Test Opel Meriva

Test Opel Meriva

— 26.01.2010

Das kann der neue Opel Meriva

Das London-Taxi stand beim neuen Opel Meriva Pate. Zumindest dessen hintere Türen, denn die öffnen sich rückwärts. Was bringt das? AUTO BILD hat es ausprobiert und den praktischen Van von innen betrachtet.

Das Neueste aus Rüsselsheim: Opel steigt in den englischen Taxi-Markt ein, will ihn aufrollen. Sicher doch. Mit dem neuen Meriva. Und deshalb gehen die Fondtüren jetzt nach hinten auf – halt genau wie beim London-Taxi ... Kleiner Scherz. "Nein, wollen wir nicht", winkt Frank Leopold ab. Aber ganz so abwegig sei der Gedanke nun auch wieder nicht. Schließlich sei schon der bisherige Meriva an den Taxiständen kein Unbekannter, nicht in London, zugegeben, aber in Berlin. Und eine Droschke auf Basis des Nachfolgers mit verlängertem Radstand habe sein Team auch schon gescribbelt. Vorsorglich.

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Englisches Vobild: Bei den hinteren Türen stand ein London-Taxi Pate.

Leopold arbeitet in der Vorentwicklung. Er ist der Erfindergeist von Opel. Manche nennen ihn auch Mister Q. Doch anders als die Erfindungen seines Kollegen beim britischen MI6 sind seine Geistesblitze nur nützlich, nie tödlich – die geniale Sitzanlage des Opel Zafira etwa oder nun die nach hinten öffnenden Fondportale. "Natürlich haben wir dabei auch so ein London-Taxi unter die Lupe genommen. Das einzige Beispiel für diese Lösung, das in größerer Stückzahl gebaut wurde." Gemeint sind vollwertige Türen, wohlgemerkt, die unabhängig von den vorderen funktionieren. Anders als die Verschläge eines Mini Clubman oder Mazda RX-8 also, mehr wie die von Rolls-Royce, wo die hinten befestigten Türen bereits 2003 Renaissance feierten. Und was bringt uns das? Zur Wahrheitsfindung konnten wir den erst im Juni startbereiten Meriva bereits jetzt betreten.

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Aussteigen: Ein Handgriff unterstützt den flüssigen Bewegungsablauf.

Schon mal gut: Die vergleichsweise kurzen Fondtüren öffnen weit, der Einstieg gelingt ungewohnt mühelos – kein Spagat, einfach hingehen und sich in den Sitz fallen lassen. Und dann nicht mehr vorbeugen und nach der offenen Tür angeln, sondern nur locker den Arm ausstrecken, den Griff nehmen und wieder anwinkeln, schon ist sie geschlossen, die Pforte. Viel cooler als die sonst übliche Gymnastik. Ebenso lässig gestaltet sich der Ausstieg, wobei sich der Bewegungsablauf mittels Haltegriff am mittleren Türholm noch optimieren lässt. Vorteile bringt die Tür aber auch beim Beladen des Fondraums. Kinder zum Beispiel lassen sich nun ohne Verrenkungen unterbringen. Mütter werden Meriva mögen. Ein echter Fortschritt, der dem Konstrukteur aber nicht in den Schoß fällt.

Um die beiden Scharniere pro Fondtür korrekt platzieren zu können, muss der Türausschnitt vor dem Hinterrad gerade nach unten verlaufen. Und das Seitenfenster sollte dort möglichst weit oben Platz finden. Folglich ist dem Designer beim Zeichnen der Gürtellinie auch nicht das Lineal verrutscht: Ohne den Knick würde sich die Aussicht der Kleinen im Fond auf die Türverkleidung beschränken. Nicht ganz ohne sind beim Meriva auch die vorderen Türen. Deren Anlenkpunkte liegen nicht direkt übereinander, sondern schräg versetzt. Der Erfolg: Oben öffnet sie sich nun etwas mehr als unten, das schafft zusätzlichen Raum für den Einstieg. Und wie sieht’s innen aus? Schön. Helle Farbakzente schaffen eine freundliche Atmosphäre, das Design erinnert an Astra und Insignia , was einen enormen Fortschritt darstellt. Straffe, bequeme Sitze, die hohe Mittelkonsole verbreitet vorn ein dezentes Cockpitgefühl – ungewöhnlich für einen Van. Typisch ist indessen die stark eingeschränkte Rundumsicht.

"Flex" steht bei Opel für einen indivduell anpassbaren Van

"Flex" heißt flexibel: Der neue Meriva lässt sich individuell anpassen.

Nobler und größer sollte der neue Meriva werden. Im Format gleicht der Opel nun der B-Klasse von Mercedes, ist also rund 20 Zentimeter länger als der alte. Genaue Daten werden noch nicht genannt, aber mit 4,25 Meter Gesamtlänge darf gerechnet werden. Und davon profitieren die Insassen spürbar. Der Zuwachs zeigt sich vor allem auf den Rücksitzen, wo auch Langbeinige bequem Platz finden. Doch die Kür des Opel heißt "Flex". Neben dem "Flex Door"-Konzept verwöhnt uns der Meriva mit "Flex Space", das wir schon vom Vorgänger kennen. Die Fondsitze lassen sich mit je einem Handgriff zu einer ebenen Ladefläche umflexen, außerdem längs verschieben und nach innen versetzen – wenn hinten nur ein oder zwei Passagiere mitfahren. Die genießen dann in Schulterhöhe mehr Bewegungsfreiheit. Dazu kommt "Flex Fix", der unterm Heck ausziehbare Träger für Fahrräder, Kisten und Kästen, sowie "Flex Rail": Ein geschickt gemachter Behälter lässt sich auf Schienen zwischen den Sitzen hin- und herbewegen. Darunter steckt ein richtig großes Ablagefach.

Weitere Details zum neuen Opel Meriva gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Der neue Meriva sieht nett aus, innen wie außen, und er hat ein ansprechendes Format: etwas größer und geräumiger als die üblichen Kompaktvans, aber zierlicher und handlicher als die Vertreter der Zafira- und VW-Touran-Klasse. Und die neuartigen Fondtüren sind mehr als nur ein vordergründiger Design-Gag: Sie machen Sinn, denn sie bieten praktische Vorteile. Meine Prognose: Wer sie kennengelernt hat, will nur noch so einsteigen.

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