Test Opel Ampera

Opel Ampera Opel Ampera

Test Opel Ampera

— 06.03.2009

Mit Spannung erwartet

Opel wandelt Volt in Ampera – der mit dem Chevrolet Volt baugleiche Ampera soll ab 2011 dem Elektroantrieb große Sprünge ermöglichen. Wolfgang König hat schon einmal Platz genommen.

Watt, Volt gleich Ampere? Setzen, sechs, hätte unser Physiklehrer gesagt (denn Volt gleich Watt geteilt durch Ampere). Bei Opel sind sie da nicht so streng: Ampera heißt dieser Opel der Zukunft, aber bis auf ein paar Designänderungen gleicht er dem Volt von Chevrolet, wie er in den USA bereits vorgeführt wurde. Künstlerische Freiheit, meinen die Zuständigen, und immer noch besser als Opel Ohm oder gar Ohma. Was steckt dahinter? Strom natürlich, nur dass es sich beim Ampera weder um ein reines Elektro- noch um ein klassisches Hybridauto handelt.

Der Ampera lädt seine Batterie auch während der Fahrt auf

Letzteres würde zwei Antriebsaggregate bedeuten, die von unterschiedlichen Energiequellen gespeist werden, und die hat er nicht. Er hat nur eines, und das ist ein 150 PS starker E-Motor. Das Besondere: Während einem normalen Elektroauto früher oder später (meist früher) der Stoff ausgeht, was zu einem mehrstündigen Tankstopp an der Steckdose zwingt, lädt der Ampera seine Batterie auch während der Fahrt auf. Und zwar mittels eines Benziners plus Generator. Voltec-Antrieb nennt Opel die Technik. In der Praxis funktioniert das dann so: Zu Hause hängt das Auto am 230-Volt-Netz, fährt der Ampera dann los, reicht der Saft ohne jede motorische Unterstützung für 60 Kilometer. Dabei darf er, so versichert Projektleiter Christian Thiel, auch schon mal seine Spitze von 161 km/h ausfahren und in neun Sekunden von null auf Tempo 100 beschleunigen. Und da statistisch 80 Prozent der Deutschen nur 50 Kilometer am Tag fahren, wird im Normalfall kein Tropfen Benzin verbrannt.

Mit großer Reichweite als Allrounder geplant

Große Displays ersetzen die Rundinstrumente und zeigen den Ladezustand der Batterie an.

Das schafft kein Hybridauto. 16 kWh fasst der Stromspeicher – eine schlanke, aber 1,6 Meter lange und 180 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie, raumsparend in der Mitte des Autos verstaut. Und nach drei Stunden Aufladung ist sie wieder voll. Der Witz des Ampera: Während herkömmliche E-Autos nur als Stadtwagen oder Zweitwagen für Wohlhabende taugen (was sich in absehbarer Zukunft nicht ändern wird), ist der Opel ein echter Allrounder. Der Wochenendausflug kann ebenso stattfinden wie die Urlaubsfahrt zu viert (mehr passen nicht rein) inklusive Gepäck. In diesem Fall sorgt ein 1,4-Liter-Benziner mit 72 PS dafür, dass die Batterie in einem mittleren Ladezustand gehalten wird, wobei er sich bei Bedarf automatisch zu- und abschaltet.

Der Spareffekt dürfte sich dann allerdings in engen Grenzen halten. Schließlich bezieht das Auto die Energie, die es zum Fahren benötigt, spätestens nach 60 Kilometern ausschließlich aus dem Benzintank – wenn auch über Umwege (Generator – Batterie – E-Motor). Sicher, der Verbrenner läuft mit konstanter Drehzahl im optimalen Bereich, und auf ein Getriebe kann verzichtet werden. Außerdem wird die Energie beim Bremsen aufgefangen und der Batterie zugeführt. Aber dem stehen die systembedingten Übertragungsverluste und das höhere Gewicht (erhöhter Rollwiderstand) gegenüber. Schließlich soll der Ampera rund 250 Kilogramm mehr auf die Waage bringen als ein vergleichbares Auto ohne Voltec-Antrieb. Wieder mal kein Wunderauto also, aber eines, das über Land nicht mehr verbrauchen soll als ein guter Diesel, versichert Opel-Experte Thiel. Wenig genug für einen Aktionsradius von 500 Kilometern.

Die Batterien halten laut Opel 160.000 Kilometer

Kein Auspuff! Der versteckt sich unter der Heckschürze.

Die Basis für den Ampera liefert die sogenannte E-Flex-Plattform, die General Motors künftig international einsetzt, unter anderem beim nächsten Astra. Und so, wie das Auto in Genf zu sehen ist, soll es ab Anfang 2011 zu kaufen sein – eine sportlich gestylte Limousine mit großer Heckklappe, vier Einzelsitzen und futuristischem Cockpit. Mit 4,40 Meter Länge ist der Ampera kompakter, als er aussieht, während seine aerodynamischen Qualitäten optisch durchaus nachvollziehbar sind. Einen cW-Wert von unter 0,26 verspricht Christian Thiel, wobei selbst die schicken Aluräder mithelfen: Plexiglaskappen beruhigen hier die Luftströmung. Was soll der Elektro-Opel kosten? "Mal sehen", ist alles, was wir dem Projektleiter offiziell entlocken können. Die inoffizielle Hausnummer: 37.000 Euro. Dabei muss sich der Ampera-Kunde über die Lebensdauer der extrem kostspieligen Batterie angeblich keine Sorgen machen – Opel will zehn Jahre und 160.000 Kilometer garantieren. Potz Blitz!
Technische Daten Opel Ampera
Motor 1,4-Liter-Vierzylindermotor mit 53 kW (72 PS) als Generatorantrieb
Antrieb Front
Leistung E-Motor mit 111 kW (150 PS)
max. Drehmoment 370 Nm
Batterie Lithium-Ionen-Batterie
(Ladekapazität 16 kWh, Betriebskapazität 8,8 kWh)
Länge/Breite/Höhe 4404 /1798/1430 Millimeter
Radstand 2685 Millimeter
Beschleunigung 0–100 km/h in ca. 9 s*
Höchstgeschwindigkeit 161 km/h*
Preis: ca. 37.000 Euro
*Werksangaben

So funktioniert die Technik des Ampers

Anders als Hybridautos, die zwei Antriebsquellen besitzen, fährt der Ampera immer nur mit der Kraft seines 150 PS starken Elektromotors. Ist die 16 kWh starke Batterie nach spätestens 60 Kilometern leer genudelt, springt der Verbrennungsmotor an und produziert den Strom an Bord. Getankt wird Benzin oder Ethanol, allerdings stößt der Zukunfts-Opel dann auch CO2 aus. Zusätzlich können die Batterien bei stehendem Fahrzeug durch ein Ladekabel Strom zapfen. Das E-Auto kommt ab 2010 zuerst als Chevrolet Volt auf den Markt, 2011 folgt der Ampera. Als Plattform für Opels E-Auto dient die Technik des nächsten Astra.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Im reinen E-Betrieb soll der Ampera mit einem Fünftel der beim Benziner fälligen Kraftstoffkosten auskommen – so weit, so gut. Auch der Vorzug des Aktionsradius leuchtet ein. Ob er aber wirklich die Um - welt schont? Unsere englische Schwesterzeitschrift AUTO EXPRESS ermittelte: Die Batterien an der Steckdose aufzuladen erzeugt umgerechnet 124 Gramm CO2/100 km. Kein großer Fortschritt also. Dennoch: Wenn schon E-Antrieb, dann macht die Opel-Lösung Sinn.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.