Sandero/Polo/Fabia/Aveo/Getz

Chevrolet Aveo Skoda Fabia Dacia Sandero VW Polo Hyundai Getz AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

Test Sandero/Polo/Fabia/Aveo/Getz

— 18.07.2008

Frischer Wind in der Sparklasse

Alle jammern über Energiepreise, nur Dacia dreht das Rad zurück. Der günstige Sandero wirbelt mit seinem Preis die Klasse der Sparautos durcheinander. Ein Vergleich mit VW Polo, Skoda Fabia, Chevrolet Aveo und Hyundai Getz.

Wir wählen schon mal das Unwort des Jahres: Kosten-Explosion. Die Preise steigen und steigen. Bei Mieten und Heizung, bei Benzin und Versicherung. Da freut sich Otto Normalverbraucher doch so richtig, wenn er ein neues Schlupfloch zum Sparen entdeckt. Wenn Preise sinken oder ein verblüffend günstiges Auto auftaucht wie der Dacia Sandero: Ab 7500 Euro gibt es den Kompakten. Keiner ist billiger. Das Preiswunder aus Rumänien passt perfekt in die Stimmung, in die Zeit. Aber was kann der Dacia Sandero im Vergleich mit Spar-Modellen wie Chevrolet Aveo und Hyundai Getz oder den Klassen-Champions Skoda Fabia und VW Polo? Jetzt wird es in drei Testkapiteln ernst für die rollende Rabattmarke.

Weder außen noch innen ist der Dacia Sandero billig oder peinlich

Man läuft einmal um ihn herum. Noch mal. Nein, nichts am Sandero wirkt billig oder peinlich, der müffelt nicht nach Sparmodell. Auch innen nicht, wo das neue Dacia-Cockpit keine Gerüche mehr ausdünstet und als Topversion "Lauréate" (10.000 Euro) sogar Aluglanz aufträgt. Man fühlt sich behaglich, mit dem meisten Platz für Schultern und dem größten Kofferraum (320 bis 1200 Liter). Dafür wird es in der zweiten Sitzreihe eng. Es ist halt Bescheidenheit gefragt. Gibt ja auch keine Tippfunktion am Scheibenwischer, das Tankschloss öffnet nur mit dem Schlüssel. Wie beim Fabia, der doch sonst so praktisch veranlagt ist. Seine Sitze passen den unterschiedlichsten Figuren, die gesamte Rückbank lässt sich umlegen. So zaubert der solide Skoda aus knapp vier Meter Länge das Maximum: reichlich Kniefreiheit im Fond und bis zu 1163 Liter Kofferraum.

Der Polo vermittelt das typische Volkswagen-Gefühl

Das typische VW-Gefühl: Materialien, die man gerne anfasst, Polster für die Ewigkeit.

Mit seiner vorbildlichen Sicherheit (sechs Airbags, ESP Serie) übertrifft er sogar den Polo, der wieder mal das typische VW-Gefühl verströmt: Materialien, die man gern anfasst, Polster für die Ewigkeit, aber eine magere Ausstattung. Sogar elektrisch verstellbare Außenspiegel kosten 121 Euro Aufpreis. Das können auch die Billigheimer Chevrolet Aveo und Hyundai Getz nicht mehr besser. Beide sind ähnlich knapp geschnitten, mit festen, aber wenig konturierten Sitzen ausgestattet. Der Aveo gefällt mit guter Übersicht dank großer Außenspiegel. Als Einziger hat er serienmäßig ein Radio an Bord. Der Hyundai ist in diesem Feld spürbar das älteste Auto: knallblauer Stoff auf Sitzen und Türverkleidungen kann nicht über Schwächen wie die schlecht eingepasste Heckklappe hinwegtäuschen.

Ach, hätten alle einen Motor wie der Getz: drehfreudig, 97 PS stark, auf der Autobahn für Tacho 190 gut. Das war’s dann aber, denn der Hyundai enttäuscht mit seiner allzu straffen Federung und einer gefühllosen Lenkung, Immerhin bieten die Koreaner den Schleuderschutz ESP für 600 Euro Aufpreis an – und den hat der Hyundai Getz auch dringend nötig, denn bei abgeschaltetem System keilt der Kleine mit dem Hinterläufen aus. Noch schlimmer der Chevrolet Aveo. Nicht nur, dass der kleinste Motor mit nur 1,2 Liter Hubraum wie zugeschnürt wirkt. Es wird sogar gefährlich, weil der Mini-Chevy im Bremstest erst nach indiskutablen 42,2 Metern steht. Und soll er beladen mit vollem Urlaubsgepäck plötzlich einem Lkw ausweichen, dann drängt sein kurzes Heck tückisch Richtung Graben. Da sparen die Amis an der falschen Stelle – oder ist der Aveo, der in Polen gebaut wird, etwa nur für budgetorientierte Ostblock-Käufer geplant?

Der Skoda Fabia verliert ein wenig beim Fahrkomfort

Der Testsieger: Mit sechs Punkten Vorsprung schlägt der Fabia den Polo.

Wie es besser geht, zeigt der Sandero, der mit langen Federwegen wie gemacht erscheint für Holperpisten in der tiefsten Provinz. Das wirkt im ersten Moment schaukelig und lässt für den Elchtest Schlimmes befürchten, doch der Dacia hält auch mit höchster Beladung sauber die Spur. Alles gut? Nein, denn aus Tempo 100 steht der Rumäne erst nach miesen 41,6 Metern. Bremsen waren nie ein Glanzpunkt bei Dacia, aber wenn hinten Renault draufsteht, sollte das Auto besser stoppen. Vorbildlich zeigen sich hier die VW-Ableger, Pardon: Skoda Fabia und VW Polo. Souverän in der Federung, sicher durch modernes Fahrwerk – plus ESP. Da unterm Blech die gleiche Technik steckt, fallen Unterschiede knapp aus. In unserem Test-Skoda beschleunigte der leise 1,4-Liter-Motor schlechter als sonst, zudem trat er mit sportlichen 16-Zoll-Rädern an (640 Euro Aufpreis). Ergebnis: Der Fabia bremst etwas besser, lenkt knackiger ein, verliert aber spürbar beim Fahrkomfort. Da steht der Polo mit seinen serienmäßigen 14-Zöllern harmonischer da.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat ist überrascht vom Sandero.

Der Skoda Fabia gewinnt, weil er viel Platz, Sicherheit und günstigen Unterhalt bietet, vor dem fast identischen, aber teuren Polo. Hinten landen Chevrolet Aveo und Hyundai Getz. Nur günstig zu sein reicht eben nicht aus, wenn Sicherheit und Komfort nicht stimmen. Am meisten überrascht der Dacia Sandero: einfach, solide, konkurrenzlos günstig. Seine Schwächen sind Bremsen und ESP. Trotzdem ein Auto, das Käufer wie Hersteller aufrütteln wird – denn ab sofort gilt ein neuer Preismaßstab.

Hier der komplette Vergleich mit allen Tabellen als pdf. Weitere Infos zu den fünf kleinen Sparmobilen finden Sie oben in der Bildergalerie.

Autor: Joachim Staat

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