Test Porsche Cayman/Lotus Europa S — 09.08.2007

Rivalen der Rennbahn

Was den Porsche Cayman und den neuen Lotus Europa S von vielen anderen Sportwagen unterscheidet, ist die kompromisslose Positionierung – klein, schnell, hart. Ein erstes Duell auf der Rennstrecke.

Deutschland gegen England – das ewige Duell gewinnt an Dynamik. Nachdem die Deutschen im Fußball dominieren (siehe WM 2006), treffen sich die Gegner 2007 auf der Rennstrecke. Die Briten fahren mit dem neuen Europa S auf, die Deutschen wollen mit dem Porsche Cayman Paroli bieten. Ort des Geschehens ist aber kein Stadion, sondern die Motorsport Arena Oschersleben. Wer Lotus fahren möchte, musste schon immer Kompromisse eingehen. Vor allem beim Innenraum. Lotus hält für seine Insassen wie gewohnt eine äußerst schmale Kabine bereit. Große Fahrer müssen ihre Beine stark anwinkeln und stoßen schnell mit dem Kopf ans Dach. Weder elektrisch verstellbare Sitze noch andere technische Spielereien gehören zur Grundausstattung; umso erfrischender kommt diese Rückbesinnung auf die reine Fahrfreude an.

Beide Coupés lieben die sportliche Kurvenhatz

Im Porsche sitzt der Fahrer geradezu auf dem Bodenblech, streckt seine Beine weit in den schmalen Tunnel zu den Pedalen und zieht das etwas zu groß geratene Lenkrad nah zum Körper. Wer ein komfortables und leises Fahrzeug sucht, mit dem er lange Autobahnetappen mühelos abspulen kann, ist sowohl beim Cayman als auch beim Europa S an der falschen Adresse. Beide Coupés sind vornehmlich auf sportliche Kurvenhatz abgestimmt. Der Lotus Europa S ist mit einem von General Motors stammenden Zweiliter-Turbo und 200 PS ausgerüstet. Dabei bewegen die Pferde lächerliche 995 Kilo Leergewicht. Auf 245 PS und 1385 Kilogramm bringt es der Porsche. Der Boxer verlangt nach Drehzahlen. Ab 5000 Umdrehungen zersägt der Cayman dann regelrecht die Luft. Perfekt: die Abstufung des Sechsgang-Schaltgetriebes. Wechselt man haarscharf bei knapp über 7000 Touren den Gang, bleibt der Cayman nahtlos in Schwung. In diesem Zustand ist der Boxer in seinem Element – untermalt vom unverwechselbaren Klang.

Spielerisch und präzise bleibt der Porsche auf der Ideallinie

23,9 Sekunden bis Tempo 200: Das nennt man wohl Porsche-Feeling.

Noch gradliniger und gieriger marschiert der Lotus Europa S vorwärts. Bis 3000 Touren spielt sein Vierzylinder noch ganz den Braven. Weder Sound noch Schub lassen erahnen, was bei weiter durchgestrecktem Gasfuß losbricht. Sonor schnaubend und schlürfend schießt der englische Europäer mit Turbo-Power nach vorn und lässt seiner Drehfreude ungebremsten Lauf. Liegen die beiden Sportcoupés beim klassischen Sprint von null auf 100 km/h noch fast gleichauf, sieht es bei der Hatz auf 200 km/h schon anders aus. Der Lotus braucht dafür 25,1 Sekunden, der motorisch stärkere Porsche nur 23,9 Sekunden. Umgekehrte Verhältnisse dann bei den Elastizitäts-Messungen: Den Überholvorgang von Tempo 80 auf 120 km/h im fünften Gang erledigt der Lotus dank Aufladung und geringerem Gewicht in 6,5 Sekunden. Der Cayman genehmigt sich ganze zwei Sekunden mehr.

Kann der neue Lotus den Porsche auch auf der Rennstrecke abhängen? Obwohl der Cayman auf den ersten Blick bei den Messungen unterlegen scheint, zeigt er dem Lotus, dass geringes Gewicht nicht alles ist. Geradezu spielerisch und mit beeindruckender Präzision zieht der Porsche seine Runden auf der Ideallinie. Traktionsprobleme sind ihm fremd. Irgendwann stellt sich die Frage, was eher passiert: Ob der Grip der Räder abreißt oder sich der Asphalt auflöst – so sehr klebt der Porsche auf der Rennstrecke. Einzig die Lenkung mit großem Volant und üppigem Lenkeinschlag lässt etwas zu wünschen übrig. Dass der Mittelmotor-Sportwagen Lastwechselreaktionen mit anschließendem tückischem Kreiseln quittiert, muss der Cayman-Pilot nicht befürchten. Natürlich profitiert der Porsche hier vom teuren PASM-Fahrwerk (8032 Euro), dessen Sport-Einstellung ihrem Namen alle Ehre macht. In Oschersleben reichte es zu einer Rundenzeit von 1:50,37 Minuten.

ESP gibt es für den Lotus nicht einmal gegen Aufpreis

Puristischer Sportwagen: ESP entspricht nicht dem Stil des Lotus.

Etwas mehr Fingerspitzengefühl verlangt der Lotus Europa S, fordert man ihn auf der Rennstrecke. Trotz schmaler 175er-Bereifung an der Vorderachse baut der Europa S sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten auf. AUTO BILD SPORTSCARS-Testfahrer Dierk Möller-Sonntag: "Das Fahrwerk ist kompromisslos auf Rundkurse abgestimmt. Der Wagen übersteuert leicht beim Gaslupfen vor der Kurve, durch erneutes Treten des Gaspedals fängt er sich wieder und geht mit sehr hoher Querbeschleunigung neutral durch die Kurve." Ein helfendes ESP gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Das braucht man auch nicht, denn wer sich für den Lotus. Mit 1:50,88 Minuten ist der Lotus in Oschersleben genauso schnell wie sein deutscher Rivale.

Und was kostet der Fahrspaß? Sportwagen sind nach wie vor teuer. Lotus (49.100 Euro) und Porsche (48.879 Euro) liegen im Grundpreis dicht zusammen. Rüstet man den Cayman jedoch mit Annehmlichkeiten wie Xenon, Navigationssystem und Sportfahrwerk aus, stehen am Ende satte 67.000 Euro auf der Rechnung. Dem mit Navi, Leder und Klima gut ausgestatteten Lotus kann man lediglich andere Lackierungen spendieren. Wie das Duell ausgeht? Deutschland gewinnt nicht nur auf dem Fußballfeld, sondern auch auf der Rennstrecke ganz knapp. Pech gehabt, liebe Engländer. Kleiner Trost: Im Cricket seid Ihr eindeutig besser.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Guido Naumann

Vor einer solchen Entscheidung steht man gerne: Lotus oder Porsche?

Porsche Cayman: Der Basis-Porsche-Cayman ist ein ernst zu nehmender Gegner in der Klasse der zweisitzigen Sportler. Überzeugend verbindet er Fahrkomfort mit Fahrdynamik – auf der Rennstrecke schnell und trotzdem alltagstauglich. Lotus Europa S: Das neue Coupé von Lotus ist in puncto Fahrleistungen dem Porsche zwar etwas überlegen und fährt mehr die kompromisslose Sportschiene. Trotzdem gelingt es ihm nicht, den Cayman auf der Rennstrecke abzuhängen.

Technische Daten Porsche Cayman Lotus Europa S
Motor 6-Zylinder Boxer R4, Turbolader
Einbaulage Mitte längs Mitte längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/2
Hubraum 2687 cm³ 1998 cm³
Bohrung x Hub 85,5x78 mm 86x86 mm
Verdichtung 11,3:1 8,8:1
kW (PS) bei 1/min 180 (245)/6500 147 (200)/5400
Literleistung 91 PS/Liter 100 PS/Liter
Nm bei 1/min 273/4600 272/5000
Antriebsart Heck Heck
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 318 mm/innenbel./gelocht 288 mm/innenbel.
Bremsen hinten 299 mm/innenbel. 288 mm/innenbel.
Radgröße vorn / hinten 6,5x17 / 8x17 5,5x17 / 8x17
Reifen vorn / hinten 205/55R17 / 235/50R17 175/55R17 / 225/45R17
Reifentyp Michelin Pilot Sport 2 Bridgestone Potenza RE040
Länge/Breite/Höhe 4341/1801/1305 mm 3900/1714/1130 mm
Radstand 2415 mm 2330 mm
Leergewicht 1385 kg 995 kg
Leistungsgewicht 5,7 kg/PS 5,0 kg/PS
Zuladung 235 kg 249 kg
Tankinhalt 64 l 44 l
Höchstgeschwindigkeit 260 km/h 242 km/h
Messwerte
0– 50 km/h 2,2 s 2,1 s
0–100 km/h 6,3 s 5,9 s
0–130 km/h 10,0 s 9,3 s
0–160 km/h 14,4 s 13,7 s
0–200 km/h 23,9 s 25,1 s
Viertelmeile
0–402,34 m 14,47 s 14,21 s
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 6,8 s 4,9 s
80–120 km/h im 5. Gang 8,4 s 6,5 s
80–120 km/h im 6. Gang 10,6 s 8,1 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 37,0m (–10,0 m/s²) 38,7m (–10,0 m/s²)
100–0 km/h warm 36,8m (–10,0 m/s²) 39,9m (–9,7 m/s²)
200–0 km/h warm 145,6m (–10,7 m/s²) 158,7 m (–9,7 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 10,6 l Super Plus 11,0 l Super Plus
Reichweite 600 km 400 km
Preise in Euro (inkl.MwSt.) Porsche Cayman Lotus Europa S
Serienfahrzeug ohne Extras 48.879 49.100
Ausstattung
Parkassistent 487
Navigationssystem 2885
Lederausstattung 2820
Sportsitze 1826 S
Klimaautomatik 464 S
Sportfahrwerk 8032
Xenon-Scheinwerfer 1059
Lackierung Metallic 856 910
Preis Testwagen 67.308 Euro 50.010 Euro
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