer ins Gelände will, hat mit beiden Kandidaten leichtes Spiel

Auch Offroad-Neulinge kommen mit dem Freelander gut zurecht.

Der Nissan gibt den weich durchschwingenden Reisebegleiter, meistert alle Komfortprüfungen ebenso anständig. Daneben fühlt er sich zum Beispiel beim Ausweichen eine Kategorie agiler an, sein ESP bügelt Ansätze zum Untersteuern im Vergleich zum Freelander einen Tick unauffälliger aus. Im Gegensatz zum Land Rover lässt sich der X-Trail als reiner Fronttriebler, sozusagen mit halber Traktion, bewegen. Was aber höchstens beim zügigen Anfahren auf nasser Straße negativ auffällt. Wer trotz der hohen Asphalt-Qualitäten der beiden SUV auch noch ins Gelände will, dem machen es beide Multitalente leicht. Zu den brauchbaren, elektronisch unterstützten Kletterqualitäten der beiden kommt eine vorbildlich einfache Bedienung der Gelände-Fahrhilfen per Drehknopf. Besonders der Land Rover macht es unerfahrenen Querfeldein-Cruisern leicht. Das richtige Offroad-Programm erschließt sich auch ohne Studium der Betriebsanleitung. Ein einziger Blick auf die Piktogramme des Drehknopfs reicht. Aber zum Gewinner macht ihn dieser Vorteil nicht automatisch.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn


Der Nissan glänzt als pflegeleichter Allrounder, der Land Rover zeigt viel modernen Lifestyle-Charakter. Aber so unterschiedlich die beiden im Wesen sind, so dicht liegen sie unter dem Strich bei ihren Qualitäten zusammen. Der Nissan fährt seinen Vorsprung dabei in kleinen Schritten ein. Allein mit anständiger Zuladung wäre der Sieg des X-Trail deutlicher ausgefallen. Für die Getriebe gilt: Das Komfort-Plus kostet deutlich mehr Sprit.

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