Test Smart fortwo Coupé I & II

Vergleich Smart fortwo Coupé I & II Vergleich Smart fortwo Coupé I & II

Test Smart fortwo Coupé I & II

— 25.04.2007

Alt gegen neu

Smart hat Geschichte geschrieben. Nach Startschwierigkeiten fuhr das Citymobil direkt in unsere Herzen. Jetzt ist der Nachfolger da – und kaum einer sieht's. Doch die Unterschiede sind größer als gedacht.

Beim neuen Smart beginnt der Fortschritt mit Verzicht. Zumindest, was die inneren Werte betrifft. fortwo der Zweite wächst im Vergleich zum Vorgänger zwar in der Länge, muss ansonsten aber Federn lassen. So rollt der Basis-Benziner künftig ohne Turbolader vom Band, statt elektrischer Fensterheber gibt es ab Werk nur Kurbeln, in der Aufpreisliste verschwindet die Option "Tempomat". Herzloser Raubbau an einer Ikone. Oder hat der neue Smart trotzdem alles, was der würdige Thronfolger eines Trendsetters braucht?

Breiter, höher, schwerer: Der neue Smart hat rundum zugelegt.

Eigentlich schon. Schließlich macht Smart II die kleinen Nachteile wieder wett. Den verloren gegangenen Turbolader des Dreizylinders kompensiert ein Hubraum-Nachschlag, statt elektrisch betätigter Fensterheber gibt es Preisnachlass und den Temporegler hat bislang eh kaum ein Kunde bestellt. Sonst richtet Smart seinen neuen Cityfloh nach bewährtem Rezept an: Mini-Maße außen, viel Platz innen, Styling wie gehabt. Der Neue bleibt ganz der Alte. Punkt. Schluss für heute. Moment mal. Das geht uns jetzt viel zu schnell. Und ist uns viel zu oberflächlich. Wir wollen genau wissen, ob und was der neue Smart besser kann als sein Vorgänger. Also haben wir beide Smart-Generationen direkt miteinander verglichen, objektiv gemessen und beurteilt. Und weil der Smart auch ein Glaubensbekenntnis ist, fällen bei uns überzeugte fortwo-Fahrer ihr ganz persönliches Urteil. Ihre Meinungen und unsere Messungen werden das Bild vom neuen Smarti schärfen.

Eine kleine Mogelpackung

Beim Blick in die Preisliste steht für uns fest, dass fortwo II im Grunde eine kleine Mogelpackung ist. Bei 9490 Euro geht’s los. Soviel kostet der kleine Benziner mit 61 PS. Der Vorgänger war – gleich stark motorisiert – tatsächlich etwas teurer. Das gefällt uns. Doch das fehlende Geld holt sich Smart wieder. Denn die meisten Extras sind teurer geworden. Das beginnt harmlos mit einem 40-Cent-Zuschlag für die Nebelscheinwerfer, geht über 50 Euro für ein CD-Radio und endet bei fast 200 Euro Aufschlag für die Klimaanlage. Das neue Radio macht dabei wenigstens mehr her als beim Vorgänger. Fast so groß wie eine DIN-A4-Seite belegt es einen prominenten Platz in dem völlig neu gestalteten Armaturenbrett. Dieses wirkt nun moderner, weniger verspielt. Aber durch die schlichteren Plastikoberflächen hinter dem Lenkrad oder vor der Scheibe auch etwas billiger als beim Vorgänger.

Der Neue ist alltagstauglicher

Praktisch: Der neue Smart hat eine abnehmbare Fronthaube.

Überhaupt scheinen die Smart-Werker beim Zusammenbau des Neuen ein wenig den Elan verloren zu haben. Smart Nummer zwei knistert vernehmlich auf Kopfsteinpflaster. Das kannten wir von Smart I nicht. Zudem war bei unserem Testmobil die Windschutzscheibe schief eingeklebt. Lieblos entgratete Nähte an Kunststoffteilen oder die labberigen Sitz-Rückseiten verraten ebenfalls Sparmaßnahmen bei der Produktion. Außerdem kommt statt des Panoramadachs aus Glas nun eine labile Plastikscheibe aus Polycarbonat zum Einsatz. Dagegen steht ganz klar, dass der neue fortwo noch alltagstauglicher geworden ist. So ist die vordere Haube jetzt abnehmbar. Man kann nun bequemer Waschwasser nachfüllen und endlich mal eine defekte Glühlampe selbst wechseln ohne gleich in die Werkstatt zu müssen. Zudem lässt sich die hintere Glasklappe jetzt per Taste entriegeln, in der unteren Klappe nimmt ein Fach Verbandkasten und Co auf. Der Kofferraum wächst um 70 Liter, hat jetzt Platz für eine Sporttasche mehr.

Alltag und Kosten sind ja die ein Seite des Smart – vernünftig fahren soll er auch. Und das kann er insgesamt auch besser als sein Vorgänger. Zumindest etwas. Mit längerem Radstand (plus fünf Zentimeter) und breiterer Spur verringern sich die vormals so stark ausgeprägten Karosseriebewegungen, gleichzeitig spricht die Federung sensibler an. Der neue Dreizylindermotor mit einem Liter Hubraum (kommt nun von Mitsubishi) klingt jetzt voller, macht beim Hochdrehen nicht mehr so einen gequälten Eindruck. Unser Testwagen war ohnehin mit dem 84 PS starken Turbomotor ausgestattet – dessen sattes Drehmoment beschert ihm eine gehörige Portion Entspanntheit beim Überholen. Keine Frage, hier gibt sich der Neue viel erwachsener, angenehm gelassen, hier steckt der Fortschritt.

Mehr Hubraum hilft ihm auf die Sprünge

Flinker ist der fortwo natürlich auch geworden. Unabhängig von der höheren Endgeschwindigkeit (mit 145 km/h jetzt zehn km/h mehr) hat der Smart II seine Sprinter-Qualitäten trainiert. Vor allem aus dem Stand heraus eliminieren eine satter zupackende Kupplung und das Hubraum-Plus von 300 Kubikzentimeter das alte Anfahr-Phlegma. Scharfe Kritik musste sich der Ur-Smart für sein automatisiertes Schaltgetriebe gefallen lassen. Hier sollte der Neue viel besser werden. Wurde zumindest versprochen. Nun ja. Trotz Halbierung der Schaltzeiten dauern die Gangwechsel immer noch zu lange, die Insassen reagieren immer noch mit dem typischen Wackel-Dackel-Kopfnicken. Vielleicht ist es ein Trost, dass der neue Smart nur noch fünf statt sechs Gänge hat – da bleibt den Insassen in Zukunft ein Schaltvorgang erspart.

Der neue Smart ist flinker geworden, die Lenkung direkter.

Auch die Lenkung war bislang ja nicht gerade doll. Die neue soll zehn Prozent direkter ausgelegt und viel agiler abgestimmt sein. Können wir ebenfalls nur ansatzweise bestätigen. Mehr Hubraum hilft ihm auf die Sprünge Zwar reagiert die Lenkung jetzt etwas spontaner, aber auch der neue fortwo untersteuert stark, muss immer noch in Kurven gezwungen werden. Was keinen Einfluss auf die Fahrsicherheit hat. Das ESP schreitet selbstbewusst ein und zeigt sich enorm wirksam. Das Coupé zirkelt nahezu narrensicher durch die Pylonengasse. Zum Thema Sicherheit setzt Nummer II dann noch einen drauf: Durch breitere Reifen vorn und größere Bremsen kommt der Smart rund zwei Meter früher zum Stehen als sein Vorgänger. Gut, dass Smart in diesem Punkt völlig kompromisslos auf Fortschritt setzt.

So urteilen Smart-Fahrer

Irin Rodatz: "Der Neue zieht viel besser als mein Diesel-Smart."

Irin Rodatz, PR-Beraterin aus Ahrensburg (Smart Cabrio CDI Pure, 41 PS, Baujahr 2002) "Das ist ja eine Rennmaus. Der Neue zieht viel besser als mein Diesel-Smart. Dass der Testwagen einen Benziner hat, kann ich kaum glauben – er klingt so dröhnig. Er ist wohl auch praktischer geworden. Das Handschuhfach und die CD-Halter gefallen mir besonders, bei mir lagern Kleinteile in einem Schuhkarton im Beifahrer-Fußraum. Kostet aber wahrscheinlich wie alles Aufpreis. Das Kunststoff-Dach ist bestimmt kratzempfindlich."

Ivan Bartulovic: "Leider hat Smart die Macken der Schaltung wieder eingebaut."

Ivan Bartulovic, Student aus Hamburg (Smart Coupé Passion, 61 PS, Baujahr 2004) "Als erstes fallen mir die schwarzen Plastikeinsätze am Tankdeckel oder in den Schürzen auf. Die sind ja jetzt schon grau ausgeblichen. Das sah beim alten fortwo hochwertiger aus. Das Cockpit gefällt mir. Jetzt fährt er besser, federt irgendwie geschmeidiger. Leider hat Smart die Macken der langsamen Schaltung wieder eingebaut. Der Neue schaltet einen Tick schneller hoch – aber beim Kick-down noch immer lahm herunter."
Petra Hirschberger, Tierärztin aus Hamburg (Smart Cabrio, 61 PS, Baujahr 2003)
"Vom Innenraum bin ich enttäuscht. Jetzt sieht das Cockpit aus wie bei einem Billig-Koreaner. Auch äußerlich gefällt er mir nicht. Was mir noch aufgefallen ist: Der Neue zieht besser, liegt satter auf der Straße. Aber warum haben die Sitzlehnen hinten keine feste Abdeckung mehr? Das war bisher stabiler und ließ sich umgeklappt als Ablage nutzen."

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

AUTO BILD-Redakteur Jan Horn.

Eine Ikone besser zu machen, ist schwierig. Das musste auch Smart erkennen. Sie haben das Grundprinzip beibehalten – und das ist gut so. Das Größenwachstum ist kaum erkennbar, der Komfortgewinn schon. Und mehr Temperament ist auch kein Nachteil. Allerdings hat Smart es versäumt, die größte Schwäche zu beheben. Die Schaltung arbeitet immer noch mit erheblicher Verzögerung. Echte Fans wird das kaum stören. Sie ärgern sich vermutlich mehr über den Rückschritt bei der Qualität. Eine gefährliche Entwicklung für einen engen Mercedes-Verwandten.

Autor: Jan Horn

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