Test Opel GT

Opel GT 2.0 Turbo – Corvette C6 Cabriolet Opel GT 2.0 Turbo – Corvette C6 Cabriolet

Test Opel GT

— 12.02.2007

Die kleine Corvette

34 Jahre nach seinem Ableben ist der selige Opel GT wieder da: aufregend und offen. Und wieder nimmt er Anleihen am amerikanischen Muscle-Car.

Der GT packt den Turbohammer aus

GT – was für ein Markenzeichen! GT – das war einmal der schärfste Opel, vielleicht sogar bis heute. Und ausgerechnet darauf verzichtet Opel beim Neuen. Kein GT-Schriftzug am Heck. Warum diese Bescheidenheit? Der Vetter aus den USA trägt da viel dicker auf, Corvette steht in übergroßen Buchstaben an der hinteren Schürze. Nicht einfach aufgeklebt, sondern eingeprägt. So viel Herstellerstolz hätte der Opel auch verdient, schließlich haben die beiden Sportwagen Gemeinsamkeiten. Und das hat Geschichte.

Bereits in den 60er-Jahren bekam der kleine Sportwagen aus Bochum den Spitznamen Baby-Corvette. Zu Recht, denn der sanfte Hüftschwung à la Coca-Cola-Flasche, das knackig-kurze Heck, der ellenlange Vorderwagen und die prall über die Vorderräder gespannten Kotflügelbögen fanden sich auch an Chevrolets Sportwagen-Ikone. Und das nicht zufällig, denn die GM-Bosse hatten Opels damaligem Designer Erhard Schnell Ähnlichkeiten zum "Original" in die Feder diktiert. Und heute? Friedhelm Engler, verantwortlich für das Design der deutschen GT-Variante, hat wieder die Kurve zur aktuellen Corvette gekriegt. Neben den gleichen Proportionen des Cabrios finden wir deshalb Gemeinsamkeiten in Details. Wie zum Beispiel die Kiemen im vorderen Seitenteil, die beiden kurvigen Höcker hinter den Sitzen oder die Form der Scheinwerfer.

Auch technisch fahren die beiden Sportwagen einen ähnlichen Kurs. Wie die Corvette steht der GT auf einer steifen, im Prinzip rollfähigen Bodengruppe mit einem mächtigen, tragenden Mitteltunnel. Allerdings setzt Chevrolet Aluminium-Längsträger ein, bei Opel sind diese stützenden Profile aus Stahl. Ob sich so viel gemeinsames Gen-Material auch gleich anfühlt? Natürlich geht es hier um das Fahrerlebnis im GT. Aber wir wollen auch ein bisschen zum mehr als doppelt so teuren Verwandten schauen. Ernsthafte Sportwagen sind sie schließlich beide. Der rassige GT ebenso wie die 404 PS starke Corvette. Die Opel-Flunder treibt ein Direkteinspritzer-Benziner mit Turbo und Ladeluftkühlung an.

Im Opel GT arbeiten 264 PS, die Corvette hat 404 PS zu bieten.

Und das außerordentlich druckvoll. Die versprochenen 5,7 Sekunden für den Sprint auf 100 glauben wir gern. Leichtfüßig wetzt der GT los, bringt seine Kraft über ein Sperrdifferenzial und die breiten Hinterräder nahezu schlupffrei auf die Straße. Schon bei Drehzahlen um 2000 Touren packt er den Turbohammer aus, dreht dabei lässig hoch. Wie ein dicker Diesel legt sich der Zweiliter satt ins Zeug – nur reagiert dieser Motor viel spontaner auf Gasbefehle. Schade, dass der Vierzylinder dabei so dünn klingt. Wir erwarten hier bestimmt nicht das gewaltige Klangspektakel des Hubraummonsters Corvette, aber etwas mehr als großserienmäßiges Schnarren hätte es bei einem rassigen GT schon sein dürfen. Auch die Fünfgangschaltung überzeugt nicht: Der kurze Hebel verlangt genaue Führung auf seinem Weg durch die Gassen.

Viel knackiger dagegen das Fahrverhalten. Schließlich stand – neben dem Heckantrieb – einer der wichtigsten Aspekte für schiere Dynamik ganz oben im Lastenheft: eine ausbalancierte Gewichtsverteilung. Die ist mit 51 Prozent vorn zu 49 Prozent hinten bestens austariert, sorgt so für erstklassiges Roadster-Fahrgefühl. Neutral wirft sich der GT in Kurven, auf Lastwechselreaktionen antwortet der Opel gar nicht, auf Bewegungen am Lenkrad umso schneller. Dann lenkt der GT zackig ein – reagiert aber auch nervös auf Kurskorrekturen.

Aus der Bahn wirft ihn das bestimmt nicht, denn der GT klebt wie Kaugummi auf dem Asphalt. Unter normalen Umständen korrigiert das dreistufige und hellwach abgestimmte ESP-Programm sowieso jede Tendenz zum unkontrollierten Abflug. Erstklassig: Trotz der dynamischen Ambitionen rollt der GT erstaunlich weich ab, federt lässig sogar über Querfugen. Diese Mischung aus sanft ansprechender Federung und stabiler Führung macht aus dem GT einen lässigen Kreuzer und knackigen Sportler in einem Gerät. Ein dickes Lob hierfür an die Fahrwerkentwickler!

Die Verarbeitung stimmt leider noch nicht

Fahrkomfort schön und gut, für den Alltag taugt der GT eindeutig nicht. Zwar stehen inklusive winziger Täschchen hinter den Sitzen, Mini-Handschuhfach und Mikro-Klappe zwischen den Lehnen insgesamt acht Ablagen zur Verfügung, doch da passt nicht wirklich was rein. Auch fasst der Kofferraum maximal erbärmliche 157 Liter – Schwamm drüber. Schlimmer ist, dass große Fahrer aufgrund der fehlenden Lenkrad-Tiefenverstellung keine optimale Sitzposition finden. Und zudem erschwert das stabile Verdeck mit dem beheizten Glasheckfenster, das im geschlossenen Zustand übrigens erstaunlich gut Windlärm filtert, den Umgang mit dem Roadster. Nicht nur, weil man für die schwere Faltmechanik Kraft, sondern auch Beinarbeit aufwenden muss. Dachschließen bedeutet tatsächlich noch: aussteigen und sogar um das Heck herumlaufen, um die hinteren Verdeckspitzen zu arretieren. Nervig.

Platzmangel: Ins GT-Heck passen das Dach und 66 Liter Gepäck.

Fazit: Null Kofferraum, kaum Ablagen, umständliches Verdeck – damit übernimmt der GT natürlich voll die Zweitwagen-Rolle. Und das für über 30.000 Euro. Zwar ist das in dieser Leistungsklasse noch ein Schnäppchen, denn ein vergleichbar motorisierter BMW Z4 3.0si kostet rund 10.000 Euro mehr (der günstigere Mazda MX-5 ist ungleich schlapper und schlichter ausgestattet). Doch gegen den Rasse-Roadster von Opel spricht: Er ist nur mäßig verarbeitet. Schlichtes Plastik im Innenraum oder schief eingepasste Leuchten (zumindest an diesem offensichtlichen Vorserien-Modell) schüren die Hoffnung, dass Opel zum Start am deutschen Markt noch den nötigen Feinschliff betreibt. Und dann auch bitte gleich den GT-Schriftzug dranklebt!

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn:


Günstiger geht es in dieser Leistungsklasse nicht. Besser verpackt wohl auch kaum. Einen legendären Ruf hat der GT ohnehin. Spricht also kaum etwas gegen die fahraktive Flunder? Nein, sofern man Alltagsnutzen voll ausklammert und in der imageträchtigen Roadster-Klasse kein Problem mit einem Opel hat.

Technische Daten Opel GT 2.0 Turbo: Vierzylinder, vorn längs • Turbolader mit Ladeluftkühler • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1998 cm³ • Leistung 194 kW (264 PS) bei 5300/min • max. Drehmoment 353 Nm bei 2500/min • Hinterradantrieb • Fünfganggetriebe manuell • doppelte Dreieckquerlenker v/h • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Reifen 245/45 R 18 • L/B/H 4100/1813/1274 mm • Radstand 2415 mm • Leergewicht 1395 kg • Kofferraumvolumen 66/157 l • Zuladung 147 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 5,7 s • Höchstgeschwindigkeit 230 km/h • Eu-Mix 9,2 l Super/100km • Preis: 30.657 Euro

Technische Daten Corvette C6 Cabriolet: V8, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder • eine zentrale Nockenwelle mit Kettenantrieb • Hubraum 5967 cm³ • Leistung 297 kW (404 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 546 Nm bei 4400/min • Hinterradantrieb • doppelte Dreieckquerlenker v./h. • Sechsganggetriebe manuell • belüftete Scheibenbremsen rundum • Reifen 245/40 R 18-285/35 R 19 v./h. • L/B/H 4435/1844/1246 mm • Radstand 2686 mm • Leergewicht 1460 kg • Kofferraumvolumen 144 l • Tankinhalt 69 l • Zuladung 285 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 4,3 s • Vmax 300 km/h • Preis: 72.990 Euro

Autor: Jan Horn

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