Test SsangYong Kyron

SsangYong Kyron 200 Xdi s 4x4 SsangYong Kyron 200 Xdi s 4x4

Test SsangYong Kyron

— 07.02.2006

Einer wie keiner

SsangYong bezeichnet den neuen Kyron als "Sports Activity Vehicle". Technisch ist das stattliche SUV aber ein echter Geländewagen.

SAV, SUV oder echter Geländewagen?

Den Begriff des SAV, des Sports Activity Vehicle, hat BMW erfunden: SUV, Sports Utility Vehicle, klang zu sehr nach Nutzfahrzeug. Bei SsangYong hat die Abgrenzung markeninterne Gründe: Hier käme der Kyron dem nur zwölf Zentimeter längeren SUV Rexton (ab 27.900 Euro) womöglich ins Verkaufsgehege. Also ordnet man ihn einfach einer anderen Fahrzeugklasse zu. Technisch spricht nämlich wenig dafür, den Kyron nicht als SUV durchgehen zu lassen – man könnte ihn sogar als Geländewagen bezeichnen: Leiterrahmen, hintere Starrachse, Zuschalt-Allrad, Geländeuntersetzung.

Den Vortrieb besorgt ein neuer Turbodiesel mit nur zwei Litern Hubraum. Er basiert auf dem um einen Zylinder gekürzten Fünfzylinder des Rexton – dessen Motorblock in den Grundmaßen auf dem alten 2,9-Liter-Vorkammerdiesel nach Mercedes-Lizenz aufbaut; die Entwicklung des Vierzylinders erfolgte in Kooperation mit dem österreichischen Dieselspezialisten AVL in Graz. Von einem Mercedes-Motor zu sprechen, ist also etwas gewagt.

Nah am Mercedes-Original ist die optionale Fünfgangautomatik des Testwagens. Sie arbeitet auch mit dem kleinen Motor recht gut zusammen und bietet einen "unechten" Handschaltmodus, mit dem man zwar ein selbsttätiges Hoch-, aber kein unnötiges Zurückschalten beim kräftigeren Druck aufs Gaspedal verhindern kann.

Innen wie außen ist der Kyron Mittelklasse

Ist erst die merkliche, bei frostkaltem Motor dramatische Anfahrschwäche überwunden, legt sich der kleine Triebsatz achtbar ins Zeug; er wirkt bemüht, aber nicht überfordert.

Daß er 2050 Kilo Leergewicht schleppen muß, merkt man an der Tankstelle: Selbst ruhige Fahrer kommen kaum unter 8l/100 km. Bei unserer Normverbrauchsrunde flossen 9,4l/100 km durch die Common-Rail-Einspritzung. Das ist nicht wenig für einen Zweiliter-Diesel – andererseits aber nicht viel für ein ausgewachsenes Mittelklasse-SUV.

Ein solches ist der Kyron nämlich. Das weisen nicht nur die Außen-, sondern auch die Innenmaße der Karosserie aus. Sie liegen eine Klasse über denen der RAV4-Kategorie; eher auf dem Niveau des künftigen Toyota RAV4 oder Hyundai Santa Fe. Auch Sitze und Qualitätsgefühl haben nichts Kleinwagenhaftes, die Designer sorgten für einige mutige Details – etwa den mobilen, in den Getränkehaltern deponierbaren und per Solarzelle beleuchteten Aschenbecher.

Kosten und Ausstattungen

Weniger avantgardistisch sind Fahrwerk und Antrieb. Für eine Plattform-Neuentwicklung war kein Geld da, so teilt sich der Kyron den Unterbau prinzipiell mit dem Rexton und dem Musso. Das ist nichts Unehrenhaftes, nur leider ist auch hier die Endabstimmung nicht so recht geglückt. Die weiche Grundauslegung harmoniert nicht recht mit den harten 18-Zöllern – Kennzeichen der Top-Ausstattung "s", speziell die Vorderachse stuckert unschön.

Das Allradsystem entspricht immer noch dem des 1995 präsentierten Musso: Auf der Straße fährt man nur mit Hinterradantrieb, die Vorderräder können auf rutschigem Untergrund per Drehknopf zugeschaltet werden. Daß die starre Koppelung der Antriebsachsen auf befestigten Fahrbahnen für ein schwer beherrschbares Kurvenverhalten sorgt, kaschiert das erstaunlicherweise auch bei zugeschaltetem Allrad aktive ESP nur unvollkommen.

Fazit, Technische Daten, Testwerte

Fazit von Thomas Rönnberg: Der SsangYong Kyron ist gegenüber den Konkurrenz-SUV dieser Preisklasse sichtlich um Anderssein bemüht. Das macht er nicht schlecht: Die mutig gezeichnete Karosserie bietet viel Platz und pfiffige Details; die sehr konventionelle Technik hat auch ihre Vorteile; und die Relation von Fixkosten, Verbrauch und Fahrleistungen stimmt. Kritik verdient das veraltete Allradsystem. Und daß es auch eine Billigversion ganz ohne Allrad gibt, ist nichts als ein Gag für die Preisliste.

Hoch hinaus: Zukunftspläne bei SsangYong

Von Maike Horst "Wir waren im vergangenen Jahr die wachstumsstärkste Marke in Europa", verkündete Werner Röser, Pressesprecher der SsangYong Motor Deutschland GmbH (SYMD), stolz bei der Präsentation des neuen Kyron. Mag sein: Aus 450 zugelassenen Neuwagen 2004 wurden im vergangenen Jahr 1350 – eine glatte Verdreifachung. Und so ähnlich soll's weitergehen: Für 2006 ist eine Verdopplung auf 2700 Autos geplant, 2007 sollen es dann 3700 sein.

Gelingen soll die Mission mit einer Modelloffensive. Denn nicht nur der Kyron soll in diesem Jahr den europäischen, speziell den deutschen Markt aufmischen. Im Sommer bekommt das größere SUV Rexton ein Facelift – "und das ist wortwörtlich zu nehmen", so Röser. Im November folgt dann der komplett neu und mutig gestaltete Actyon: Etwa 4,45 Meter lang und ebenfalls mit dem 141 PS starken Zweiliter-Diesel ausgestattet soll der Korando-Nachfolger gegen Konkurrenten wie Hyundai Tucson oder Kia Sportage anfahren. Das läßt vermuten: Preislich wird der Actyon wohl (in der Allrad-Variante) ebenfalls bei zirka 25.000 Euro liegen.

Noch eine gute Nachricht: Röser rechnet fest damit, daß der Actyon Euro-4-sauber vorfahren wird. Momentan arbeitet man bei SYMD noch fieberhaft an der Norm; der Kyron schafft nur Euro 3. Allerdings werde er bis 31. März von den Händlern kostenlos mit einem Diesel-Partikelfilter ausgerüstet, "und danach sehen wir weiter". Apropos Händler: Die Zahl der Vertriebs- und Servicepartner stieg von 22 (Juli 2004) auf aktuell 93; Ende dieses Jahres sollen es dann 120 Händler sein. Kein Zweifel: SsangYong will hoch hinaus.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den SsangYong Kyron. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Thomas Rönnberg

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