Test Ruf 911 R Kompressor

Ruf R Kompressor Ruf R Kompressor

Test Ruf R Kompressor

— 22.05.2006

Der Ruf der Wildnis

Mit 435 PS schließt der Ruf R Kompressor gezielt die Lücke zwischen Carrera S und Turbo. Dabei vertrauen auch die Allgäuer auf das Prinzip der Aufladung – ein Kompressor setzt den Sechszylinder mit 0,6 Bar unter Druck.

Tuningmaßnahmen und Preis

"Turbo-Vertrag sofort abzugeben, gegen Gebot." Meist folgt in solchen Kleinanzeigen eine Chiffre-Nummer, auf die die ganz Versessenen antworten können. Jene Unverbesserlichen, die es nicht abwarten können, den stärksten und neuesten Elfer ihr Eigen nennen zu dürfen. Dabei gibt es durchaus attraktive Alternativen zum neuen Turbo. Noch dazu in allen denkbaren Karosserieformen. Ob breit oder offen, Allrad- oder Heckantrieb. Beim Allgäuer Porsche-Spezialisten Alois Ruf gibt es bis zu 435 PS sofort – ohne Wartezeit!

Als Basis für die Umrüstung auf die Ruf-Kompressortechnologie dienen alle Sauger-Modelle der 996- und 997-Baureihen. Je nach Typ – Vorgängermodell oder aktueller Elfer – verspricht die Allgäuer Manufaktur 60 respektive 80 zusätzliche PS. Und weil ein guter Ruf verpflichtet, fällt der Umbau gemäß dem hohen Anspruch des Hauses umfangreicher aus als bei der Konkurrenz. So beschränken sich die Modifikationen nicht nur auf die obligatorische Reduzierung der Verdichtung, den Einbau eines Laders und die Neuprogrammierung des Steuergeräts. Erst die Detaillösungen machen den Ruf R Kompressor zu dem, was er ist: eine ziemlich ernsthafte Turbo-Alternative.

Die einzelnen Bausteine der Leistungskur sind rasch zusammengestellt. So übernimmt die Sauerstoffversorgung des Boxers ein Radialverdichter, der über ein Planetengetriebe betrieben wird. Er stellt in seiner Arbeitsweise Quasi einen mechanischen Turbolader dar, der riemengetrieben die Brennräume mit Frischgas versorgt. Damit auf dem Weg dorthin nicht unnötig Energie vergeudet wird, kommt zusätzlich ein im Hause konstruiertes und strömungsoptimiertes Ansaugsystem mit zwei wassergekühlten Ladeluftkühlern zum Einsatz.

Technische Daten und V-Max

Gesunde Temperaturen gewährleistet die elektrische Pumpe, die das Kühlmittel vom Heck zur Front und zurück transportiert. Lange Wege zwar, aber das war bei den Heckmotor-Porsche noch nie anders. Die i-Tüpfelchen der Modifikationen bilden die eigens von Ruf entwickelten Einspritzventile und die geänderte Software des Motormanagements. So weit also die technische Seite. Doch wie sieht es mit den Emotionen aus? Stehen sie in einem gesunden Verhältnis zur Investition von immerhin knapp 19.000 Euro? Die Antwort fällt eindeutig aus: Jawohl!

Denn der Ruf R Kompressor hebt sich wohltuend von den Versuchen jener Tuner ab, die auf dem Papier ihren Produkten Leistungen und Drehmomente frei nach dem Motto "Wünsch Dir was!" attestieren. Um später bei konkreter Nachfrage der Redaktion mit dicken Backen dazustehen und bisweilen mit ziemlich faulen Ausreden passen zu müssen. Nicht so bei Ruf. Der giftgrüne Elfer stellte seine Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis, sowohl neben als auch auf der Rennstrecke. Lediglich das instabile Kaltstartverhalten des Sechszylinders trübte den beinahe perfekten Gesamteindruck. Laut Alois Ruf soll jedoch auch das bald der Vergangenheit angehören, die Manieren sollen besser werden.

Sind die Temperaturen jedoch erst einmal im grünen Bereich, gibt es keinen Anlaß zu weiterer Kritik. Der Motor überzeugt mit sehr guter Fahrbarkeit und Gasannahme. Das Plus an Drehmoment wird obendrein so souverän und selbstverständlich serviert, daß der Begrenzer anfangs höchst überraschend zuschlägt. Von zugeschnürt, weil aufgeladen, kann keine Rede sein. Völlig frei dreht das Triebwerk bis zur Abregeldrehzahl hoch. Ganz nebenbei rollt es dabei einen Klangteppich aus, der seinesgleichen sucht. Das Klangspektrum reicht von kehligem Röcheln bis hin zu wohligem Blubbern, das die Haare auf den Armen schlagartig senkrecht stehen läßt.

Fahrleistungen und Fazit

Um kein falsches (Klang)-Bild entstehen zu lassen: Der Ruf R Kompressor ist nicht einfach plump laut, er zuckelt bei Bedarf in der Innenstadt lammfromm und dezent vor sich hin. Erst bei nachhaltiger Leistungsabfrage verrät er sich – doch dann um so kerniger. Noch dramatischer klingt es für die Außenstehenden. Die Abgase scheinen bei Vollast regelrecht aus den beiden Endrohren herausgerissen zu werden. Schaurig-schöne Töne für Klangfetischisten – sie kommen hier voll auf ihre Kosten.

Gekrönt wird der Gesamteindruck durch die Bereifung. Ruf entschied sich bewußt für den Pirelli P Zero Rosso Assimmetrico. Akkurat beim Einlenken, viel Traktion an beiden Achsen und gute Rückmeldung im Grenzbereich sind Argumente, die manch anderen verkappten Rennwagen im direkten Vergleich ziemlich alt aussehen lassen. Selbst dann, wenn er auf der Stoppuhr schneller ist als der Ruf R Kompressor. Aber den Spagat zwischen Alltag und Rennstrecke konnten bisher nur ganz wenige so lässig bedienen, wie es der bayerische Laubfrosch vermag. Guter Ruf verpflichtet eben.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Autor Philip Tonne: Das Kompressor-Kit von Ruf ist ein gelungener Wurf und zudem mit knapp 19.000 Euro inklusive Montage für die avisierte Klientel preislich sehr attraktiv. Abzüge gibt es sowohl für die etwas zu klein dimensionierte Bremse als auch für das Kaltstartverhalten. In der Summe seiner Eigenschaften beweist der 997 R Kompressor jedoch eindrucksvoll, daß weniger manchmal durchaus mehr sein kann.

Autor: Phillip Tonne

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.