Test Renault Nepta

Fahrbericht Renault Nepta Fahrbericht Renault Nepta

Test Renault Nepta

— 09.11.2006

Renault beflügelt die Sinne

Ein Cabrio mit Flügeltüren, die so lang sind wie ein Kleinwagen – das kann doch nur ein Traum sein? AUTO BILD durfte die Paris-Studie Nepta weltexklusiv fahren.

Flügeltüren beflügeln vor allem eines: die Fantasie. Wie wäre das wohl, auf den Pariser Champs-Élysées oder in Cannes auf der Croisette den Renault Nepta zu öffnen? Ich drücke einen kleinen Knopf – was dann unter sanftem Surren himmelwärts schwingt, sind nicht nur die Türen. Es ist die ganze Seite, ach was, das halbe Auto. Die Flügel sind 3,76 Meter lang, vom Verdeckkasten bis über den Motorraum, aus dem ein bildschöner Sechszylinder blinzelt. Was für eine Show! Was für ein Auto! Damit auf den Champs-Élysées ...

Wir kennen Autos mit Flügeltüren, die alten SL, Lambos, Porsche 917. Und wir kennen elegante, lang gestreckte Cabrios. Aber ein Cabrio mit Flügeltüren, eines wie den Renault Nepta, das gab es noch nie. Die Kombiwirkung dieser beiden automobilen Schönheits-Ideale ist umwerfend spektakulär. Draußen, unter freiem Himmel noch mehr als auf dem Pariser Salon, wo dieses einmalige Showcar seine wichtigste Wirkung schon zur vollen Zufriedenheit seiner Schöpfer erzielte. "Ahhs" und "Ohhs" soll es produzieren, "Guck doch!" und vor allem: "Macht noch mal die Tür auf, bitteee!"

Schöne Aussichten: Der Nepta trägt die Design-Linien künftiger Serienautos.

Renault hat – dafür ein großes "Merci" nach Frankreich – den Nepta exklusiv für AUTO BILD in die Sonne gerollt. Für eine letzte, die schönste Cabrio-Ausfahrt am Ende eines herrlichen Sommers. Die Straße ist nass, das wird der Elektronik unter dem millionenteuren Einzelstück nicht gerade guttun. Dafür strahlt der Tag gleich noch freundlicher, als das exakt fünf Meter lange Schiff im Herbstlicht glitzert. Nepta also, benannt nach dem römischen Gott des Meeres. Dessen Formen und Bilder tauchen im Design des Renault überall auf. Das abfallende Heck erinnert an die unerreichte Eleganz der Riva-Boote. Die mittlere Bremsleuchte ist eine scharfe und zackige Rückenflosse. Und die Flanke glänzt spiegelglatt, bis auf eine leichte, genial geschwungene Blechwelle – eine der schönsten Lichtkanten der letzten Jahre. Zumindest diese hinreißende Linie wollen wir doch in Serie sehen.

"Der Nepta trägt die Design-Linien künftiger Serienautos", sagt Stéphane Janin, bei Renault seit September 2006 Direktor für Concept-Cars. Wir übersetzen: Schluss mit den scharfen, geometrischen Formen, Renault versenkt umstrittene Hinterteile wie das vom Mégane. Jetzt kommt das sanftere Meeres-Design. Na ja – in Renaults neuer See-Weise spielt der künftige Twingo, wie er auf dem Pariser Salon stand, wohl noch den eckigen Stör.

Klares Design auch innen: Die Sitze erinnern an erstarrte Segel.

Klar wie Wasser präsentiert sich im Nepta das Interieur, bei dem Renault-Designer wieder ihr Touch-Design zeigen: wenige, einfach verständliche Knöpfe – schön, schön, aber das wollen wir nun endlich in Serienautos begreifen! Verspielt nur die Instrumente, deren hochwertig matt glänzende Skalen an Autos aus den 60er-Jahren erinnern. Die vier Sitze stehen fest verankert auf Aluprofilen, verstellen lassen sich auf Knopfdruck nur die Positionen von Lenkrad und den drei alugerahmten Pedalen – ein Unsinn, den formverliebte Designer immer wieder gern ausgraben. Mit dieser Technik passen Sitzwölbung und -neigung nämlich nur dem Norm-Franzosen. Der germanische Gast krümmt sich demütig hinter die Frontscheibe, die auf Spiegel oder Scheibenwischer gleich ganz verzichtet.

Ich starte mit Knopfdruck. Der 3,5 Liter große Sechszylinder von Nissan bollert los. 420 PS wären technisch möglich, sind aber in der Studie elektronisch kräftig gezügelt, damit es das wertvolle Stück nicht zerreißt. Geschaltet wird die Automatik mit einem Drehknopf auf der Mittelkonsole. Stellung D rein, und der Nepta tuckert los mit der Gelassenheit eines unterforderten Sportmotors. Ahhh, Fahrtwind. Drohten vorhin nicht Regenwolken? Mahnte Stéphane Janin etwa zur Vorsicht? Alles vergessen. Der Nepta besitzt die verblüffende Eigenschaft von Riva-Booten: In voller Fahrt wirkt das Schiff noch schöner. Fotografin Angelika ruft im Scherz: "Steht dir gut."

Die Wahrheit lautet: Dieser Nepta steht jedem gut. Hier könnte Jean-Baptiste Grenouille hocken, das Scheusal aus dem Film

420 PS wären möglich, die Studie ist aber kräftig gezügelt.

"Das Parfum", und die Massen würden ihm begeistert zujubeln. Würden. Denn die traurige Wahrheit lautet: Der Nepta wird nie gebaut. Er ist ein Traumauto. Nix Champs-Elysées. Seine glatte Nase, die sehen wir wieder. Vielleicht am nächsten großen Renault, der eine flachere Limousine wird und sicher nicht aussieht wie der erfolglose Vel Satis. Beim Nachfolger greift Renault in seinem weltweiten Baukasten zur kostensenkenden Technik der koreanischen Tochter Samsung. Sehr vernünftig, das Ganze. Aber sicher nicht so beflügelnd wie die 3,76 Meter langen Schwingen des Nepta.

Autor: Joachim Staat

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