Test Opel GT gegen BMW Z4 — 19.03.2007
Stiehlt Opel BMW die Schau?
Mit dem GT kommt Bewegung in die Roadster-Szene. Opels Zweisitzer ist schön, stark und preiswert. Der geht dem BMW Z4 an die Nieren.
Leistung und Fahrspaß viel wichtiger
So oder so – Kofferraum, Showpotential, Verdeckbedienung sind nur die eine Seite des Roadster-Vergnügens. Die andere ist vielen wichtiger: Leistung und Fahrspaß. Die 264 PS des GT und 265 PS des Z4, Hinterradantrieb, Sportfahrwerk und bissige Bremsanlage sind auf der Reeperbahn Verschwendung wie die dunkle Sonnenbrille in der Tabledance-Bar. Weshalb wir vom bunten Boulevard abbiegen und auf kurvige Landstraßen wechseln. Denn da gehören die beiden hin. BMW fährt dabei nach Art des Hauses. Mit sechs Zylindern, die sich tief hinten im Motorraum verbergen, weit in Richtung Fahrgastraum gerückt. Das ist super für die Gewichtsverteilung. Aus satten drei Liter Hubraum drückt der Z4 3.0si seine Leistung an die Hinterräder. Weich dreht der Motor hoch, bissig hängt er am Gas. Und: Er klingt toll, verbindet Ansauggeräusche, stampfende Mechanik und Auspuff-Röhren zum berauschenden Sportwagenerlebnis.
Bei den Fahrleistungen muss der GT passen
Den krassen Gegensatz dazu liefert der Turbo-Vierzylinder des GT. Außer verhaltenem Schnarren gibt der Zweiliter kaum etwas von sich. Kurios: Die Messwerte weisen den Opel als angenehm leise aus, in der Praxis wird er jedoch bei höheren Touren nervig laut. Was ihm Punktabzug einbringt. Dennoch: Als Sportmotor taugt das Turboaggregat durchaus. Mit 353 Newtonmeter Drehmoment überflügelt der GT auf dem Papier sogar den Dreiliter-Sauger des BMW. Dazu wuchtet der Opel dieses starke Pfund bei dieselmäßig niedrigen 2000 Touren an die Hinterräder. Das bedeutet satte Kraft in jeder Lage, schaltfaules Fahren, homogene Leistungsentfaltung. Tatsächlich kann der GT dem Z4 aber nicht folgen. Sechs sauber zu schaltende Gänge, weniger Gewicht und ein deutlich drehfreudigerer Motor verschaffen dem Z4 klare Sprintvorteile. Auch im Durchzug muss der Opel passen, ein – wenn auch winziges – Turboloch kostet Zehntelsekunden in der Elastizität.Auch wenn es für Roadster eher akademisch ist: Der breite GT steht so sperrig im Gegenwind, dass er trotz fast gleicher Leistung in der Höchstgeschwindigkeit nicht mithalten kann. Statt 250 schafft der GT nur 229 km/h. Auch beim Bremsen zeigt der BMW mehr Reserven. Mehr als einen Meter früher (36,5 Meter) kommt der Z4 zum stehen, und das bei kleinerer Reifendimension – klasse! So weit die sogenannte Längsdynamik. Geht es quer genau so gut? Auf jeden Fall! Subjektiv hat hier der Opel die Nase vorn. Seine leichtgängigere Lenkung vermittelt das Gefühl, in schnellen Wechselkurven mit den Fingerspitzen dirigieren zu können. Lastwechselreaktionen sind dem GT ohnehin fremd, selbst mit abgeschaltetem ESP (dreistufig) bleibt der neutral ausgelegte Roadster voll beherrschbar, im Sportfahrermodus beinahe narrensicher. Z4-Piloten brauchen bei abgeschaltetem Anti-Schleuderprogramm schnelle Reaktionen. Ohne ESP neigt der BMW beim Ausweichen zu sportlichen Heckschwenks. Wer es noch dynamischer mag: Auf Knopfdruck reagiert der Z4 spontaner aufs Gas, nimmt die Lenkunterstützung zurück. Insgesamt ist der BMW ein knackiger, souveräner Sportler. Was er für den Erfolg auf der Reeperbahn aber nicht nutzen kann.

































