Test Smart fortwo cdi

Der Smart fortwo cdi und seine Öko-Konkurrenten Der Smart fortwo cdi und seine Öko-Konkurrenten

Test Smart fortwo cdi

— 12.06.2007

Sparwunder Diesel-Smart

Nur 3,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer – kein anderes Serienauto ist sparsamer als der Smart fortwo cdi. Leider ist sein Rußfilter nur die zweitbeste Lösung.

Da parkt das sparsamste Serienauto der Welt am Straßenrand, und keiner guckt hin. Warum nur? Weil dieses Wunderding ein ganz normales Smart fortwo Cabrio ist, silbergrau, mit schlichtem cdi-Schriftzug am Heck – dem einzigen Kennzeichen für die Diesel-Version, die jetzt in den Handel kommt. Dieser Fortwo cdi hat den niedrigsten Kohlendioxid-Ausstoß weltweit – ein Rekord, mit dem der Kleine ganz groß rauskommen sollte. Doch nun stört ein Fleck auf der weißen Weste: Der Zweisitzer schafft zwar die Euro-4-Abgasnorm, hat aber vorerst keinen vollwertigen Rußfilter, sondern nur ein offenes System, das weniger Partikel aus dem Abgas fischt. Wird der Saubermann damit zum Dreckspatz?

Erstaunlich: Mit einer Tankfüllung kommt der Smart 1000 km weit.

Halten wir uns zunächst an die Fakten. Nach drei Benzin-Motoren, die Ende März mit dem neuen Smart fortwo eingeführt wurden, folgt nun das Sparschwein. Der Diesel hat einen unverändert 0,8 Liter großen Dreizylinder, der erstaunliche Werte verspricht. Die geänderte Motorsteuerung sowie eine verstärkte Abgasrückführung bringen zehn Prozent mehr Leistung (45 statt bisher 41 PS), zehn Prozent mehr Drehmoment (110 statt 100 Nm) bei 13 Prozent geringerem Verbrauch. Macht 3,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer – auf dem Papier kommt der sparsamste Smart mit jeder Tankfüllung 1000 Kilometer weit. Aber wer fährt schon mit dem Floh nonstop von Flensburg nach Passau? Nein, sein Revier ist die City, da dürfte beim Durchschnittsverbrauch eine Vier vor dem Komma stehen. Soweit immer noch vorbildlich.

Kein Turboloch beim Anfahren

Verbessert: Der neue Smart rollt komfortabler ab als sein Vorgänger.

In der Stadt wuselt der 2,70-Meter-Winzling erwachsen und wendig herum. Fahrwerk und Lenkung sind genauso abgestimmt wie beim Benziner. Er rollt nun also etwas komfortabler ab als früher, scheidet aber immer noch die Geister. Die einen finden ihn hoppelig und meinen, jeder VW Fox oder Toyota Aygo wirke reifer. Die anderen lieben ihren Smartie als einzigartiges Stadtmobil. Der Dreizylinder-Diesel direkt hinterm Fahrersitz knurrt jederzeit hörbar, ohne jedoch unangenehm zu stören. Es gibt beim Anfahren kein Turboloch, die Schaltrucke beim heftigen Beschleunigen sind sanft geglättet, aber unter einem harten Gasfuß weiterhin spürbar. Man hat in der Stadt nie den Eindruck, der Motor sei schlapp. Trotzdem fällt der Diesel beim Antritt (null bis 100 km/h in 19,8 Sekunden) klar gegen seinen 61 PS starken Benzin-Bruder (16,7 Sekunden) zurück. Auf der Autobahn (135 km/h Spitze) fehlen ihm die entscheidenden zehn km/h Spitze, die den Benziner dort souveräner machen.

Verkehrte Welt: Beim Smart ist die Diesel-Variante mal nicht die stärkere Wahl, sondern nur sparsamer. Und mit 1210 Euro Aufpreis beim Cabrio (ab 14.140 Euro für den Pure) schmerzhaft teurer. Beim Coupé, das ab 11.200 Euro in den Preislisten steht, beträgt der Zuschlag sogar satte 1710 Euro. Also: Der Fortwo cdi ist ein Auto für Post, Pizzafahrer und Paketdienste. Und ein Modell, das den Flottenverbrauch von Mercedes-Benz wieder ein kleines Stück senken soll. Mit 88 Gramm hängt der Kleine zumindest beim CO2-Ausstoß pro Kilometer jeden anderen Öko-Konkurrenten ab: Polo Bluemotion (102 Gramm), Toyota Prius (104 Gramm) oder die baugleichen Citroën C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo (alle 109 Gramm). So weit, so sauber. Wäre da nur nicht sein Umwelt-Makel.

Umwelt-Makel offener Rußfilter

Noch nicht ganz sauber: Im fortwo gibt es nur einen offenen Rußfilter.

Denn Smart liefert seinen Sparmeister zunächst mit einem offenen Rußfiltersystem aus, das nur rund 40 Prozent der Partikel aus dem Abgas reinigt. Konkret heißt das: Der fortwo cdi stößt noch 13 Milligramm Ruß pro Kilometer aus. Damit schafft das Stadtauto zwar die aktuelle Abgashürde Euro 4, die 25 Milligramm vorschreibt, aber nicht die schärfere Euro 5. Ab September 2009 sind fünf Milligramm Vorschrift. Alle neuen Dieselmodelle, die Mercedes jetzt auf den Markt bringt, nehmen die Euro-5-Hürde mit Hilfe eines geschlossenen Rußfilters. Diese Technik will Smart erst "im Laufe des Jahres 2008" einbauen. Warum so spät? "Wir haben uns zunächst auf günstigen Verbrauch und CO2-Werte konzentriert", erklärt Smart-Sprecher Hubert Kogel die Entscheidung. Der offene Filter ist eine späte Nachrüstlösung, der aufwendigere, geschlossene Filter erfordert einen Eingriff in die Motorsteuerung.

Zudem müssen cdi-Käufer bis 2011 zusätzlich 9,60 Euro Steuer pro Jahr zahlen. Das sind Peanuts, verglichen mit dem Image-Schaden für den vermeintlichen Saubermann. Den hat die Deutsche Umwelthilfe, die nach dem Dosenpfand nun auch die Einführung des Rußfilters für alle Diesel erkämpfen will, als Schmutzfink tituliert. Die Organisation hat Daimler-Chrysler wegen "irreführender Werbung" verklagt. Das Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart endete mit einem Vergleich. Smart darf nun nicht mehr mit "extrem niedrigen Emissionswerten" werben, sondern nur noch mit der Formulierung "niedrige Emissionswerte." Auch das sind Peanuts. Aber ein paar unschöne Flecken auf der weißen Weste des Spar-Weltmeisters.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

Als Diesel ist der fortwo noch verbrauchsgünstiger und übertrifft alle anderen Sparkonzepte, von Toyota Hybrid bis Polo Bluemotion. Das sind aber auch Autos mit mindestens vier Plätzen und echter Autobahn-Reife. Der Smart mit zwei Sitzen dagegen ist kein echtes Vollwertauto – und als teurer Diesel damit für noch weniger Käufer attraktiv.

Technische Daten: Dreizylinder-Turbo, hinten quer • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 799 cm³ • Leistung 33 kW (45 PS) • max. Drehmoment 110 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • automatisiertes Fünfganggetriebe • vo. Scheiben-, hi. Trommelbremsen • Reifen vo. 155/60 – hi. 175/55 R 15 • Räder 4,5/5,5 x 15" • L/B/H 2695/1559/1542 mm • Radstand 1867 mm • Leergewicht 780 kg • Tank 33 l • 0–100 km/h in 19,8 s • Spitze 135 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 3,3 l D pro 100 km/88 g CO2 • Preis: 14.140 Euro

Autor: Joachim Staat

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