Test Qashqai/CrossGolf/B-Klasse

Nissan Qashqai/VW CrossGolf/Mercedes B-Klasse Nissan Qashqai/VW CrossGolf/Mercedes B-Klasse

Test Qashqai/CrossGolf/B-Klasse

— 29.05.2007

Die neue Generation Golf

Ein Golf für alle Fälle? Das war einmal. Heute gibt es für jeden Fall einen anderen Golf – Variant, Plus und jetzt auch Cross. Hier muss der CrossGolf gegen Mercedes B-Klasse und Nissan Qashqai bestehen.

Reden wir nicht von Designtrends, sondern von Ehrlichkeit. Demnach müssten Nissan und VW die Bezeichnung "Bluff" am Heck tragen. Das würde zwar sicherlich seltsam wirken, würde aber der Wahrheit entsprechen. Denn CrossGolf und Qashqai sehen wie Allradler aus, aber sie sind es nicht. Gut, Toyota hat diesen Täuschungsversuch erfolgreich mit dem RAV4 vorgemacht. Auch der hatte in seiner Basisversion zeitweilig nur Vorderradantrieb. Erfinder der rollenden SUV-Attrappen aber war vor 31 Jahren Matra mit dem Rancho. Um die Verwirrung komplett zu machen: Beim Nissan handelt es sich eigentlich nur um eine halbe Mogelpackung. Denn immerhin gibt es ihn mit den stärkeren Motoren gegen 1850 Euro Aufpreis als Allradler. Das macht den in England gebauten Japaner nicht gleich zur Bergziege, bringt ihn aber weiter als seine Frontantriebs-Brüder. Keinerlei Offroad-Ambitionen meldet die Mercedes B-Klasse an. Sie ist schlicht ein geräumiges Kompaktmodell mit einer erhöhten Sitzposition. Gemeinsam ist den Kandidaten aber der Versuch, die Golf-Klasse auszudehnen, neues Terrain zu erobern. Der Nissan Qashqai lockt als moderne Zwischengröße zwischen dem Wolfsburger Urmaß und der hohen B-Klasse, der geschminkte Hochdach-Golf trägt einfach nur dick auf. So ist sie, die neue Generation Golf. Etwas eitel, aber so kreativ wie nie zuvor.

Das Hochbau-Konzept ist eine komfortable Sache

Diese "neue Generation Golf" setzt ihre eigenen Maßstäbe: Sie erhebt sich mit ihrem Hochbau-Konzept über gewöhnliche Kompakte. Nicht nur in die Jahre gekommene Golfer gewöhnen sich schnell daran, dass die Vordersitze in der tiefsten Position sieben (CrossGolf), zehn (Qashqai) oder sogar zwölf Zentimeter (B-Klasse) höher sind als in einem normalen Golf. Diese paar Zentimeter erleichtern das Einsteigen ungemein. Bei der Möblierung haben sich alle Hersteller große Mühe gegeben. Die Vordersitze von Nissan und Mercedes haben fast Couchsessel-Niveau, der VW verwöhnt mit serienmäßigen Sportsitzen. Und geteilt umklappbare Rücksitze (beim Qashqai leider nur die Lehne) verbessern den Nutzwert. Ebenfalls angenehm: Wer höher sitzt, der kann auch weiter sehen – aber nicht unbedingt besser. Das Wagen-Vorderteil entzieht sich bei allen dreien den Blicken, die seitlichen Fenstersäulen sind allesamt recht breit, die Heckscheibe des Nissan Qashqai ähnelt einer Schießscharte.

CrossGolf ist der Kürzeste und Höchste im Vergleich

Möchtegern: Die Geländebeigaben des Golf sind und wirken aufgesetzt.

Der Golf bietet hier den besten Kompromiss. Von außen sieht diese auf dem Golf Plus basierende Kreuzung aus Van und SUV aber gewöhnungsbedürftig aus. Die Gelände-Beigaben sind nicht nur aufgesetzt, sie wirken auch so. Hinzu kommt: Mit 4,23 Meter Länge ist der CrossGolf der Kürzeste des Trios, mit 1,65 Metern bis zum Dach aber auch der Höchste – was ihn im Vergleich sehr gedrungen erscheinen lässt. Dennoch ist er mit einem Kofferraum von 305 bis 1360 Litern der kleinste Lastenträger im Vergleich, darf mit 510 Kilo aber am meisten zuladen. Auch hat er als Einziger eine um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank. Die Mercedes B-Klasse hingegen beeindruckt mit der niedrigsten Ladekante (62 cm), der höchsten Anhängelast (1,5 Tonnen) und dem besten Qualitätseindruck. Der passt zum Ruf des Hauses, aber auch zum hohen Preis. Umso erstaunlicher, dass Sicherheitsdetails wie Kopfairbags vorn und hinten extra kosten. Nissan und VW haben sie serienmäßig.

Stramme 105 bis 109 Diesel-PS warten in den Maschinenräumen auf das Startsignal. Die Vierzylinder sind allesamt quer eingebaut und treiben über Sechsgang-Schaltgetriebe (VW nur Fünfgang) die Vorderräder an. Der mit 1,5 Liter Hubraum kleinste Nissan dämpft dabei seine Geräusche am besten, gibt sich aber eine Blöße: Er hat noch keinen Rußpartikelfilter. Der soll erst im nächsten Jahr lieferbar sein. Das bringt ihm zehn Minuspunkte im Kapitel Verbrauch/Umwelt ein. Allerdings wird der Qashqai-Fahrer mit dem niedrigsten Verbrauch getröstet. Der Mercedes glänzt mit Sprinter-Qualitäten, sein Sechsgang-Getriebe ist recht kurz abgestimmt. Egal ob Ampelspurt, Einfädeln auf eine Schnellstraße oder Autobahn-Temperament – er fährt den beiden Konkurrenten stets auf und davon. Doch wen die neue Generation Golf dank komfortabler Ausstattung mehr zur Gemütlichkeit verführt, der sollte Nissan wählen. Er ist messbar elastischer, und auch der VW lässt sich noch schaltfauler fahren als die Mercedes B-Klasse mit ihrem voluminösen Zweiliter-Motor.

Bei einer Testdisziplin gibt es keinen Punkte-Pardon: bei den Bremsen

Bremskönig: Der Qashqai steht aus Tempo 100 nach 36,9 Metern.

Alle drei Kandidaten sind übrigens recht kopflastig, was sie uns aber bei Fahrverhalten und -komfort kaum spüren lassen. Die Unterschiede sind minimal, die B-Klasse reagiert ein bisschen nervöser auf Stufen und Absätze, ihre Lenkung empfinden wir als etwas zu gefühllos. Doch wir meckern hier auf hohem Niveau. Ganze neun Punkte Unterschied gibt es am Ende dieses Dynamik-Kapitels und damit wieder einmal den grundsätzlichen Hinweis: Jeder Leser kann in jedem Kapitel Punkte weglassen oder verändern und so auf seine ganz eigene Endwertung kommen. Nur bei einer Testdisziplin gibt es keinen Punkte-Pardon: bei den Bremsen. Aus Tempo 100 steht der Nissan Qashqai (kalt) nach 36,9 Metern, VW CrossGolf und vor allem Mercedes B-Klasse rollen da noch. Und auch bei warmer Bremse müssen sie sich dem Nissan geschlagen geben.

Es war schon immer etwas teurer, einen Mercedes zu fahren. Aber so teuer? Immerhin kostet der Einstiegsdiesel 180 CDI 26.418 Euro, ehedem fast 51.700 Mark. Und um wie Nissan und VW auch eine Lenkrad-Längsverstellung sowie Kopfairbags vorn und hinten zu haben, muss der B-Klasse-Käufer weitere 428 Euro extra hinlegen. Zum Trost bleibt ihm das Gefühl, sich später einmal von der B-Klasse mit prozentual relativ geringem Wertverlust trennen zu können. Beim Qashqai (ein iranischer Nomadenstamm; wird Kaschkai gesprochen) bläst der fehlende Rußpartikelfilter trübe Wolken ins Ergebnis, ebenso der jährliche Wartungstermin.

Mercedes und VW holen ihre Wagen alle zwei Jahre in die Werkstatt, für Vielfahrer errechnen sie den richtigen Zeitpunkt. Auch beim CrossGolf stellt sich die Frage: Muss ein "Volks"-Wagen, der übrigens Ende Mai um 0,9 Prozent teurer wird, preislich in der Mercedes-Liga spielen? Zwei Höhenzentimeter und der Geländewagen-Look sind es nicht so richtig wert. Keine großen Unterschiede gibt es bei den Deutschen dagegen im Punkt Steuer und Versicherung. Die Vollkasko-Versicherung bevorzugt den VW, die Teilkasko den Mercedes. Den Nissan Qashqai stuft die Assekuranz bei der Teilkasko noch eine Klasse höher als den Golf ein. Nissan-Kunden können es mit Fassung tragen, sparen sie doch durch den günstigen Basispreis schon eine Menge Geld. 22.840 Euro – das ist ein Kampfpreis, der den Konkurrenten schwer zu schaffen machen dürfte. Vor allem: Er lässt noch genug Luft, um den fehlenden Rußfilter nachzurüsten.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

Redakteur Diether Rodatz

Ein Fiasko für den Mercedes: Er verliert jedes Kapitel und ist viel zu teuer. Der VW kann vieles besser, patzt aber ebenfalls im Kostenkapitel. Und seien wir ehrlich: Wer braucht einen Golf, der aussieht, als könne er John Wayne beim Viehtrieb helfen? Immerhin: Wer weniger auffallen will und dennoch Höhe, Platz und Übersicht mag, der kann ja auch den Golf Plus nehmen und 2100 Euro sparen. Die Überraschung kommt aus Japan. Der Nissan ist ein schickes SUV-Coupé mit sanftem, kräftigem Motor. Er ist der wahre Sieger und bleibt nur hinter dem Golf, weil er noch keinen Rußfilter hat.

Nachschlag: Der Qashqai wird länger

Nissan schickt den Qashqai in die Verlängerung, wird wohl Anfang 2008 eine um 20 Zentimeter gestreckte Variante bringen. Der lange Radstand schafft Raum für zwei Extra-Einzelsitze, die sich flach in den Boden falten lassen. Bis zur B-Säule bleibt der Siebensitzer mit dem kürzeren Bruder identisch, auch die Motoren werden übernommen: zwei Benziner (1.6/115 PS, 2.0/140 PS) und zwei Diesel (1.5/106 PS, 2.0/150 PS). Wie gehabt gibt es Vorderrad- oder Allradantrieb. Der in England gebaute und entwickelte Siebensitzer startet gegen Mitsubishi Outlander, Peugeot 4007 und Citroën C-Crosser.

Vorbild Rancho: Simca auf SUV gemacht

Hochdach-Kombis im Steinbeißer-Look? Keine neue Idee: Matra baute ab 1976 den Rancho, ab 1977 wurde er von Simca vertrieben. Basis war der 1100, allerdings mit 1,4-Liter- Motor und 80 PS. Es gab den Rancho nur mit Vorderradantrieb – fast 60.000 Stück wurden gebaut.

Autor: Diether Rodatz

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