Test Renault Kangoo – Dacia Logan Kombi

Renault Kangoo gegen Dacia Logan Kombi Renault Kangoo gegen Dacia Logan Kombi

Test Renault Kangoo – Dacia Logan Kombi

— 23.11.2006

Der Charme des Schlichten

"Geiz ist geil" war gestern. Heute propagiert Dacia die neue Bescheidenheit: Schlicht ist schön – preiswert sowieso. Und mit dem Logan Kombi wird es ab 2007 sogar richtig geräumig.

Preise, Daten, Messwerte

Plus 235 Prozent. Und das innerhalb eines Jahres. Von solchen Zahlen können die meisten Unternehmen derzeit nur träumen. Vorgelegt hat dieses Traumergebnis der rumänische Renault-Ableger Dacia. Wenngleich wir hier von insgesamt nur 4246 Fahrzeugen reden (Januar bis September 2006). Doch wenn Töchterlein so gut gedeiht, ist die Mama natürlich stolz – und auch ein wenig neidisch. Denn im Vergleichszeitraum hat Renault bei uns ein Minus von 13,8 Prozent eingefahren. Dacia hingegen dürfte weiter aufblühen.

Kombi gegen Kangoo: Dazwischen liegen rund 5000 Euro.

Denn ab Januar 2007 schicken die Rumänen ihren Preisbrecher Logan auch als Kombi ins Schnäppchen-Paradies. Und dann müssen wir selbst einen Renault Kangoo, den wir bislang immer als besonders günstig eingeschätzt haben, mit anderen Augen sehen. Für den Kangoo 1.6 16V Edition Campus mit 95 PS verlangt Renault 15.500 Euro. Auf dem Preisschild des Logan Kombi 1.6 MPI mit 87 PS wird 10.150 Euro stehen – schon mit 19 Prozent Mehrwertsteuer. Nach aktuellem Steuersatz läge der Ost-Import noch unter 10.000 Euro, der Basis-Logan (75 PS) kostet gar nur 8400 Euro. Wo dieser märchenhafte Preisvorteil herkommt, ist im wahrsten Sinne des Wortes zu fühlen. Die Materialien im Innenraum des Dacia (siehe Video) scheinen nicht nur billig zu sein, sie sind es auch. Zudem fallen die Sitzpolster ebenso dünn aus wie die Ausstattung – leider auch im Bereich der Sicherheit. Dreipunktgurte für alle, ABS, Frontairbags, Schluss. Das hätte uns vor ein paar Jahren noch gereicht, heute sind die Standards deutlich höher. Der (ebenfalls nachlässig verarbeitete) Kangoo erfüllt sie zumindest teilweise. Ein ESP suchen wir zwar auch bei ihm vergebens, doch im Renault schaffen Seitenairbags vorn, Bremsassistent sowie Gurtstraffer plus Gurtkraftbegrenzer vorn deutlich mehr Vertrauen. Und für die Baby-Schale kann der Beifahrerairbag abgeschaltet werden. Ist der Dacia also eher ein billiger Karpaten-Schreck als eine echte Kombi-Alternative?

Voll beladen benimmt sich das Logan-Heck etwas eigenwillig.

Sicher nicht. Schon optisch zeigt der Ost-Import, dass Sparen nicht zwangsläufig Verzicht bedeutet. Mit Kombiheck kann sich der Logan absolut sehen lassen, bleibt frei von jeder "Geiz ist geil"-Peinlichkeit. Darüber hinaus überzeugt er mit bravem Fahrverhalten und ordentlichen Bremsen. Beim Elchtest treten erst mit voller Zuladung Probleme auf, dann drängt das Heck eigenwillig zur Seite. Kein Drama und von Vielfahrern durchaus korrigierbar, dennoch ein klares Plädoyer fürs ESP.

Einen Schleuderschutz kann der Kangoo bekanntlich ebenfalls dringend brauchen. Beim abrupten Ausweichen erschreckt der Kastenwagen seine Insassen mit unerwarteten Einlagen. Auch beim Bremsen bekleckern sich die Franzosen nicht wirklich mit Ruhm. 42 Meter – das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Ablösung des Kangoo ist 2007 überfällig. Tochter Dacia hat dazugelernt. Waren die Bremswerte des Logan anfangs katastrophal, so steht der Kombi aus Tempo 100 nun knapp unter 40 Meter. Nicht berühmt, aber ausreichend. Und nicht an die von uns getesteten Michelin-Reifen gebunden. Als Erstausrüstung sind auch Debica-Pasio-Reifen im Gespräch. Die polnischen Billig-Gummis des zu Goodyear gehörenden Herstellers hatten wir ebenfalls auf dem Dacia getestet. Ergebnis: Fahrverhalten kaum beeinträchtigt, Bremsweg nur einen Meter länger.

Fazit und Wertung

Großzügig gehen die Rumänen mit dem Raum um. Der 4,45 Meter lange Logan Kombi schluckt ganz entspannt eine fünfköpfige Familie plus Urlaubsgepäck. Lange Kerls zwickt es in der zweiten Reihe zwar früher als im 41 Zentimeter kürzeren Kangoo, doch dafür gibt es den Logan sogar als Siebensitzer. Für 500 Euro Aufpreis fährt im Kofferraum eine dritte Bank mit, die sich aufrecht hinter die zweite Reihe falten lässt. Und viel mehr als nur Notsitze bietet. Die geteilt umlegbare Fondbank macht den Einstig nach ganz hinten erträglich, der Platz reicht sogar für 1,90-Meter-Mannen.

Auch der 1,6-Liter-Motor dürfte den meisten reichen. In der Stadt schnurrt der Achtventiler flott durch den Verkehr, 87 PS schaukeln uns gemütlich übers Land, erst auf der Autobahn wird der 1,6-Liter zäh – und durstig. Im Schnitt müssen es 8,8 Liter sein, auf schnellen Etappen können es bis zu 14 Liter werden.

Der günstige Logan Kombi ist besser als der betagte Kangoo.

Da entspannt der vernünftige Komfort des Kombis schon eher. Obwohl er für gewichtige Transportaufgaben spürbar straffer abgestimmt wurde als die Limousine, hinterlässt der Last-Logan einen ausgewogenen, verbindlichen Eindruck. Der in den Federn weichere Kangoo nimmt fiese Fahrbahnfehler zwar gelassener, schaukelt aber auch deutlicher nach. Hoffentlich ist er nicht auch nachtragend. Denn sein unschlagbar günstigen Bruder aus Pitesti erteilt dem Kangoo eine echte Lektion.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Gerald Czajka

Keine Frage: Der Logan Kombi ist im Sinne unseres Testschemas absolut kein perfektes Auto. Doch er ist besser als der betagte Kangoo. Und er ist ein fast perfektes Angebot für Leute, die einen geräumigen und günstigen Wagen für die alltäglichen Aufgaben suchen. Egal ob Großeinkauf oder Geburtstags-Shuttle, der Logan Kombi packt es. Und das für diesen Preis – Gratulation!

Autor: Gerald Czajka

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