Test Range Rover Sport Supercharged

Range Rover Sport 4.2 Supercharged Range Rover Sport 4.2 Supercharged

Test Range Rover Sport Supercharged

— 26.07.2005

Alles super?

Der neue Supercharged mit 390 PS soll Land Rover aus dem Sumpf holen. Kann er die Marke wieder auf die Überholspur bringen?

Evolution mit Erblasten

Land Rover hat es derzeit nicht leicht. Als britische Institution in Sachen Geländewagen zitiert die Marke zwar gerne die ruhmreiche Tradition, schlägt sich aber andererseits immer noch mit den Erblasten der jungen Vergangenheit herum. Die von 1994 bis 2000 dauernde Fremdherrschaft durch BMW nach Gutsherrenart hinterließ klaffende Wunden, auch durch problematische Techniktransfers aus Deutschland.

Seit 2000 pflegen die Amerikaner von der Ford Motor Company den englischen Patienten im idyllisch gelegenen Produktionsstandort Solihull. Dort ist man auf motivierte Mitarbeiter angewiesen, denn noch immer wird hier viel mehr von Menschenhand produziert als in den heute üblichen Roboterfabriken.

Zumindest scheint die amerikanische Führung für die englische Belegschaft bei weitem nicht so demotivierend zu sein wie das deutsche Regiment. Wie schon der seit letztem Jahr produzierte Discovery 3 entstand der neue Range Rover Sport bereits unter Ford-Regie. Praktisch ohne Einflußnahme der Amerikaner auf das Auto selbst, wie man aus England hört. Nur bei den Kosten redet die US-Company mit.

Der Dicke macht 'ne heiße Sohle

Trotz seiner Modellbezeichnung hat der Range Rover Sport weit weniger mit dem in allen drei Dimensionen größeren Range Rover zu tun, als es der Name annehmen läßt. Salopp formuliert, handelt es sich bei dem Neuling um einen verkürzten Discovery, jedoch mit komplett eigenständiger Karosserie. Chassis- und Fahrwerkskonstruktion, Allradantrieb, Getriebe und Motoren entsprechen sich im Grunde.

Die Auslegung ist allerdings eine ganz andere. Während der kantig-mächtige Discovery mehr auf Transportkapazität und Alltagsnutzen setzt, will der elegante, schlankere Range Rover Sport diejenigen ansprechen, die auch bei einem Geländewagen auf sportlichen Habitus und wirkungsvollen Auftritt nicht verzichten wollen. Optisch spielt der Neuling den Dynamiker im Hause Land Rover gekonnt. Und auch beim Fahrverhalten haben die Briten schier verzweifelt versucht, dem Elefanten das Tanzen beizubringen.

Nicht ohne Erfolg, denn dank aktiver Stabilisatoren und Stoßdämpfer wirkt der Range Rover Sport auf kurvenreichen Landstraßen keineswegs deplaziert. Trotzdem vollbringt die aufwendige Fahrwerkstechnik keine Wunder, und so spürt man vor allem in engeren Biegungen die gnadenlose Wucht der 2640 Kilogramm Leergewicht. Über die eingeschlagenen Vorderräder geradeausschiebend, kämpft der Brite somit in der gleichen Gewichtsklasse wie die ebenfalls übergewichtigen Porsche Cayenne und Volkswagen Touareg.

Very british: Der V8 ist immer Gentleman

Den Gegenpol zur Masse bildet in der Spitzenversion Supercharged ein von Konzern-Bruder Jaguar zugelieferter Achtzylindermotor mit 4,2 Liter Hubraum und Kompressoraufladung. Wer sich von seinen 390 PS einen brachialen Antritt erhofft, wird enttäuscht sein.

Denn der dezent wummernde V8 spielt eher den korrekten Gentleman: stets bereit für einen kräftigen Zwischenspurt, dabei aber nie rüpelhaft. Erst jenseits von 5000 Touren macht das jämmerliche Winseln des Kompressors unmißverständlich darauf aufmerksam, daß man gerade dabei ist, den Bereich britischer Zurückhaltung zu verlassen. Wer es noch dezenter mag, kann den ansonsten fast gleichen V8 auch ohne Kompressor ordern – dann mit 91 PS weniger. Oder gar einen V6-Turbodiesel mit 190 PS.

Der kräftige Jaguar-Motor arbeitet mit einer Automatik aus dem deutschen Hause ZF zusammen. Das Sechsgang-Getriebe schaltet fast immer sinnvoll und bemüht sich überdies auch, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Zuviel versprechen sollte man sich davon nicht, denn auch die diszipliniertesten Sparkünstler in der Redaktion konnten den Konsum an teurem Superbenzin nicht dauerhaft unter 13 Liter/100 km zwingen. Im flott gefahrenen Alltagsbetrieb muß man mit 18 bis 20 Liter/100 km rechnen.

Betriebskosten, Preise und Ausstattungen

Da Allradantrieb und Fahrwerk grundsätzlich dem jungen Discovery entnommen wurden, gibt es hier beim Range Rover Sport keine Überraschungen. Der permanente Allradantrieb mit 50:50-Kraftverteilung hat auch bei Nässe keine Mühe, die 390 PS auf den Boden zu bringen.

Dank automatischer und dabei stets konsequent agierender Differentialsperren im zentralen Verteilergetriebe und an der Hinterachse gibt es auch im Schlamm keinen Mangel an Traktion. Eher an Bodenfreiheit. Denn trotz höhenverstellbarer Luftfederung bleiben maximal 195 mm Abstand zwischen Auspuffanlage und Grund. Also noch einmal 30 mm weniger als beim Discovery. Hier bietet die Konkurrenz von VW und Porsche mehr.

Fazit, technische Daten und Testwerte

Fazit von AUTO BILD ALLES ALLRAD-Redakteur Martin Braun: Stilvoll auffällig ist er, der neue Range Rover Sport. Die britische Alternative zu den bekannten Oberklasse-SUV von BMW, Mercedes, Porsche und VW verführt mit charmanter Eigenständigkeit und viel Komfort. Den Namenszusatz Sport verdient der kräftige und durstige Kompressor-V8 zu Recht. Sportliche Fahrweise hingegen begrenzt das extrem hohe Gewicht, das aus der konstruktiv engen Verwandtschaft zum ebenfalls bleischweren Discovery resultiert.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Range Rover Sport Supercharged. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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