Test Peugeot 3008 — 10.07.2009
Zwischen allen Stühlen
Peugeot mischt munter die Klassen. Der 3008 will Van, SUV und Kombi in einem sein und Tiguan und Co auf die Hörner nehmen. Angetrieben wird der Franzose wahlweise von zwei Benzinern (120 und 156 PS) und einem Diesel (150 PS).
Wer sich mit Anlauf zwischen alle Stühle setzt, darf am Ende nicht über blaue Flecken am Allerwertesten meckern. Mit einem rasanten Husarenritt durch alle Klassen zeigt Peugeot beim
3008 einmal mehr, dass heute nichts mehr heilig ist. Da wird auf Teufel komm raus gekreuzt und gemischt. Ob das alles Sinn macht, was aus dem großen Marketing-Mixer quillt - egal, Hauptsache, wir sind crossover. So heißen auf Neudeutsch Klassen-Wanderer wie der 3008, der nicht so recht weiß, was er mal werden will. Die Franzosen versprechen "von allem das Beste" und liefern mehr Fragen als Antworten. Schon optisch ist der 4,37 Meter lange Grenzgänger grenzwertig. Das Riesenmaul aggressiv aufgerissen, die Überhänge massig, das Heck belanglos. Dazu Pseudo-
Offroad-Lametta, was ja derzeit eher an Glanz verliert. Zwischen dem
308 (4,27 m) und dem
308 SW (4,50 m) zwängt sich der 3008 in eine Nano-Nische. Halb Kombi, halb
SUV, halbherzig. In diesem engen Korsett soll er vor allem mit Platz und Variabilität punkten. Also eingestiegen und nachgemessen. Erst vorn. Typisches Van-Feeling mit extrem flacher Scheibe. Die Motorhaube taucht direkt hinter der Scheibe ins Nichts, der restliche Meter bis zur Schnauze lässt sich nur erahnen. Oder per Parkpieper hören. Wie modern!
Passagieren über 1,85 Metern Körperlänge droht Dachkontakt
AUTO BILD-Reporter Tomas Hirschberger hat im Fond ausreichend Platz. Ab 1,85 Meter Körperlänge wird es jedoch ungemütlich.
Nach schräg hinten sieht man übrigens auch nicht besser. Dafür gefällt die erhabene Thronposition hinterm Lenker. Rund 11,5 Zentimeter höher als im 308 SW, ungefähr auf
Tiguan-Niveau. Das mögen nicht nur Frauen... Die große Freiheit stellt sich trotzdem nicht ein. Denn
Peugeot mauert den Fahrer mit einer durchaus edlen, aber fetten Mittelkonsole ein. Der fühlt sich wie ein Jagdflieger in seinem
Kampfjet und schubbert mit den Knien nervös am breiten Schlagbaum. So richtig viel Platz lässt sich aus dem Crossover-Konzept auch nicht quetschen. Das riesige Glasdach und die nach hinten abfallende Dachlinie garantieren Passagieren ab 1,85 Meter Kuschel-Kontakt zum Wagenhimmel. Immerhin ist das Verwandlungstalent des 3008 keine leere Werbeblase – auch wenn verschiebbare Rücksitze nur mit Abwesenheit glänzen. Die Lehnen klappen per Fernentriegelung an der Kofferraumwand schwungvoll zu einer ebenen Ladefläche. Wird die Rückenlehne des Beifahrersitzes zusätzlich nach vorn geklappt, schluckt der Doppelnull-Dreier Lanzen bis 2,62 Meter Länge.
Weniger Laderaum als im 308 SW, dafür erfreut ein variabler Ladeboden
Ein wirklicher Lademeister ist der 3008 nicht: Die maximal 1241 Liter Kodderraumvolumen toppt der Bruder 308 SW locker (1736 Liter).
Gut durchdacht hat Peugeot den variablen Ladeboden, der sich dreifach in der Höhe verstellen lässt, und die geteilte Heckklappe. Ideal zum Beladen und herrlich als Picknickbank (bis 200 Kilo). Nur einen richtigen Griff zum Aufziehen hat er nicht. Design scheint wichtiger als saubere Finger. 432 bis 1241 Liter Kofferraumvolumen – so steht es in den Bewerbungsunterlagen des 3008. Das toppen sowohl Tiguan (470–1510 Liter) als auch 308 SW (573–1736 Liter) locker. Was abermals am Sinn dieser Kreation zweifeln lässt. Letztlich fordert gerade die hohe Bauart (1,63 m) weitere Kompromisse. Damit der 3008 nicht schaukelnd durch die Kurven rennt, hat Peugeot an der Hinterachse einen hydraulischen Wankausgleich eingebaut (ab 3008 Premium Serie). Das System sorgt tatsächlich dafür, dass der Franzose trotz Seitenneigung ohne mulmiges Gefühl den Elch-Test absolviert und sich auch sonst unauffällig durch den Alltag schlängelt.
Liebling der Langstrecke
Die gelungene Grund(ab)-stimmung prädestiniert den 3008 zum Liebling der Langstrecke, wenngleich er eher straff gefedert ist und über manche Querfuge überraschend plump stolpert. Auch wenn die Optik mit Alu-Unterfahrschutz und Schwellerleisten (Serie 3008 Platinum) Offroad-Talent suggeriert, sollte der Fronttriebler Geländeausflüge meiden. Statt
Allradantrieb hilft bei schwierigem Untergrund wie Sand oder Schnee immerhin die fünfstufige Traktionsregelung "Grip Control" weiter (200 Euro, siehe Kasten). Zwei Benziner (120 und 156 PS) und der von uns getestete 150-PS-Diesel sollen den
Crossover zunächst gegen
Tiguan & Co auf Kurs bringen. Kräftig und drehfreudig lässt der Zweiliter-Diesel keinen Zweifel daran, dass er ein idealer Partner für den pfundigen 1,6-Tonner ist. Trotz Hüftspeck saugt er nicht zu gierig am Dieseltrog (6,6 l/100 km) und rennt beachtliche 195 km/h. Knapp 30 000 Euro kostet das Top-Modell inklusive Abstandswarner,
Head-up-Display und Adventure- Look. Schon abenteuerlich.
| FAHRZEUGDATEN |
PEUGEOT 3008 HDi 150 |
| Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage |
Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb |
Zahnriemen |
| Hubraum |
1997 cm³ |
| kW (PS) bei U/min |
110 (150)/3750 |
| Nm bei U/min |
340/2000 |
| Höchstgeschwindigkeit |
195 km/h |
| Getriebe |
Sechsgang manuell |
| Antrieb |
Vorderradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten |
Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung |
215/60 R 16 H |
| Radgröße |
7 x 16“ |
| Abgas CO2 |
149 g/km |
| Verbrauch* |
7,2/4,8/5,7 l |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
60 l/Diesel |
| Anhängelast gebremst/ungebremst |
1500/750 kg |
| Kofferraumvolumen |
432–1241 l |
| * nnerorts/außerorts/gesamt auf 100 km |
|
| KOSTEN/GARANTIEN |
PEUGEOT 3008 HDi 150 |
| Abgasnorm |
Euro 5 |
| Steuer pro Jahr |
308 €* |
| Typklassen HPF/VK/TK |
16/20/20 |
| Werkstattintervalle |
30 000 km/2 Jahre |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion |
200/400 € |
| Garantie/Gewährleistung |
Garantie |
| Technik/km-Begrenzung |
2 Jahre/ohne |
| Grundpreis |
27.550 € |
| * steuerbefreit bis 31.12.2010 |
|
| MESSWERTE |
PEUGEOT 3008 HDi 150 |
| Beschleunigung 0–50 km/h |
3,4 s |
| 0–100 km/h |
9,7 s |
| 0–130 km/h |
16,5 s |
| Elastizität 60–100 km/h |
6,6 s (4. Gang) |
| 80–120 km/h |
11,9 s (6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung |
1590/490 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten |
62/38 % |
| Wendekreis links/rechts |
12,1/12,2 m |
| Bremsweg aus 100 km/h kalt |
39,6 m |
| aus 100 km/h warm |
40,9 m |
| Innengeräusch bei 50 km/h |
60 dB (A) |
| bei 100 km/h |
67 dB (A) |
| bei 130 km/h |
71 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 |
6,6 l Diesel – 175 g/km |
| Reichweite |
910 km |
Tomas Hirschberger
Fazit
Warum 3008 kaufen? Weil er anders ist, weil er stylish ist? Gut, akzeptiert. Wenn man ihn leiden mag, bitte. Faktisch aber kann dieser Crossover kaum was besser als der 308 und hat deutlich weniger Ladetalent als ein 308 SW. Was bleibt, ist ein zu schwerer, modisch aufgebrezelter Hochsitz-Mischling. Wer sich dort oben zwischen allen Stühlen wohlfühlt, bekommt zumindest ein technisch aufwendiges Auto mit pfiffigen Luxus-Details.
Kommentare zum Artikel (23)
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Ich habe mit dem Peugeot 3008 nur Probleme. Der Motor macht komische geräusche beim Gas geben, und beim Schalten macht es ein klackerndes geräusch. Wer kann mir helfen oder tipps geben?
@ Stefan G.: Schon mal einen Blick in die Verkaufszahlen geworfen? Der 3008 hat das angepeilte Ziel um 30% übertroffen. Soviel zum Thema "Gute Nacht, Peugeot!"
Da ich den 3008 schon über 1Jahr fahre kann ich sagen das es ein tolles Auto ist.Die Autotester denken doch nur auf Nobelauto niveau!
Habe auch den 3008 probegefahren (HDI 150 PS). Ein Supermotor, leise, kräftig. Kann schaltfaul gefahren werden. Auf der Autobahn ein Genuss. Eine sehr gute Lenkung ermöglicht zügiges Fahren auf der Landstrasse. Schlechte Sitze mit zu kurzer Sitzauflage un wenig Seitenhalt. Schade! Im Kofferraum findet man einen kratzempfindlichen Kunststoff. Das Ausehen der Mittelkonsole ist Geschmacksache, bleibt nur die Frage, wie lange sie sauber aussehen wird. Scheint mir sehr empfindlich!
Habe den Testbericht von den Autobild-Redakteuren 2x gelesen, weil ich nicht glauben kann was ich da lesen mußte. So wie in diesem Bericht ist ein Auto selten so "zerrissen" worden.
Merkwürdig ist , dass die Auto-Motor-Sport in zwei Testberichten vom 14.01.2009 und 11.05.2009 genau des Gegenteil beschrieben haben....
AutoBild wäre gut beraten, wenn man sich ein bisschen mehr an den Bedürfnissen des "Normal-Nutzers" orientieren würde.
Schön, dass nicht jeder das glaubt, was diese beiden "Test-Koryphäen" dahingeschrieben haben.