Test Rolls-Royce Phantom Coupé — 18.11.2009
Superluxus-Coupé im Härtetest
AUTO BILD testet einen Rolls-Royce, als wäre er irgendein Auto. Shocking, oder? Aber wir rütteln gern am Thron, denn das Coupé soll der Sportler der Phantom-Reihe sein. Hoheit, start your engine please!
Hier geht es zu den neuen Markenseiten von autobild.de
Zunächst: Es kann Münder aufklappen. Das Phantom Coupé protzt so selbstverständlich mit raumgreifenden Formen und seinem eingebauten Königs-Gen, dass es überall auffällt und Respekt hervorruft. Wenn der Rolls auf der Autobahn die Spur wechseln will, lässt man ihn rein. Umgekehrt spielt sein Fahrer ungern wilde Sau – die silberne Emily am Ende der langen Haube erzieht zu Nachsicht und Gelassenheit. Die Haltungsfrage stellt der Rolls-Royce des Öfteren. Wie steigt der Fahrer bei hinten angeschlagenen Türen ein? Kopf zuerst? Mit dem Hintern voran ist es bequem, damit umkurven die Beine den breiten Schweller, der allzu leicht die Hosen verschmutzt. Im engen Fond fragt man sich, wohin bloß die ganze Autolänge verflogen sein kann. Immerhin verführt die kuschelige Sitzrunde zu Fantasien, die für ältere Rolls-Besitzer meist solche bleiben. Auch die hohe Kutschbock-Position der Frontsitze verlangt Gewöhnung – aha, deshalb sitzen Rolls-Chauffeure oft so steifgebügelt: Das Lenkrad lässt sich nicht weit genug rausziehen. Die Einrichtung mixt Klassik-Jacht-Stil mit Neo-Zuckerbäcker-Chrom. Glänzend, hochwertig, leicht altbacken.
Geister-Nachwuchs: Rolls-Royce Ghost
Der Aha-Effekt, den die Verarbeitung – auch nicht besser als in teuren Mercedes – heute kaum mehr bieten kann, wartet im Detail. Etwa den Luftdüsen im Look schwerer Boccia-Kugeln. Oder den sechs Stationstasten fürs Radio – wie simpel wird hier Studio-Qualität verpackt! Oder dem Sternenlicht-Dachhimmel aus 1500 LEDs – ein völlig sinnfreies Extra für 10.710 Euro, und doch ordern es angeblich vier von fünf Kunden. Ein Rundinstrument neben dem Tacho zeigt an, wie viel Motorkraft in Prozent jeweils noch abrufbereit lauert. Immer genug, um den Puls zu beschleunigen, zu wenig für Herzrasen. Den Zwölfzylinder haben die Entwickler darauf getrimmt, ab Leerlaufdrehzahl flüsterleise Drehmomentberge zusammenzuschaufeln und mit der Sechsstufenautomatik schmetterlingssanfte Schaltvorgänge zu zelebrieren. In der Stadt gleitet das Phantom Coupé unerreicht leise. Sein zweites Wesen offenbart das Phantom erst auf Knopfdruck. Drückt der Fahrer die S-Taste am Lenkrad, dreht der Zweitürer die Gänge höher aus und spielt den Gran Turismo im XL-Format. Erstaunlich, wie 460 PS den 2,6 Tonnen schweren Brocken scheinbar schrumpfen lassen und ihn in sechs Sekunden auf Tempo 100 schleudern. Danach geht es ansatzlos weiter, bis zu finalen 250 km/h – ohne dass Majestät je seine Souveränität verliert. Mit königlichen 3,32 Meter Radstand schwebt der Brite noch erhabener als eine S-Klasse, nur laute Windgeräusche von der A-Säule stören den luxuriösen Reisegenuss.
Ein echter Kurvenkünstler kann der schwere Rolls-Royce nicht werden
Doch ein Kurvenkünstler kann der Phantom nie werden, trotz strafferer Sitze und Dämpfer als in der Limousine. Gar nicht königlich neigt er sich im Slalom zur Seite, ohne aber schaukelig zu werden. Die Lenkung zu leicht, das Auto zu schwer – der Rolls absolviert die Prüfung wie ein Gentleman den Abi-Ball seiner Tochter: ungern, aber mit Anstand. Einmal noch, Majestät geben Gummi: Elchtest. Wir kurbeln am Volant, der Po wackelt – doch das Phantom Coupé gibt sich keine Blöße. Sein ESP (hier: DSC) gestattet erstaunlich deutliche Heckschwenks, bevor es eingreift, doch der Riese lässt sich leicht und vor allem ohne Tücke beherrschen. Er quietscht, er qualmt, er quält sich. Am Ende steckt halt doch eine Menge BMW in diesem Rolls-Royce. Auch wenn diese Test-Art so gar nicht zu ihm passt. Weitere Details zum Rolls-Royce Phantom Coupé gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Rolls-Royce Phantom Coupé |
|---|---|
| Motor | V12, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette |
| Hubraum | 6749 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 338 (460)/5350 |
| Nm bei 1/min | 720/3500 |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Getriebe | Sechsstufenautomatik |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung vorn/hinten | 255/50 R 21 W — 285/45 R 21 W |
| Radgröße vorn/hinten | 8 x 21" — 9,5 x 21" |
| Abgas CO2 | 377 g/km |
| Verbrauch* | 23,2/11,3/15,7 l |
| Tankinhalt | 100 l/Super plus |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | keine |
| Kofferraumvolumen | 395 l |
| * innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | |
| Messwerte | Rolls-Royce Phantom Coupé |
|---|---|
| Beschleunigung | |
| 0–50 km/h | 2,4 s |
| 0–100 km/h | 6,0 s |
| 0–130 km/h | 9,4 s |
| Zwischenspurt | |
| 60–100 km/h | 2,9 s |
| 80–120 km/h | 3,9 s |
| Leergewicht/Zuladung | 2590/460 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten | 49/51 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,8/13,2 m |
| Bremsweg | |
| aus 100 km/h kalt | 37,1 m |
| aus 100 km/h warm | 37,8 m |
| Innengeräusch | |
| bei 50 km/h | 52 dB (A) |
| bei 100 km/h | 61 dB (A) |
| bei 130 km/h | 68 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 16,3 l SP – 386 g/km |
| Reichweite | 610 km |
Kommentar verfassen









































Kommentare zum Artikel (20)
Erstellt
Inhalt
Funktion
Wer so eine Karre kauft will anderen zeigen dass er wichtig ist und viel Geld hat. Viele Autos bieten ähnliches wie der Rolls-Royce zu einen Bruchteil des Preises.
wenn rolls royce dann das drophead coupe
das über cabrio schlecht hin
Testen sie lieber Audi. Die AudiBild-Redakteure haben im RR nichts zu suchen. Das wäre so, als würde man die Wald- und Wiesenmaler zu Kunstkritiker machen.
@ smartie: Du irrst. AudiBild ist der verlängerte Arm der VW PR-Abteilung. Daher kann man über dieses Blatt nur noch scherzen.
Das ist doch die "alte" Azure-Karosserie, ein bisschen aufgehübscht - ähnlich dem Bentley Brooklands - aber sonst noch ganz die hübsche alte. Warum musste BMW diese leichte Linie aber mit diesem Eiche-rustikal-Schrankwandkühlergesicht versehen? Schön ist der Wagen nur noch von hinten bis allenfalls schräg hinten.
Ein schöner Po und aber eine extrem hässliche Schnauze...