Test Opel Antara 3.2 V6 Cosmo

Opel Antara 3.2 V6 Cosmo Opel Antara 3.2 V6 Cosmo

Test Opel Antara 3.2 V6 Cosmo

— 09.01.2007

Was taugt der Korea-Opel?

Frisch eingetroffen: der Antara. In Korea bei Daewoo gebaut, bei uns als Opel verkauft. Ob die Taktik aufgeht, klärt der erste Test der Topversion.

Automobile mit dem Blitz am Grill werden schon lange nicht mehr nur in Rüsselsheim oder Bochum gebaut. Auch im belgischen Antwerpen, im portugiesischen Azambuja oder im polnischen Gleiwitz rollen Opel-Modelle vom Band. Das haben wir mittlerweile begriffen. Trotzdem wundern wir uns jetzt: Der neue Antara entsteht nicht mal mehr in Europa, sondern im fernen Südkorea. Das Auto wurde im weltweiten Konzernverbund von General Motors entwickelt, gemeinsam mit seinen technischen Brüdern Chevrolet Captiva, Chevrolet Equinox und Saturn Vue. Gebaut wird er kostengünstig in einem Daewoo-Werk, gemeinsam mit dem Captiva. Der fuhr als Diesel im aktuellen SUV-Vergleich auf den letzten Platz, wirkte noch etwas unausgewogen.

Der Antara-Diesel wiederum sollte im November 2006 starten. Nach Kritik auch von AUTO BILD an der Anfahrschwäche verschob Opel aber den Start auf Februar. Im Moment gibt es erst mal nur den hier getesteten 3,2-Liter-V6-Benziner mit Automatik. Klar, der wird im Programm nur eine Nebenrolle spielen, taugt aber als erste Standortbestimmung. Auf alle Fälle hat Opel ein glückliches Händchen mit dem Design gehabt. Der Antara steht stimmig da. Kräftig, bullig, vorn mit modernem Gesicht, hinten massig und mit einer fetten Chromleiste. Ähnlich stilsicher waren die Formgestalter im Innenraum. Hier fühlt sich jeder Opel-Kunde sofort zu Hause. Alles wirkt vertraut, solide und funktionell tadellos. Der ordentliche Eindruck bestätigt sich im Detail aber nicht überall.

Wo das Auge nicht auf den ersten Blick hinschaut, wurde billiges Hartplastik verbaut, Kunststoffteile wurden schief eingepasst, da gibt es ungleichmäßige Fugen. Schade, denn Opel hat ja inzwischen mit Astra, Corsa oder Zafira ein viel höheres Qualitätsniveau erreicht als hier. Gegenüber dem Captiva zeigen sich die Sitze verbessert, straffer gepolstert und mit mehr Seitenhalt. Auch im Fond sitzen Erwachsene anständig, die Lehnenneigung ist verstellbar, die Bank aber nicht verschiebbar. Anders als beim Chevrolet gibt es keine dritte Sitzreihe. Das Platzangebot liegt im vorderen Mittelfeld der Klasse, entspricht etwa einem Hyundai Santa Fe. Aber ein Honda CR-V zum Beispiel bietet deutlich mehr. Ernst wird es dann beim Thema Kofferraum: Der Antara schluckt als Fünfsitzer kümmerliche 370 Liter – das sind zehn Liter weniger als bei einem fünftürigen Astra. Auch die 432 Kilogramm, die der Testwagen maximal zuladen durfte, sind für ein Zwei-Tonnen-Auto mit 227 PS eher peinlich.

Topmotorisierung: sechs Zylinder, 3,2 Liter Hubraum, 227 PS.

Der 3,2-Liter-V6 läuft bis zu mittleren Touren leise und kultiviert, dreht aber nicht gern und heult bei hohem Tempo sehr laut. Ganz subjektiv wirkt er im Zusammenspiel mit der nervösen und unentschlossenen Fünfstufen-Automatik schaumgebremst und kraftlos – trotz der akzeptablen Fahrleistungen. Um die angegebene Spitze von 203 km/h zu erreichen, braucht er einen sehr, sehr langen Anlauf, am besten eine Gefällstrecke. Und wehe, wenn du zwischendurch vom Gas musst, alles über Tempo 160 ist eine zähe Angelegenheit. Ach ja, und er neigt zum Saufen: Im Testdurchschnitt waren es 13,3 Liter, bei flotter Autobahnfahrt gern auch deutlich mehr.

Das Fahrwerk: stramm gefedert, aber nicht übertrieben hart.

Der Antara ist straffer abgestimmt als der Captiva, er federt stramm, aber nicht übertrieben hart. Für das Fahrverhalten brachte die neue Abstimmung keine großen Vorteile. Wie dem Chevrolet fehlt dem Antara die Leichtfüßigkeit und Präzision eines BMW X3 oder auch Toyota RAV4. Er fährt sich schwerfälliger, die Lenkung spricht mit Verzögerung an und reagiert zäh. Und mit seinen Bremswerten schrammt der Opel um Haaresbreite an der 40-Meter-Marke vorbei. Fortschritt sieht anders aus. Den 3,2-Liter-V6 gibt es nur in der teuren Cosmo-Ausstattung, das summiert sich auf 38.059 Euro. Die Korea-Gene merkt man auch an der Aufpreisliste – sie ist kurz. Wer mehr will, muss gleich ganze Pakete kaufen, wie so häufig bei Asiaten – und so völlig untypisch für Opel. Okay, der V6 wird keine große Rolle spielen. Aber ein BMW X3 2.5si mit 218 PS ist mit 41.137 Euro gar nicht mehr so weit entfernt. Und der Hyundai Santa Fe mit 2,7-Liter-V6 und 189 PS für 33.330 Euro deutlich günstiger. Damit steht jetzt schon fest: Der Antara wird es nicht leicht haben. Egal, wo er herkommt.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke:

Der Antara 3.2 V6 sieht nett aus, hat gute Fahrleistungen und eine umfangreiche Ausstattung. Aber dann: kleiner Kofferraum, niedrige Zuladung, nicht überzeugende Bremsen, mickrige Garantien. Da hätten wir von einem völlig neuen Auto mehr erwartet, zumal der V6 auch noch recht teuer ist und säuft. Opel verpasst es hier, Maßstäbe zu setzen. Vielleicht holt das der 150-PS-Diesel (ab 31.561 Euro) ja nach.

Autor: Dirk Branke

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