Test Sport-Limousinen — 07.05.2010
Porsche Panamera S versägt Maserati
Spektakulärer Dreikampf in der 400-PS-Liga: Der Porsche Panamera S, fährt die V8-Konkurrenz BMW 750i M-Paket und Maserati Quattroporte Sport GTS auf der Piste in Grund und Boden.
Auch tapferste Weltverbesserer können sich davon nicht frei machen: Autos färben ab. Diesen Effekt bewirkt auch der
Maserati Quattroporte – insbesondere in der Topversion Sport GT S. Im Handumdrehen macht er einen zum schneidigen Lebemann, der das Leben mit dem großen Löffel genießt. Und das verlangt zuallererst einmal Respekt. Dagegen sind seine Gegner technisch deutlich weiter. Der 7er-BMW kam Ende 2008 komplett neu, der
Porsche Panamera S Ende 2009. Alle drei sind mit V8 und Heckantrieb bestückt und stellen sich der Suche nach dem Sportlichsten dieses Trios.
Übersicht: Alle News und Tests zum BMW 750i
Als 750i mit Biturbo-V8 spritzt er den Sprit hochpräzise direkt in die Brennräume, leistet 407 PS.
Der
7er geigt schon beim Vorspiel mächtig auf. Als 750i mit Biturbo-V8 spritzt er den Sprit hochpräzise direkt in die Brennräume, leistet 407 PS und pumpt ab 1750 Touren 600 Nm in die Sechsstufenautomatik. Dazu jonglieren extrem aufwendig gestaltete Alu-Aufhängungssysteme mit Nick- und Wankausgleich mit den angreifenden Kräften. Zusätzlich würzt das M-Sportpaket (7200 Euro) Performance und Auftritt etwas nach. Per Knopfdruck wählt man zwischen den Charakteren Comfort, Normal, Sport und Sport Plus. Ein hoffnungsvoller Steckbrief also. Der
Maserati tritt kompromissloser an: Sportfahrwerk, Klappenauspuff, Sechskolben-Brembobremse, Schaltwippen, digitaler Zusatzdrehzahlmesser und 20-Zoll-Räder schmücken die Dreizackdiva. Unter der Haube: Maseratis Allzweckwaffe, der 4,7-Liter-V8 mit 440 PS. Deutlich kühler, technischer und funktionaler präsentiert sich der Panamera.
Übersicht: Alle News und Tests zum Maserati Quattroporte
So elegant und doch so giftig. Unter dem Divenkleid steckt italienische Sportwagenkultur in Reinform.
Innen herrschen Strenge und Klarheit. Als Antrieb setzt
Porsche auf die neue Generation des vom
Cayenne S/GTS abgeleiteten 4,8-Liter-V8. Er leistet 400 PS und soll mittels Direkteinspritzung und variabler Einlasssteuerung sportlich und effi zient laufen. Dazu gibt es aufwendige Multilenkeraufhängungen, Aktivdämpfer und beim Testwagen eine Keramikbremsanlage (8033 Euro). Wie beim Design offenbaren die Businesssportler auch beim Fahren extrem unterschiedliche Charaktere. So erweist sich der 7er auf der Autobahn als absolut souverän. Kaum ein Wagen ist so gut gekapselt wie der rollende BMW-Chefsessel. Da der Vortrieb bei Tempo 250 ausgebremst wird, sucht man den Nervenkitzel besser nicht auf Autobahnen, sondern auf der Landstraße. Erstaunlich, wie gut dort der Wankausgleich arbeitet, aber er entkoppelt auch das Popometer von der Fahrbahn. Auf dem Sachsenring zeigt sich das limousinenhafte Wesen des 7ers am deutlichsten. Das Heck bleibt passiv und lässt sich nur mit harten Impulsen zum Mitmachen überreden. Ansonsten drängt er über die Front zum Kurvenausgang, baut dabei viel Geschwindigkeit ab, was ihm die schlechteste Rundenzeit des Vergleichs einbringt.
News und Tests zum Panamera
Ganz anders der Maserati: Wer die Sporttaste drückt, ruft einen Höllensound hervor, so unanständig, dass er alles und jeden um sich herum erst einschüchtert und dann begeistert. Ebenso die Automatik, die ihre Gangstufen durchklopft, als würde es kein Morgen geben. Auf der Rennstrecke lässt man am besten die Automatik walten; die Strategie passt, und man bleibt nicht versehentlich im Begrenzer hängen. Bei hohen Tempi wird es kritisch. Schon bei leichten Lastwechseln schaukelt der Maserati über alle vier Ecken – eine Nervosität, die man überhaupt nicht gebrauchen kann. Beim Antritt auf dem Sachsenring bestätigt sich der Eindruck. Zwei schnelle Runden, dann schmiert der Maserati nur noch an der Ideallinie vorbei. Trotzdem ist er schneller als der BMW. Der Panamera S sortiert sich bei der Langstreckenwertung dazwischen ein. Er wirkt souveräner als der Maserati, aber nicht so reisegewandt wie der BMW. Wer mittels Sport- oder Sport-Plus-Taste nachwürzt, bekommt aggressivere Gasund Schaltkennlinien serviert, die aber – gerade in Sport Plus – gern noch eine Spur wilder sein dürften, wie auch der Auspuffsound.
Mit seinen überlegenen Sporttalenten fährt der Panamera S seine Konkurrenten in Grund und Boden.
Auf der Autobahn marschiert der Panamera absolut unaufgeregt bis Topspeed 283 km/h und fühlt sich dabei authentisch nach Sportwagen an, der mit fester Hand geführt werden will. Sportfans verzeihen ihm die Stößigkeit auf Querfugen. Seine Direktheit verhilft dem Panamera S auf Landstraßen zu unglaublicher Leichtfüßigkeit. Das weckt die Vorfreude auf den Sachsenring. Nachdem er die schnellste Beschleunigungszeit und dank der Verbundbremsen auch die kürzesten Bremswege abgeliefert hat, düpiert er die beiden Kontrahenten auf der Rennstrecke. Ultrapräzise lässt er sich in die Kurven werfen, wobei die Lenkung nie zu spitz, aber stets direkt wirkt. Der Motor hängt fein am Gas. Das Fahrwerk liefert Bodenkontakt vom Feinsten. Der Panamera S weckt sofort Vertrauen und ermöglicht auf Anhieb Topzeiten. Drei Sekunden schenkt er so den anderen ein. Auf den Panamera Turbo (500 PS, Allrad) verliert er nur sieben Zehntel, fühlt sich wegen des Hinterradantriebs jedoch agiler an. Unter den Sportlimousinen ist der Panamera S also das Maß der Dinge, und diese Erkenntnis färbt mit Sicherheit auf die Besitzer ab. Lassen Sie sich also überraschen.
| Fahrzeugdaten |
BMW |
Maserati |
Porsche |
| Motor |
V8, Biturbo |
V8 |
V8 |
| Einbaulage |
vorn längs |
Front-Mitte längs |
vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen |
4 pro Zylinder/4 |
4 pro Zylinder/4 |
4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum |
4395 cm³ |
4691 cm³ |
4806 cm³ |
| Bohrung x Hub |
89,0 x 88,3 mm |
94,0 x 85,0 mm |
96,0 x 83,0 mm |
| Verdichtung |
10,0:1 |
11,0:1 |
12,5:1 |
| kW (PS) bei 1/min |
300 (407)/5500–6400 |
323 (440)/7000 |
294 (400)/6500 |
| Literleistung |
93 PS/Liter |
94 PS/Liter |
83 PS/Liter |
| Nm bei 1/min |
600/1750–4500 |
490/4750 |
500/3500–5000 |
| Antriebsart |
Hinterrad |
Hinterrad |
Hinterrad |
| Getriebe |
6-Stufen-Automatik |
6-Stufen-Automatik |
7-Gang-Doppelkupplung |
| Bremsen vorn |
374 mm/innenbel. |
360 mm/innenbel./gelocht |
390 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten |
370 mm/innenbel. |
330 mm/innenbel./gelocht |
350 mm/innenbel./gelocht |
| Radgröße vorn/hinten |
8,5 x 19 / 9,5 x 19 |
8,5 x 20 / 10,5 x 20 |
9,5 x 20 / 11 x 20 |
| Reifengröße vorn/hinten |
245/45 R 19 / 275/40 R 19 |
245/35 R 20 / 295/30 R 20 |
255/40 R 20 / 295/35 R 20 |
| Reifentyp |
Goodyear Excellence |
Pirelli P Zero |
Michelin Pilot Sport PS2 NO |
| Länge/Breite/Höhe |
5072/1902/1479 mm |
5097/1895/1423 mm |
4970/1931/1418 mm |
| Radstand |
3070 mm |
3064 mm |
2920 mm |
| Leistungsgewicht |
5,1 kg/PS |
4,7 kg/PS |
4,8 kg/PS |
| Zuladung |
488 kg |
293 kg |
487 kg |
| Tankvolumen |
82 l |
90 l |
80 l |
| Serienfahrzeug ohne Extras |
91.600 Euro |
133.310 Euro |
94.575 Euro |
| Messwerte |
BMW |
Maserati |
Porsche |
| Beschleunigung |
| 0–50 km/h |
2,2 s |
2,1 s |
2,0 s |
| 0–80 km/h |
4,2 s |
3,8 s |
3,6 s |
| 0–100 km/h |
5,5 s |
5,2 s |
5,0 s |
| 0–130 km/h |
8,5 s |
8,1 s |
7,9 s |
| 0–160 km/h |
11,9 s |
11,5 s |
11,8 s |
| 0–200 km/h |
18,3 s |
18,7 s |
19,1 s |
| Viertelmeile |
| 0–402,34 m |
13,84 s |
13,46 s |
13,46 s |
| Zwischenspurt |
| 60–100 km/h |
2,8 s |
2,8 s |
2,8 s |
| 80–120 km/h |
3,5 s |
3,5 s |
3,2 s |
| Höchstgeschwindigkeit |
| Herstellerangabe |
250 km/h (abger.) |
285 km/h |
283 km/h |
| Bremsweg |
| 100–0 km/h kalt (Verzögerung) |
36,1 m (–10,7 m/s²) |
35,6 m (–10,9 m/s²) |
33,4 m (–11,6 m/s²) |
| 100–0 km/h warm (Verzögerung) |
36,4 m (–10,6 m/s²) |
35,2 m (–11,0 m/s²) |
35,0 m (–11,4 m/s²) |
| 200–0 km/h warm (Verzögerung) |
144,3 m (–10,7 m/s²) |
143,4 m (–10,8 m/s²) |
139,2 m (–11,1 m/s²) |
| Testverbrauch |
| Ø auf 100 km |
13,3 l Super Plus |
17,5 l Super |
13,1 l Super Plus |
| Reichweite |
620 km |
510 km |
610 km |
| Leergewicht |
2087 kg |
2072 kg |
1918 kg |
Oliver Strohbach
Fazit
Mit seinen überlegenen Sporttalenten fährt der Panamera S seine Konkurrenten in Grund und Boden. Er wirkt durchweg souverän und knackt auf der Rennstrecke sogar fast den Panamera Turbo. Eindeutig erste Wahl. Wow, der nicht mehr frische Quattroporte Sport GT S geigt mächtig auf. Er brüllt, er dreht, er zickt, und er macht jede Menge Spaß. Zweitbeste Rundenzeit, dazu bessere Beschleunigungsund Bremswerte als der BMW. Hießen wir nicht SPORTSCARS sondern Komfortcars, der 750i hätte gewonnen. Aber hier fehlt ihm die sportliche Ausprägung. Er ist zu schwerfällig und der Langsamste. Ein Genießer, kein Sportler. Auch nicht mit M-Paket.