Test Porsche 911 GT3

— 09.06.2009

Im roten Bereich

Der hoch drehende Porsche 911 GT3 ist traditionell ein Sportwagen für Kenner und Könner. Auch die neue Generation der Zuffenhauser Fahrmaschine zeigt gewohnten Biss. AUTO BILD auf der Suche nach dem Limit der roten Asphaltrakete.



Ein Rest Lippenstift am Glas, ein Haar im Waschbecken, winzige Schuppen auf der Jacke – das reicht für eine DNA-Bestimmung. Das Mikroskop verrät die genetische Herkunft. So kleinlich muss man beim neuen Porsche GT3 nicht forschen. Zuffenhausener Gene, Rennsport-DNA? Reichlich da! Der GT3 ist auf den ersten Blick überführt. Semi-Slickreifen, Zentralverschlüsse an den Rädern, mächtige Lufteinlässe und der aberwitzig große Bügelbrett-Spoiler mit auffälliger 3.8-Prägung hinterlassen eindeutige Spuren. Hier räubert ein rein rassiger Rennwagen. Aber illegal ist der Porsche dabei nicht auf Tour. Nummernschilder, grüne Umweltplakette und Euro-5-Stempel im Fahrzeugschein erlauben ihm Freigang für den Straßenverkehr. Bloß: Wer soll es hier lange mit ihm aushalten?

Für den Alltagsbetrieb ist der sportlichste aller 911er ungeeignet

Die (optionalen) starren Sitzschalen aus Kohlefaser sperren den Fahrer in eine bewegungsunfähige Haltung. Dem schwergängigen Kupplungspedal mag man am liebsten mit der Brechstange beikommen. Der hochgezüchtete Motor holpert unruhig im Leerlauf, lässt das Auto nervös beben. Gleichzeitig rüttelt eine eisenharte Federung an der fahrenden Zwei-Mann-Zelle. Puh, Alltag geht anders. Dazu kommt, dass die Notsitze als hinterer Kofferraum wie beim normalen 911 ausfallen. Dem stellt sich der – aufpreisfreie – Überrollkäfig in den Weg. Man könnte vielleicht eine Reisetasche am Stahlgewirr vorbeizwängen. Aber nie wieder herausbekommen – lebenslänglich fürs Gepäck. Egal. Wir verhören in diesem Test schließlich den sportlichsten aller 911er, kein 08/15-Auto. Also, GT3, pack aus!

Der Sechszylinder-Boxer im Heck schiebt brutal bei jeder Drehzahl

Kraftpaket unterm Flügel: Der Boxer im Heck stellt 435 PS zur Verfügung.

Kraftpaket unterm Flügel: Der Boxer im Heck stellt 435 PS zur Verfügung.

Um es kurz zu machen: Der GT3 geht brutal, überwältigend und zu allem entschlossen ans Werk. Auf 3,8 Liter Hubraum aufgebohrt, wächst der Spaß ins Unendliche. Wenn der drehwillige Boxer mit seinen 435 PS zubeißt, lässt er über das gesamte Drehzahlband nicht mehr los, verwandelt die Kraft in schlupffreien Schub und explodiert förmlich beim Gasgeben. Erst über 8500 Touren lässt der Sechszylinder-Sauger wieder nach. Der kurze Schalthebel rutscht dabei schwergängig, knochig und mechanisch, aber herrlich endgültig und präzise durch die Gassen. So schafft die Rennsemmel fantastische 4,0 Sekunden bis 100 – das ist Ferrari-Niveau. Überwältigend souverän meistert der GT3 Kurven. Die gefühlvolle, direkte Lenkung mit perfekt dosierten Rückstellkräften findet in der strammen Radführung einen eingeschworenen Mittäter.

Zackiger, sauberer und spurstabiler lenkt kein anderer in dieser Liga ein. Und mit zunehmender Geschwindigkeit heftet der starre Heckflügel den GT3 immer stärker auf den Asphalt, wachsen Kurvenstabilität und Dauergrinsen des Fahrers um die Wette. Unter allen Umständen hält der GT3 den Kontakt mit der Straße. Das Auto saugt sich wie von Entzugserscheinungen getrieben an der Oberfläche fest, die Cup-Reifen haften hemmungslos am Bitumenbelag, das Fahrwerk paust die Asphaltbahn fehlerfrei ab – Straße und GT3 wirken dann so unzertrennlich wie Bonnie und Clyde auf der Flucht. Mit Folgen für die Bremsleistung. Die standfesten Keramik-Scheiben (8711 Euro extra) können so ihr Bestes geben. Warmbremswerte um die 30 Meter von Tempo 100 auf null sind AUTO BILD-Rekord. Und gefährlich – für Hinterherfahrende.

Gut, dass der GT3 wohl nur selten im Rudel auftauchen wird. Dafür sorgen allein schon die Kosten. 116.947 Euro Grundpreis, zu dem 7500 Euro Versicherungskosten pro Jahr und der Verbrauch von 13,7 Liter Super plus klingen verdächtig nach Einzeltäter. Das steht auch ohne DNA-Analyse fest.

Weitere Details zum Porsche GT3 finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Porsche 911 GT3
Motor Boxer, Sechszylinder, hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 3797 cm³
kW (PS) bei 1/min 320 (435)/7600
Nm bei 1/min 430/6250
Vmax 312 km/h
Getriebe Sechsgang manuell
Antrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Bereifung vorn/hinten 235/35 – 305/30 ZR 19 Y
Radgröße vorn/hinten 8,5 – 12 x 19"
Abgas CO2 303 g/km
Verbrauch* 19,8/8,9/12,8 l
Tankinhalt 67 l/Super plus
Kofferraumvolumen 105 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Zu schade für die Fahrt ins Büro, zu schnell für jede Landstraße, zu derbe für die Autobahn – dieser harte, starke und laute Porsche gehört auf die Rennstrecke. Wenn man sich diesen Spaß denn leisten kann. Aber auf dem Rundkurs zeigt der GT3 mit Inbrunst, was in ihm steckt: ein giftiger und rassiger Sportmotor, allerfeinste Fahrwerkabstimmung, enormer Grip, standfeste Bremsen, Faszination pur. GT3: Porsche hoch drei!

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