Test Peugeot 107 Filou 70

Peugeot 107 Filou 70 Peugeot 107 Filou 70

Test Peugeot 107 Filou 70

— 05.07.2005

Starke Nummer in der Stadt

Jung, schick und sicher - der kleinste Peugeot ist ein pfiffiger Cityflitzer zum günstigen Preis. Er hat aber auch einige Schwächen ...

Grinsemann mit Großstadtqualitäten

Der guckt viel zu nett. Selbst wenn ich die Türen knalle, lächelt er noch breit wie das Moseltal. Nein, der Peugeot 107 kann nicht der neue Boß sein.

Nicht, daß Sie mich falsch verstehen: Mein Chef ist auch nett. Aber spätestens, wenn ich Kaffee über den Konferenzstuhl schütte, verengen sich seine Augen zu Schlitzen. Der Peugeot 107 grinst dann mit seinem Kühlergrill immer noch von Madrid bis Ankara. Deshalb können mir die Marketingleute auf der Internetseite (www.peugeot107.de) erzählen, was sie wollen: Ein neuer "Boß in der Stadt" sollte nicht so grinsen.

Aber mal im Ernst: Was uns der Werbeslogan sagen soll, ist, daß der Peugeot 107 seine Talente am besten in Metropolen ausspielt. Dort, wo die Fahrzeugdichte groß und Parklücken rar sind. Davon kann ich mich in Hamburg immer wieder überzeugen. Größter Vorteil im Großstadtrevier ist natürlich die Länge des 107: 3,43 Meter, Knapp ein Meter mehr als bei einem Smart fortwo, aber deutlich weniger als bei anderen Kleinwagen. Er paßt in Parklücken, wo VW Fox (3,82) oder Nissan Micra (3,71) wieder abzischen müssen.

Das Leichtgewicht rennt flott und günstig

Mit seinem drehfreudigen Dreizylinder-Benziner übernimmt der 107 an Ampeln unerschrocken die Führung. In 3,8 Sekunden beschleunigt er von null auf Tempo 50. Außerhalb der Stadtgrenzen braucht er bis Tacho 100 nur 12,6 Sekunden. Das können Kompakte wie ein Opel Astra auch nicht besser.

Ein ganz schön erwachsener Auftritt für Peugeots Kleinsten mit 68 PS, der zu 92 Prozent baugleich ist mit dem Toyota Aygo und dem Citroën C1. Seine Leichtfüßigkeit verdankt er dem athletischen Gewicht von 855 Kilogramm – was auch den Geiz-Verbrauch von 5,8 Liter Super ermöglicht. Weniger wiegen und verbrauchen nur noch Kleinstwagen wie der zweisitzige Smart fortwo. Trotz der leichten Karosserie fallen die Türen des Peugeot überraschend satt ins Schloß.

Auch wenn der Mini aus dem tschechischen Kolin mit einem Basispreis von 8890 Euro zu den günstigsten Autos auf dem deutschen Markt zählt: Ich hatte nie das Gefühl, in einem fahrenden Schleuderangebot zu sitzen. Im Gegenteil: Für diesen witzigen Kleinwagen würde ich glatt größere Limousinen in der Garage verstauben lassen. Schon beim Reinklettern steigt die Laune wie sonst nach einer Tafel Ritter Sport. Die Türen schwingen weit auf, die Sitze rücken zurück, daß selbst mein Kollege Dirk Branke (1,93 Meter) bequem hinters verstellbare Lenkrad paßt.

Kosten und Ausstattungen

Wie bei einer Aufziehuhr rasten die Schalter der Klimaanlage (900 Euro) ein. Das CD-Radio (400 Euro) ist modisch gestylt, und im Fond können Erwachsene tatsächlich sitzen. Nur der Kofferraum bekommt schnell Völlegefühl (139 bis 782 Liter) und ich beim Packen lahme Arme: Die Ladekante ist viel zu hoch.

Werksangaben und Testwerte

Dank seines üppigen Radstands von 2,34 Metern rollt der 107 gelassen über Unebenheiten, wo ein Smart fortwo unbeholfen hüpft. Insgesamt ist der 107 recht straff gedämpft – was eigentlich nicht sein muß. In seinem Sonderlack Citrusgelb (100 Euro) strahlt er so selbstbewußt, daß ich kaum glauben mag, daß dieser Wagen Macken hat.

Die Bremsen zum Beispiel: 42,5 Meter für den Stopp aus 100 km/h – oh, là, là, mon amour, das ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Immerhin ist er ansonsten supersicher. Beim Crashtest EuroNCAP erzielte er beruhigende vier von fünf Sternen. Chapeau! Weniger schön: Die leichtgängige, elektrische Servolenkung wirkt etwas synthetisch, und die Schaltung könnte präziser geführt sein. Und an den eleganten, aber unpraktischen Türöffnern brech' ich mir ganz sicher die Fingernägel ab.

Fazit und Wertung

Kurz gesagt: Der 107 bremst bescheiden, fährt aber souverän. Auch ohne das Stabilitätsprogramm ESP, das Peugeot erst im nächsten Jahr gegen Aufpreis (etwa 450 Euro) anbietet. In Serie arbeitet der 107 mit einer Kurvenbremskontrolle CSC (Corner Stability Control – ein erweitertes ABS, das die Stabilität beim Bremsen in Kurven verbessert).

So fuhr der 107 am 25. Juni ganz selbstbewußt zu den Händlern. Neuer Boß kann er dort aber so nicht werden. Dafür müßte er besser zupacken. Peugeot würde gut dran tun, die Bremsen zur Chefsache zu erklären.

Wie gefällt Ihnen der Peugeot 107?

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Peugeot 107. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

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