Test Seat Ibiza 1.9 TDI

Seat Ibiza 1.9 TDI Seat Ibiza 1.9 TDI

Test Seat Ibiza 1.9 TDI

— 02.05.2008

So kriegt Seat die Kurve

Seat, das Sorgenkind im Volkswagen-Konzern, startet durch. Der neue Kleinwagen Ibiza soll die Spanier zurück auf die Siegerstraße bringen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Ich gebe zu: Den Ibiza hatte ich gar nicht mehr auf der Rechnung. Das war zuletzt ein Auto, das so gar nichts rüberbrachte. Kein Flair, keine Ausstrahlung – ein charakterloser kleiner Kerl. Doch diese Zeit ist vorbei. Vergessen Sie alles, was Sie über Seat und speziell den Ibiza gedacht haben. Einfach streichen und ganz neu anfangen. Mit einem weißen Blatt Papier. Schauen Sie sich den Neuen einmal ganz in Ruhe an. Der sieht kernig aus, hat Profil, zeigt scharfe Linien. Mutig das Ganze, aber auch erfrischend. Unter den Kleinwagen dürfte bereits dieser Auftritt für Furore sorgen. Erst recht, wenn wir etwas genauer hinsehen. Wie sauber die Blechteile gearbeitet sind, wie penibel zurechtgerückt, wie sorgfältig der Innenraum arrangiert ist. Das ist meilenweit entfernt vom Vorgänger, das ist eine andere Welt. Die Bestätigung für diesen ersten Eindruck finde ich im Seat-Werk. In Martorell bei Barcelona, wo der Ibiza gebaut wird. Dort zeigt mir der ehemalige Audi-Manager und heutige Seat-Chef Erich Schmitt, wie er bei Seat die Produktion umgekrempelt hat. Da wird nicht mehr ein Auto einfach nur zusammengeschraubt, da wird nach strengsten Vorgaben zusammengefügt, nichts dem Zufall überlassen. Ständig im direkten Abgleich mit der Urform – damit die Spaltmaße stimmen. Kein Zweifel: Hier wird Qualität direkt produziert und nicht hinterher herbeigeprüft. Klingt gut, aber was hat der Kunde von dieser Sorgfalt?

Der neue Ibiza fährt sich wie ein Großer

Da klappert nichts: Die Materialien sind einfach, aber sehr sauber verarbeitet.

Erst einmal sieht das Auto hochwertiger aus, klar. Aber merkt man das auch beim Fahren? Steigen wir ein. Sitzposition etwas tiefer als bisher, gute Sitze, Lenkrad in Höhe und Weite einstellbar. Klares Cockpit, die Zahlen in den Rundinstrumenten wirken etwas verloren, sind aber gut abzulesen. Die ersten Kilometer verblüffen mich total: nix alter Ibiza. Das ist ein ganz anderes Auto! Dürfte ich die Augen schließen, ich würde glatt auf VW oder sogar Audi tippen. So fest, so stramm, so sicher habe ich mich noch in keinem kleinen Seat gefühlt. Die Lenkung gibt gute Rückmeldung, vermittelt mir genau das Gefühl, was ich für den sauberen Kurvenschnitt brauche. Die Federung lässt mich die Straße spüren, ohne jede Fuge gleich weiterzureichen. Die Abstimmung ist so gekonnt, dass Kurvenräubern ebenso Spaß macht wie die gemütliche Kaffeefahrt sonntags mit Oma. Dass die garantiert nicht grantelt, liegt auch am ordentlichen Platzangebot. Vorn gibt es im Ibiza ohnehin nichts zu mäkeln, aber auch auf der Rückbank lässt es sich länger aushalten. Die Kopffreiheit ist ausreichend (plus 23 mm gegenüber dem Vorgänger), und auch die Knie lassen sich ohne Verrenkungen unterbringen. Ach ja, der Kofferraum hat mit 292 Litern (plus 25 Liter) jetzt auch ein ordentliches Format.

Unter der Haube arbeitet noch ein Pumpe-Düse-Diesel

Pumpe-Düse: Der kleine Seat vertraut noch auf das alte TDI-Prinzip. Das ist kein Nachteil.

Zum Motor: Unser Testwagen hatte den 1,9-Liter-TDI unter der Haube. 105 PS, 240 Nm Drehmoment. Das ist zwar der alte Pumpe-Düse-Diesel, aber recht gut gedämmt. Und kein bisschen nervig. Er hängt gut am Gas, hält sich in den oberen Gängen aber spürbar zurück. Mit einem Wort: kultiviert. Der Biss ist weg, die um 20 Prozent längere Endübersetzung raubt zwar Temperament, passt aber viel besser in unsere Zeit. 4,5 Liter pro 100 Kilometer beziehungsweise 119 Gramm CO2 verspricht Seat für den Diesel – das wäre ein sehr guter Wert. Ist der neue Ibiza also sein Geld wert? Ich meine ja. 17.660 Euro für den 105-PSDiesel (Basis-Benziner mit 70 PS ab 12.190 Euro) sind zwar sehr selbstbewusst, angesichts der hohen Qualität und umfangreichen Ausstattung mit ESP und Kopf-Thorax-Seitenairbags vorn aber fair. Es gibt zwar billigere Konkurrenten, aber ob die es mit dem Spanier aufnehmen können? Ich habe da so meine Zweifel ...
Fahrzeugdaten Seat Ibiza 1.9 TDI
Motor/Hubraum Vierzylinder, Turbo/1896 cm³
Leistung 77 kW (105 PS)
Drehmoment bei 1/min 240 Nm/1900
0–100 km/h 10,6 s
Vmax 186 km/h
Verbrauch (l/100 km) – CO2 4,5 l D – 119 g/km
Leergewicht/Zuladung 1125/501 kg
Typklassen HPF/VK/TK 20/19/21
Preis ab 17.660 Euro
Plus schickes Design, sicheres Fahrverhalten, hohe Qualität, gute Ausstattung, sparsam
Minus hoher Preis, Diesel im 4./5. Gang recht lahm
AUTO BILD-Note 2
Konkurrenten • VW Polo 1.9 TDI, 100 PS, 16 555 Euro • Skoda Fabia 1.9 TDI, 105 PS, 17 240 Euro
Fazit Glückwunsch, Seat. Der Ibiza ist attraktiv, solide gearbeitet, fährt gut und hat pfiffige Details. So hat er das Zeug zum Klassenprimus.
Motorenpalette (Benziner)
Typ 1.2 12V 1.4 16V 1.6 16V
Motor Dreizylinder Vierzylinder Vierzylinder
Hubraum 1198 cm³ 1390 cm³ 1598 cm³
kW (PS) 51 (70) 63 (85) 77 (105)
Nm bei 1/min 112/3000 132/3800 153/3800
0–100 km/h 15,0 s 12,2 s 10,6 s
Vmax 163 km/h 175 km/h 193 km/h
Verbrauch EU-Mix 5,9 l Super 6,2 l Super 6,9 l Super
CO2 139 g/km 149 g/km 164 g/km
L/B/H 4052/1693/1445 mm
Preis ab 12.190 € ab 13.290 € ab 15.760 €
Motorenpalette (Diesel)
Typ 1.4 TDI 1.9 TDI 1.9 TDI
Motor Dreizyl., Turbo Vierzyl., Turbo Vierzyl., Turbo
Hubraum 1422 cm³ 1896 cm³ 1896 cm³
KW (PS) 59 (80) 66 (90) 77 (105)
Nm bei 1/min 195/2200 noch k. A. 240/1900
0–100 km/h 12,9 s noch k. A. 10,6 s
Vmax 176 km/h noch k. A. 186 km/h
Verbrauch EU-Mix 4,7 l Diesel noch k. A. 4,5 l Diesel
CO2 127 g/km noch k. A. 119 g/km
L/B/H 4052/1693/1445 mm
Preis ab 14.790 € ab 15.390 € ab 17.660 €

Autor: Jürgen von Gosen

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.