Test Renault Grand Scénic TCe 130 — 28.05.2009
Ein einladendes Angebot
Mehr bieten, weniger kosten – so will der Grand Scénic den Thron der Kompaktvans zurückerobern. Das könnte klappen. Beim neuen Grand Scénic hat Renault ganz gezielt die Schwächen des Vorgängers ausgemerzt.
Der Renault Grand Scénic TCe 130 bleibt ein sanfter Riese
Das schwungvolle Cockpit wirkt mit seinen weich geschäumten Oberflächen nun hochwertiger. Am zentralen Mäusekino, dem Display, scheiden sich allerdings die Geister: französischer Avantgarde-Chic oder billiges Playstation-Plagiat? Immerhin: Die sechs wählbaren Anzeigen-Darstellungen sind einwandfrei ablesbar, zudem befriedigen sie den Spieltrieb. Zum Wohlfühl-Ambiente des Franzosen wollen sie jedoch nicht recht passen. Da gefällt uns die Raumaufteilung schon besser. Vorn luftig wie im Reisebus, dahinter lümmeln auch Lange bei ganz zurückgeschobenen Sesseln extrem entspannt. Als Siebensitzer fordert er dagegen Kompromisse. Für 700 Euro extra klappen mit einem Griff zwei vollwertige Sitze aus dem Boden. Dafür muss die zweite Reihe nach vorn rücken, sonst bleibt den Hinterbänklern zu wenig Knieraum. Fazit: nur eine Notbank für Kinder – das können Touran und Zafira aber auch nicht besser.Für Urlaubsfahrten: Der Kofferraum fasst 678 bis 785 Liter
Wenn nötig, wandelt sich der Grand Scénic in einen talentierten Umzugshelfer. Die Einzelsitze im Fond lassen sich verschieben, hochklappen oder ganz ausbauen. So packt der Van selbst Sperriges bis 1,88 Meter Länge und 1,03 Meter Breite. Für Urlaubsfahrten passen, je nach Position der Fondsitze, immer noch 678 bis 785 Liter in den Kofferraum – genug für das Gepäck von Papa, Mama und drei Kindern. Das Feriendomizil darf dabei ruhig in weiter Ferne liefegen. Denn der Grand Scénic ist trotz des straffer abgestimmten Fahrwerks noch ein sanfter Riese, der selbst üblen Flickenteppichen ihren Schrecken nimmt. Angenehmer kann man in dieser Klasse tatsächlich kaum reisen. Kein Vergleich zum harten Touran.Dass das Heck auf groben Wellen kurz nach schwingt, ändert nichts am herausragenden Komforteindruck. So genießt man an Bord umso mehr die neu gewonnene Dynamik. Mit breiterer Spur, zusätzlichem Hilfsrahmen für Motor und Vorderachse sowie verbesserter Lenkung flitzt der stattliche Van jetzt deutlich präziser und flinker durch Kurven. Sicher sowieso, dafür sorgen ein wachsames ESP und standfeste Bremsen. Das harmonische Gesamtbild des Grand Scénic komplettiert der 130-PS-Motor. Ein geschmeidiger Antrieb, der spontan anspricht und untenrum genügend Dampf hat, um den 1,6-Tonner souverän durch den Alltag zu ziehen. Mit durchschnittlich 8,5 Liter Super hält er sich beim Trinken zudem zurück. Der Blick zum Basisbenziner (1,6 Liter, 110 PS) lohnt nicht, er verbraucht mehr. Der Diesel ist 2100 Euro teurer. Falls es dennoch eine Nummer kleiner sein soll: Der 22 Zentimeter kürzere Scénic startet Ende Juni2009 – ab 19.100 Euro.
Wertungen
Karosserie Reichlich Platz vorn und hinten, in der dritten Reihe wenig Knieraum. Sehr großer, variabler Kofferraum (208 bis 2063 Liter). Siebensitzer mit Stufe in Ladefläche bei ausgebauten Rücksitzen. Gute Verarbeitung, zum Teil schlecht entgratete Kunststoffteile.Antrieb Kultivierter, munterer Motor, der gut am Gas hängt und den stattlichen Van souverän beschleunigt. Testverbrauch 8,5 Liter Super akzeptabel, bei Vollgas fordert der 1,4-Liter-Turbo aber Zuschlag.
Komfort Üppige Ausstattung, u. a. mit Klimaanlage, Alurädern, Licht- und Regensensor. Motor- und Windgeräusche sehr gut gedämmt. Angenehmer Federungskomfort, straff gepolsterte Sitze, aber wenig Seitenhalt.
Fahrverhalten Ausgewogene Straßenlage, trotz komfortabler Federung wenig Wankneigung. Fahrverhalten im Vergleich zum Vorgänger agiler und präziser. Sehr gut abgestimmtes ESP, hohe Fahrsicherheit, kräftige und standfeste Bremsen.
Kosten Günstiger Kaufpreis, angemessener Testverbrauch, moderate Wartungskosten. Bei Vollkasko langen die Versicherungen jedoch kräftig zu, hier kommt der Renault teurer als die Konkurrenten Touran, Zafira und Grand Picasso.
Das gefällt uns: Verarbeitung, Materialanmutung und Fahrdynamik – hier hat der Scénic spürbare Fortschritte gemacht.
Das fehlt uns: Der TCe 130 erfüllt nur die Euro-4-Norm, Start-Stopp ist noch nicht lieferbar, Hybridoder Elektroantrieb sind ebenfalls Zukunftsmusik.
Das überrascht uns: Das integrierte TomTom-Navigationssystem mit 5,8-Zoll-Bildschirm ist für nur 490 Euro zu haben.
| Fahrzeugdaten | Renault Grand Scénic TCe 130 |
|---|---|
| Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Kette |
| Hubraum | 1397 cm³ |
| kW (PS) bei U/min | 96 (130)/5500 |
| Nm bei U/min | 190/2250 |
| Höchstgeschwindigkeit | 195 km/h |
| Getriebe | 6-Gang |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 205/55 R 17 H |
| Radgröße | 7,0 x 17“ |
| Abgas CO2 | 173 g/km |
| Verbrauch* | 9,7/6,0/7,3 l |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 60 l/Super |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | 1300/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 208–2063 l |
| * innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | |
| Kosten/Garantien | |
| Abgasnorm | Euro 4 |
| Steuer pro Jahr | 94 Euro |
| Typklassen HPF/VK/TK | 15/20/18 |
| Werkstattintervalle | 30.000 km/2 Jahre |
| Kosten Ölwechsel/Inspektion | 120/350 Euro |
| Garantie/Gewährleistung | Garantie |
| Technik/km-Begrenzung | 2 Jahre/ohne |
| Grundpreis | 22.400 Euro |
| Messwerte | |
| Beschleunigung | |
| 0–50 km/h | 3,7 s |
| 0–100 km/h | 11,3 s |
| 0–130 km/h | 18,9 s |
| Elastizität | |
| 60–100 km/h | 8,2/10,6 s (4./5. Gang) |
| 80–120 km/h | 11,1/14,1 s (5./6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung | 1568/519 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten | 57/43 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,7/11,4 m |
| Bremsweg | |
| aus 100 km/h kalt | 36,7 m |
| aus 100 km/h warm | 36,7 m |
| Innengeräusch | |
| bei 50 km/h | 59 dB (A) |
| bei 100 km/h | 67 dB (A) |
| bei 130 km/h | 72 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 8,5 l S – 201 g/km |
| Reichweite | 700 km |
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Kommentare zum Artikel (4)
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Anmerkung zum Beitrag von Runenverwalter
16 Zoll Alus sind durchaus verfügbar in der Dimension 205/60 R16. Und bei Bestellung dieser Räder gibt es 100 € Nachlass.
Nach Lesen dieses Testes, einer Besichtigung in natura und einem Vergleich zum Citroen C4 Grand Picasso in natura, habe ich immer noch nicht herausgefunden, wo der Hase im Pfeffer liegt!? Rundum gelungen - außer einer leider nicht serienmäßgen 16´´-Bereifung verbunden mit einem /60 oder /65-Querschnitt, der merklich noch komfortabler wäre und Sprit sparen würde. Auch der jetzt hinzugekommene "normale" Scénic ist gelungen´, die Front wirkt auf mich sogar noch besser, das Heck wiederum finde ich beim Grand Scénic schöner. Jetzt fehlt nur noch die Entscheidung - welchen nehmen?
Ein wunderschöner Test. Der Wagen ist sicherlich schön und komfortabel. Aber wer dieses Auto möchte, sollte sich darauf einstellen, dass es scheinbar nicht lieferfähig ist. Terminankündigungen werden immer wieder verschoben. Zubehöre, die im Katalog als lieferbar angegeben sind, sind nicht verfügbar. Wer sich nicht auf dieses dünne Eis warmer Worte begeben möchte, sollte sich beim Wettbewerb umschauen. Und dieses Statement kommt von einem alten Renault-Kunden, der seit seinem R5 schon viele andere Renaults sein Eigen genannt hat und jetzt im Regen steht.
Und welchen Nachteil soll Euro 4 haben? Hätte der Wagen Euro 5, würde er auch nur eine lachhafte Steuerbefreiung bekommen.
Ab 01.07.09 spielt die Euronorm für die Besteuerung eh keine Rolle mehr.
Ab 01.07.09 zahlt man für diesen TCE 140€ im Jahr, egal welche Abgasnorm der Motor hat.