Test Rolls-Royce Mansory Conquistador — 26.04.2007
Herrscher der Straße
Dieses Auto war mal ein Rolls-Royce – nobel, gediegen, auf Understatement getrimmt. Lang, lang ist's her. Der Mansory Conquistador ist überwältigend, martialisch und auffällig bis zum Gehtnichtmehr.
Die Resonanz vom Genfer Salon gibt ihm recht: Rückte auf dem Messestand doch die versammelte Rolls-Royce-Mannschaft an – inklusive Chefdesigner Ian Cameron. Und zwar nicht, um den Veredler wegen Blasphemie zu verfluchen, sondern um andächtig staunend vor dem modifizierten Produkt aus dem eigenen Hause zu verharren. Mansory vollzieht mit dem Rolls-Royce, was er zuvor mit Bentley und Aston Martin begonnen hat: ganz großes Kino. Er baut um, reißt raus, schraubt ab, montiert an und lackiert neu: Kotflügel, Räder, Sitze, Lenkrad, Armaturenbrett, Türen, Fenster, Blechkleid. Räder: beim Serienauto zu schmächtig. Als Ersatz dienen gigantomanische 24-Zöller – gelungener Kontrast zur überbordenden Karosserie des Briten. Kotflügel: Austausch des Blechteils gegen eine Variante mit Auslassöffnungen im Range-Rover-Stil. Karosserie: neue Frontstoßstange mit Kühlergrill-Verlängerung. Heckschürze mit doppelt übereinander befindlichen Auspuffenden. Seitenschweller mit Alu-Flanken.
Auf einmal sind Themen wie die CO2-Debatte irrelevant
Beleuchtung: LED-Tagfahrlicht in der Front, Seitenspiegel mit Außenblinker. "Implementierte Ambiente- Lichteffekte" im Innenraum. Interieur: grob strukturiertes "Wide-Carbon" in Verbindung mit Ahornholzintarsien und Alcantara. Sportlenkrad. Neu gelederte Sitze. Türen: verlängerte Innengriffe für verbessertes Handling. Entertainment: elektrische Businesstische im Fond mit Multimediamonitoren. Fenster: Scheiben in "Suspended-Particle-Device"-Technik. Die ermöglicht der Besatzung per Drehregler, von durchsichtig auf Milchglas-Optik zu wechseln. Vorzug: Der Pöbel sieht nicht rein – krass ausgedrückt. Nachteil: Man sieht nicht hinaus, deshalb bleibt die Frontscheibe ausgenommen. Klingen all diese Maßnahmen bereits sehr eindrucksvoll, erweist sich der wahre Meister beim Kombinieren und Abschmecken. Und den hat der Rolls in Mansory gefunden: Beim Anblick des Conquistador sind Themen wie CO2-Debatte und alternative Antriebe urplötzlich irrelevant.Nur noch zwei Fragen sind für den Betrachter von Bedeutung: Habe ich in meinem ganzen Leben schon jemals etwas derartig Beeindruckendmonumentalwunderschönes gesehen? Und: Wie fährt sich das Dickschiff? Relativ seriennah: Der Auspuff brüllt nicht, er säuselt. Die Federung kommt mit den riesigen Rädern gut zurecht. Kleine Einschränkung: Mit Schleifgeräuschen bei Kurvenfahrt gewinnt man keinen Krieg. Zum Gesamtkunstwerk fehlt nur noch ein letzter Baustein: mehr Leistung. Bisher muss sich der veredelte Rolls-Royce mit Kennfeld-optimierten 498 PS begnügen (Serie 460 PS). Mansory entwickelt aktuell einen Hubraummotor. Damit soll das Auto 300 km/h rennen. Damit hat der Conquistador dann endgültig das Zeug zum größten Feldherren-Gefährt aller Zeiten. Kontakt: Mansory, Tel. 09236/ 96 82 50, www.mansory.com

































